Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1887)
- Date
- 1887-08-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Hudmthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig a Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. US) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig , in Bonn. Gxpeöilion: Leipzig, Woßplah 17 In redaetionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, rn allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 4. August 1887. Nr. 31. Inhalt. Leitende Artikel: Die Anerkennung Israels. — Eine christlich theologische Ansicht. — Erez Jisroel Erde. HL — Zeiturrgs* Nachrichten: Deutschland: Stuttgart, Danzig, Lübeck. — Oesterreich-Ungarn: Lemberg, Graz, Agram, Karlsbad. — Schweiz- Aus der Schweiz. — Großbritannien: London. — Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Aus den Studienjahren 1829 bis 1832 in Berlin. ZcUc'nSc Bonn, 31. Juli. Die Anerkennung Israels. Die letzten Zeiten nöthigen uns, auf den Gang der«, öffentlichen Meinung über Juden, Judenthum und die heilige Schrift aufmerksam zu sein und die Symptome zu beobachten. welche uns die inneren Prozesse bekunden. Seit den Tagen Voltaire's und der Encyklopädisten hat sich eine, in einigen Ländern recht zahlreiche Partei gebildet, welche die Bekämpfung und die Herabsetzung der heiligen Schrift und aller positiven Religion und darum um so mehr des Judenthums und der Juden sich zum Ziele gesetzt hat. Diese Gegner begnügen sich durchaus nicht mit Wort und Schrift, sondern, wo sie es vermögen, gehen sie auch mit der That vor, wie z. B. in Frankreich, wo sie sich bestreben, die Culte aller Confessionen auszuhungern. Ganz entgegengesetzt ist nicht minder die orthodoxe Partei stark vertreten, welche nicht blos auch den leisesten Hauch der Kritik verketzert, sondern unbedingt festhält an den von den verschiedenen Kirchen formulirten Sätzen, so wie an der buchstäblichen Erklärung, an dem buchstäblichen Berständniß der heiligen Schrift, insoweit jenes uns überkommen ist. Allein zwischen diesen beiden entgegengesetzten Parteien dehnt sich ein großes Mittelfeld aus, auf welchem die große Menge derer steht, welche ohne gründliches eigenes Urtheil, aber Extremen abgeneigt, sich ihre Anschauung geben und bald hierhin, bald dorthin sich schieben lassen. Gerade um derentwillen ist es von Wichtigkeit, diejenigen Urtheilc hervorzuheben und zu sammeln, welche aus einer besonnenen Prüfung des Materials eine höhere Anerkennung des unerschöpflichen Werthes der heiligen Schrift und des großen Missionswerkes des Volkes Israel gewonnen haben. Sie dienen ebenso zur Bekämpfung jener Radikalen, wie zur Belehrung der großen Masse, die unsicher und schwankend ist. Und hierzu gehören gegenwärtig auch nicht wenige unserer Glaubensgenossen. Durch die zahllosen Angriffe in der Literatur, in der Tagespresse und in der bei ihnen sehr beliebten belletristischen Literatur, ist ihre innere Ueberzeugung sehr locker geworden, und da sie die Juden so vielfach mißachtet, ja gehaßt sehen, fangen sie an. ihre Stammesgenossen ebenfalls zu mißachten, natürlich mit Ausnahme ihrer eigenen Person. Was die Folge solches Vorgehens sein muß, brauchen wir hier nicht zu erörtern: der Schaden trifft das Judenthum selbst, noch mehr aber derartige Bekenner, welche die Freude an ihrer Religion verlieren, und sich in ihrer Handlungsweise nicht mehr von ihr bestimmen lassen. — Wir haben heute eine solche Auslaffung heranzubringen, welche in einem Werke gegeben worden, das im gebildeten Publikum wohl Verbreitung gefunden hat. In dem umfänglichen Geschichtswerke, das unter den Auspicien des Prof. Oncken erscheint und ausführliche Darstellungen der bedeutendsten Zeitepochen befaßt, hat Prof. Stade die „Geschichte des Volkes Israel" übernommen. Die Geschichtsschreibung des israelitischen Volkes muß doch ein immerwährendes Bedürfniß sein, denn jedes Lustrum bringt eine solche, die in der Darstellung der einzelnen Fakten und in 31 0