Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1887)
- Date
- 1887-07-21
- Page
- Seite 463 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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463 bet Mittelpunkt aller zurückgebliebenen jungen Polen. Da gab es denn lebhafte Diskussionen. Ich war von Anfang an der Meinung, daß der blutige Versuch scheitern werde. Ich machte geltend, daß die Führer des diesmaligen Aufstandes es unterließen, die Bauern und die Juden für frei und gleichberechtigt zu erklären; sie könnten daher nur theilweise auf die Begeisterung des Volkes rechnen und hieran zunächst würde der Aufstand, trotz der anfänglichen Siege, wieder unterliegen. Man entgegnete, nach dem Siege würde diese Erklärung sicherlich erfolgen. Daran glaubte ich nicht, nach dem Siege würden die Herren das Beste für sich behalten und das alte Geleis nicht verlassen wollen, das Volk hätte die Arbeit abermals für die Aristokraten gethan. Aller Tapferkeit der Polen ungeachtet, welche der höchsten Anerkennung werth war, wurde der Aufstand niedergeschlagen, da ec auch von preußischer Seite aus eingeschnürt worden, und wahrscheinlich, wenn es die Russen nicht vermocht hätten, von Preußen bekämpft worden wäre. Nur wenige von denen, welche fortgegangen, kamen wieder. Eine tiefe Traurigkeit befiel Alle, welche polnisches Blut in ihren Adern hatten. Am folgenden Sylvester waren wir zu etwa einem Dutzend Freunde bei einem Glase Glühwein zusammen, als ein Pole unter uns zur Guitarre polnische Nationallieder sang, welche die meisten von uns zwar nicht verstanden, Alle aber durch ihre elegischen Melodieen tief ergriffen. Der Sänger war übrigens kein Revolutionär, sondern studirte Jura und wurde später ein loyaler preußischer Kreisrichter. Da öffnete sich die Thüre und .ein junger Mann, übrigens ein Deutscher, trat in voller polnischer Uniform, mit dem Orden des weißen Adlers geschmückt, in das Zimmer. Er hatte den Feldzug als Bataillonsarzt mitgemacht und war glücklich wieder zurückgekommen. Wir freuten uns seiner und feierten seine Rückkehr mit vollen Gläsern, baten ihn aber doch, sich bald wieder zu entfernen, da er sich und uns unnützer Weise stark comprnmittiren konnte. Mit diesen Dingen war damals nicht zu spaßen. Ich begegnete nochmals diesem Arzte 1848, wo er als Freisinniger, der er war, eine Rolle zu spielen suchte. Die Muse der Beredtsamkeit hatte ihn aber nicht zu ihrem Jünger erkoren, und seine Rede stockte, kaum daß er angefangen hatte. Er half sich dann durch einen sarkastischen Witz, der bisweilen stärker durchschlug, als es seine längste Rede gethan hätte .. . Ach, die Jugend vergißt schnell; sie hat ihren Blick stets in die Zukunft gerichtet. Julirevolution und polnischer Aufstand lagen bald hinter uns und waren vor dem Ernste und Eifer der Studien aus unserem Gesichtskreise geschwunden. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Tn QOY*£l "Fo werden uüt 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- JLXAöv/X Gj l/fc/ folgende Wochennummer bis spätestens Sonnabend eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. An der hiesigen öffentlichen israelitischen Elementarschule ist zum 15. August er. die Lehrer- und Cantorstelle zu besetzen. Das Gehalt beträgt p. a. M. 950 nebst freier Wohnung. [$.372 Bewerber belieben ihre Zeugnisse baldigst dem Unterzeichneten Vorsteher einzusenden. Kerpen b. Köln, 7. Juli 1887. Moses Leiser sen. Ein unverh. Israel. Lehrer für Französisch u. Englisch mit fae. doc., u. Unterrichtspraxis zu Michaelis gesucht. Meldungen an den Direktor der Samsonschnle zu Wolfenbüttel Dr. Rosenstock. Lehrling gesucht unter günst. Bed. für meine Alteisen- Großhandlung. sK.373 Eintritt Ende September. 8. Cosmann, Essen a. Ruhr. Verlag von Haitmgkirtner's Buchhandlung in Leipzig. Zu beziehen durch jede Buchhandlung: L. A. Albert's Englischer Dolmetscher. Anweisung, die englische Sprache binnen kurzer Zeit leicht und ohne Lehrer zu erlernen. Nebst einem Wörterbuche der deutschen und englischen Sprache, worin die Aussprache und richtige Betonung der englischen Worte angegeben ist rc. 11. Auflage. — Preis eleg. gebdn. 2 M. 40 Pf. i Der Albert'sche Dolmetscher ist bereits in vielen Tausenden von Exemplaren verbreitet und unter den Lehrmitteln für den Selbstunterricht im Englischen auch heutigen Tages noch in allererster Linie zu empfehlen. Selbst der einfache Mann findet sich bei der praktischen Einrichtung dieses kleinen Handbuchs und bei der überall auf das Genaueste angegebenen Aussprache jedes englischen Wortes sofort in das Buch hinein und erwirbt sich durch Benutzung desselben in überraschend kurzer Zeit die Kenntniß der im täglichen Gebrauch am häufigsten vorkommenden und daher auch zunächst wissenswerthen Wörter. Rücksichtlich der äußeren Ausstattung ist das Buch handlich und dabei sehr elegant.