Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1887)
- Date
- 1887-07-07
- Page
- Seite 431 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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431 Richteramt über die Fakultät anmaßen!?" Sofort schrieb er auf ein Blatt Papier: „Die 30 Thaler sind augenblicklich dem Studiosus PH. auszuzahlen," und versah dies mit Unterschrift und Jnsiegel. Der Herr Rendant brummte gewaltig, mußte sich aber fügen, glaubte sich jedoch dadurch zu rächen, daß er mir die Summe Nur in Silbergroschen auszahlte. Ich lächelte hierzu und bemerkte ruhig: „Der Herr- Rendant erweist mir hierdurch eine Gefälligkeit, denn ich habe kleine Schulden, zu deren Zahlung ich also nichts zu wechseln brauche." Jndeß hatte die Sache doch eine Folge, denn das nächste Mal enthielt die Aufforderung an die Commilitonen den Zusatz „christlichen Glaubens," und dabei verblieb es. — Vermischtes. Anerkennenswerthe Rücksicht. Bei dem großen Kinderfeste im Londoner Hydepark erhielt, wie aus London geschrieben wird, jedes der vierziglausend Kleinen eine Schachtel mit Roastbeef, Obst, Backwerk, Limonade und ein kleines Fläschchen Wein. Für die unter den Kindern befindlichen Israeliten und Israelitinnen hatte man Tausende völlig gleicher Schachteln vorbereitet, die in Golddruck die Bezeichnung „koscher" trugen. Diese Anordnung stammte von der Prinzessin von Wales, welche bei einer Comite-Sitzung die Meinung ausgesprochen, daß es vielleicht frommen Jsraelitenfamilien nicht genehm sein werde, wenn deren Kinder am Festtage sonst ungewohnte Kost verspeisen würden. Curiosum. In Paris macht gegenwärtig die Angelegenheit eines Baron Seilliöre viel Lärm. Dieser, ein bekannter reicher Lebemann, wurde von drei Irrenärzten für wahnsinnig erklärt und in eine Irrenanstalt verbracht. Dagegen erhoben sich viele Stimmen, welche dies für ein Ränkespiel der Verwandten erklärten, die sich seines Vermögens bemächtigen wollten. Es kam so weit, daß der Polizeipräfect selbst sich in die Anstalt begab, um auch seinerseits über den Geisteszustand des Patienten sich zu unterrichten. Es erwies sich, daß dieser von einem außergewöhnlichen Größenwahnsinn beherrscht wird. Er hält sich für den Beherrscher zweier Welttheile, welche nächstens mit zwei großen Armeen zu seiner Befreiung Heranrücken würden. Aber noch mehr. Als ihn der Präfect Gragnon fragte: Wer hat Sie hierher bringen lassen, Herr Baron? S.: Das fragen Sie? G.: Natürlich, da ich es nicht weiß. S.: Nun, Herr Präfect, die Juden sind es. G.: Die Juden? Aber zu welchem Zwecke? S.: Das ist ganz einfach. Bin ich nicht der Messias, welcher der Welt verheißen ist? Und ist es da nicht natürlich, daß die Juden mich verfolgen? Aber man zittere! Ich werde mich zu rächen wissen, und mein Grimm, ebenso groß wie meine göttliche Gewalt, wird schrecklich sein. G.: Was werden Sie thun, Herr Baron? S.: Ich werde die Welt von unterst zu oberst kehren. Denn ich vermag Alles. — Der Präfect hatte nun genug. Man sieht, wir Juden müssen bei jeder Gelegenheit herhalten. Anzeigen. "Tn GAVOfo werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- XXXOv^X dWJ folgende Wochennummer bis spätestens Sonnabend eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren [Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Mittweida SACHSEN, Fachschule für lascMnen-Teclmtar Eintritt: April,October. Das billigste Lehrbuch für junge Kaufleute sind die im Verlag von Gressner & Schramm in Leipzig erschienenen Kaufmännischen Unterrichtskurse für das Selbst-Studium der Kontorwissenschaft, bearbeitet von W. Keil. Dieselben enthalten: I. Buchführung. II. Korrespondenz, III. Kontorwissenschaft, Preis jeder Lieferung nur 30 Pfg., komplett M. 18,60. Zu beziehen durch jede Buchhandlg. j Achawa,; Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer- | Wittwen u. -Waisen in Deutschland. Einnahme im Monar Juni 1887. aj nithjliobcrbeiträge. Bon Herren Haas u. Levy in Gießen, Wiesen in Osterode, Simon in Asch, Dcwiosohn in Helmarshausen. Gottschall in Michelstadt, Oppenheim in Wannsried, Speyer in Haigerloch, Hanauer in Mosbach, Saßen in Linnich, Schweizer in Adelsheim, Elsemann in Lichtensels, Mayerson in Rastatt, Cohnhoff in Duderstadt, Nordhäuser in Altenkunftcxof, Arends in Scharmbeck, Blumenfeld in Diespeck, Lichtenstüdter in Hamburg — je 0 M. b) Shrenmitgliederbeiträge. Bon Herren Katsch u. Jsr. Wohlthätigkeitsverein in Gernsheim, Scheftel, Sinsheimer, Lohnstein u. Guggenheirn in Worms — je 6 Mk. e) Geschenke. Bon Herren Dr. Rothschild in Alzey M. 15, Simon in Asch M. 1, Gottschall u. Frau in Michelstadr M. 3,24, ZTM in MT M. 1, Dr. Werner in Burgebrach M. 5, Hanauer in Mosbach M. 6, Sender das. M. 0.75, Frau Löwenhaar in Fürth M. 5, Blumenfelo in Diespeck, Sammlung M. 13,50, Drüsen in Tauberbischofsheim,SammlungM.9,50, Heymann hier M.10, Dr. Bähr in Tholey M. 6. ä) Zinsen: M. 1050,91. Frankfurt a. M., 1. Juli 1887. Namens der Verwaltung: Siegmund Jeidels.