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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-06-02 · Heft 22 (2.6.1887) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 22 (2.6.1887)
Date
1887-06-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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emerne Ein miparlciischcs Organ siir allcs jüdische Jntcreffc. Diese Zeitunq erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig $ Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. Xpeöition: Leipzig, Wojrprnh 17 In redactionellen Angelegenheiten wende inan sich an Or.'Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls' an letztere einzusenden. Oi- Jahrgang. Leipzig, den 2. Juni 1867. . Nr. 22. Inhalt. Leitende Artikel: Das parlamentarische Ende des AutistimtiSmuS in Deutschland. — Erez Jisroeit-Erde. — Philo und die Halacha. — Rechenschaftsbericht des ständigen Hülss-Comites für bie Nothstände russischer Israeliten ^u Memel. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Düsseldorf. — Oesterreich-Ungarn: Arien, Pest, Graz. — Belgien: Brüssel. — Großbritannien: London. Bonn: Notizen. — Feuilleton: Aus einer Pariser Reise im Jahre 1854. — Nachtrag: Konstantinopet. SscikeMbe ö'fciißef. Sonn, 31. Mai. Das parlamentarische Ende des Antisemitismus in Deutschland. In diesen Tagen wurde im deutschen Reichstage, allerdings mit weit geringerem Geräusch, ein anderer Culturkampf beendet, der antisemitische. Es war dies auch ganz folgerichtig. Der Geist des eonfessionellen Friedens hat sich glücklicher Weise wieder über Deutschland gebreitet. Man ist wieder zum Bewußtsein gekommen, daß Religionsfreiheit nur da besteht, wo die Confessiouen in gegenseitiger Duldung und Achtung unter einander wohnen; daß der confessionelle Parteihaß ein Gift ist, welches zerstörend ans den Organismus eines modernen Staates einwirkt. Hatte dies seine Folge auf die Beilegung des Streites zwischen dem Staate und der römischen Kirche, waren hierin Regierung, Bundesrath, Reichstag und Volk in Uebereinstimmung — so wirre es unnatürlich gewesen, wenn sich nicht auch derselbe Geist zu Gunsten der Juden bethätigt und jener antisemitische Eulturkampf, wenigstens im Parlamente, sein Ende gesunden, d. h. daß nicht von Seiten des deutschen Reichstages die Bescheinigung über dieses Ende ausgestellt worden wäre. Hatte doch das deutsche Volk im deutschen Reiche längst erwiesen, daß, wenn es auch den Inden nicht hold sei, doch von einer antisemitischen Verfolgung und von gesetzgeberischen Ausnahmen und Beschränkungen nichts wissen wolle. Als wir schon vor anderthalb Jahren in Leitartikeln von der Ohnmacht und dem Niedergang des Antisemitismus sprachen, begegneten wir vielem Kopfschnttetn und Achselzucken. Der Verlaus der Dinge hat uns Recht gegeben. Wenn wir nun in voriger Nummer in dem Berichte über die Sitzung des Reichstages vom 18. Mai die obige Ansicht äußerten, so scheint es uns angemessen, eine Bestätigung hierherzustellen, die wir in eurem Correspondenzartikel der Frankfurter Zeitung (vorn 20. Mai) aus Berlin, 19. Mai finden. Wirmeinen näurlich, dag der Vorgang im Reichstage so wichtig ist, daß wir dessen Tragweite zum allgemeinen Bewußtsein zu bringen streben müssen. Der Artikel lautet: „Die Glocke des Präsidenten, das Wahrzeichen und Werkzeug seiner Macht, ist gestern im Reichstage zersprungen. Mit großer Anstrengung war es ihr gelungen, die Stimme des „reinen" Antisemiten Böckel zu übertönen; dann aber war es aus, sie gab nur noch einen dumpfen Ton von sich. Herr Böckel hat Glück; wenn man von ihm und seinen antisemitischen Redeleistungen nicht mehr sprechen wird, wird man sich doch immer noch erinnern, daß an ihm die Präsidentenglocke zu Schanden geworden ist. Immerhin auch ein Erfolg; wahrscheinlich aber der letzte, den der Antisemitismus un Reichstage erringt. Seine guten Zeiten, in denen Herr Stöcker ungestört und unter dem Beifall des einen und dem behaglichen Schmunzeln des anderen Theils seiner Freunde das ausführen durfte, was Herr Böckel gestern nur versuchte, sind vorüber. Nachdem der Antisemitismus officiell bei den Wahlen verleugnet worden ist, gilt er auch parlamentarisch nicht mehr für anständig. Man ist jetzt überaus tolerant

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