Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1887)
- Date
- 1887-05-12
- Page
- Seite 302 (sequence 14)
- Language
- German
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302 glücklicher als die seinige; er ließ das Geld m einen Wagen packen, brachte es selbst zu seinem Mitspieler, und entschuldigte sich dringend bei ihm. Samuel Bernard war abergläubisch; er fütterte in seinem Hause ein schwarzes Huhn, mit welchem er sein Geschick verknüpft wähnte, und auf seinen Befehl wurde die größte Sorgfalt für dieses Thier getragen. Das Huhn gelangte wirklich zu einem äußerst hohen Alter, und starb während der ersten Tage des Januars; Samuel überlebte es in der That nur drei Tage. — Er starb als Opfer seines Aberglaubens, welcher sein ganzes Wesen erschütterte. Nie Hungersnot!) in den biblischen Zeiten. In der Geschichte der alten Völker spielt die von Zeit zu Zeit eintretende Hungersnoth eine große Nolle. Es lag in der Natur der Sache, daß im Wechsel der Witterung Dürre und Mißwachs sich einstellten und hierdurch nicht bloß ein schwerer Mangel an den Früchten die Bewohner des Landes bedrückte, von welchen sie sich nährten, sondern auch das Futter fehlte für das Vieh, so daß die Heerden, die einen großen Theil des Besitzstandes bildeten, völlig herunterkamen. Der Mangel an Communicationsmitteln und der geringe Handel konnten, selbst wenn in einem anderen Lande Ueberfluß vorhanden, der Hungersnoth in dem einen keine Abhülfe schaffen. So geschieht es z. B. noch heute in Persien, daß in der einen Stadt große Vorräthe an Reis und Getreide vorhanden, aber weil die passenden Wege und genügenden Verkehrsmittel fehlen, in einer gar nicht weit entlegenen anderen die Menschen verhungern. Sehen wir deshalb einmal nach, wie die Hungersnoth in den biblischen Zeiten bei den Israeliten vorkam. Der Ackerbau und die Viehzucht blühten bekanntlich unter der emsigen Arbeit des israelitischen Volkes, und dies hatte nicht allein an seinen Produkten Genüge, sondern es führte auch in bedeutendem Maße aus, wie es bei Ezechiel (27, 17) auf den Märkten von Sidon und Tyrus mit „Weizen und Backwerk, mit Honig und Balsam" erschien. Dennoch war auch im h. Lande die Hungersnoth keine allzu seltene Erscheinung, vor der man sich vielfach nur durch Auswanderung in besser versehene Länder retten konnte. Kaum war Abraham in Kanaan angelangt, als eine schwere Hungersnoth eintrat, die ihn nöthigte, nach Egypten zu ziehen. (1. Mos. 12, 10.) Wie ausdrücklich bemerkt wird, hat erst Jsac wieder unter einer Hungersnoth zu leiden; sie muß jedoch beschränkter gewesen sein, denn er flüchtete vor ihr nicht nach Egypten, sondern verblieb im Lande der Philister. (26, 1.) Eine Hungersnoth hingegen, die in Egypten ausbrach und sich auch über die Nachbarländer, namentlich Kanaan erstreckte und für Menschen und Vieh um so gefährlicher ward, als der Mißwachs 7 Jahre währte, bildet den Inhalt des 41. Capitels und der folgenden. Hier finden wir zuerst den Gedanken, durch eine Magazinirung in Jahren des Ueberflusses Vorräthe für die Zeit des Mangels aufzuhäufen. Es wird dies als eine Erfindung Josephs dargestellt, sodaß eine solche Vorsicht als neu erscheint. Wir sehen hier die Hungersnvth zum Mittel gebrauchen, um aus den freien Egyptern ein höriges Volk zu machen, dessen Grund und Boden dem Könige zustand, welcher sich durch eine Abgabe des Fünftels des Ertrages die in den Hungerjahren gelieferten Vorräthe bezahlen ließ. Die Hungersnoth hatte also hier eine völlige Umgestaltung der Staatsverfassung zur Folge. Jacob war durch denselben Mangel an Unterhalt für seine Familie und seine Heerden genöthigt, zuerst nach Egypten zu senden, wo man Getreide und Futter verkaufte, dann aber nach Egypten überzusiedeln, wo ihn Joseph mit Erlaubniß des Königs nicht allein in der Provinz Gosen ansiedeln ließ, sondern auch mit allen seinen Leuten und Heerden während der übrigen 5 Hungerjahre unterhielt. — Aus der Zeit der Wüstenwanderung sehen wir nur Anfangs die Israeliten wegen Mangels genügender Nahrung aufrührerisch werden. (2. Mos. 16, 3.) Sonst erscheint die Hungersnoth nur als eine Drohung gegen den Abfall und die Entartung der Israeliten. Dem Segen des zur rechten Zeit fallenden Frühregens und Spätregens und des daraus folgenden Ueberflusses an Getreide, Most und Oel gegenüber, wird im Falle des Abfalles und des Götzendienstes gedroht, daß „der Himmel verschlossen bleibe, Hungersnoth eintrete und Israel untergehen werde in dem Lande, welches ihm gegeben worden." (5. Mos. 11, 14 ff.) Ebenso wird dem Volke in der letzten Rede und dem Sange Moses' Hungersnoth angedroht, neben welcher auch die Pest und feindliche Sieger als Strafmittel hervorgehoben werden, (ö. Mos. 28, 48. 32, 24.) Sehe» wir nun, wie die Hungersnoth in den weiteren geschichtlichen Zeiten auftritt. In der Richterzeit treffen wir auf eine Hungersnoth, welche den Elimelech mit seiner Familie nöthigte, aus dem Lande nach Moab zu wandern, sodaß sich also jene auf das Land Israel beschränkte. (Ruth I, 1.) Unter der Regierung Davids fand eine dreijährige Hungersnoth statt, deren Ursache in einer Gewaltthat Sauls gegen die Gibeoniter gefunden wurde, welche dann David zu sühnen suchte. (2. Sam. 21, 1.) Nach der Volkszählung, welche David veranstaltet hatte, wird ihm die Wahl vorgelegt, ob er als Strafe den Sieg der Feinde, die Hungersnoth oder die Pest verlange, worauf er die beiden ersten Strafmittel zurückwies. (24,13.) In dem Gebete, welches Salomo bei der Tempelweihe hielt, bittet er, wenn Hungersnoth im Lande wüthe und das Volk im Tempel Gott um Gnade anflehe, möge es erhört werden.