Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-28 · Heft 17 (28.4.1887) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 17 (28.4.1887)
Date
1887-04-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227681--44360-3266635
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ siir alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Mlippson in Bonn. Gspeöition: Leipzig, Woßplah 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 28. April 1887. Nr. 17. JahaU. Leitende Artikel: Die Vereinigung der Religionen gegen den Skepticismus. — Gegen den Antisemitismus in Frankreich. — Josephus und die Tradition. -- Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Essen, Königsberg i. Pr., Fürth, Aus Württemberg. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Lemberg, Budapest. — Rumänien: Bukarest. — Holland: Amsterdam. — Spanien: Bonn. — Marokko: Paris. — Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Die englisch-jüdisch-historische Ausstellung. — Aus der englisch-jüdisch-hrstorischen Ausstellung. — Vermischtes. Zeitenie SfatifLcf. Bonn, 25. April. Die Vereinigung der Religionen gegen den Skepticismus. Vor einigen Jahren veranstalteten die Altkatholiken eine Versammlung von Delegirten der verschiedenen christlichen Hauptkirchen, um eine Vereinigung derselben anzubahnen. Der desfallsige Congreß fand zu Bonn unter dem Vorsitze Döllingers statt, und wirklich hatten sich ziemlich viele angesehene Geistliche der meisten Serien, selbst der orthodoxgriechischen und orientalischen, versammelt. Aber trotz der scharfsinnigsten Cvmbinationen, trotz der eifrigst gesuchten, möglichst neutralen Formeln, in welche sich die auseinandergehenden Glaubenssätze hineinbringen ließen, scheiterte der Versuch und das ganze Unternehmen wurde nicht weiter fortgesetzt. Jetzt berichten französische Blätter, daß im jüngeren katholischen Clerus der Gedanke wach geworden, auf dem Boden der Grundwahrheiten eine Vereinigung der verschiedenen Religionen zum Kampfe gegen den Skepticismus zu Stande zu bringen. Man giebt zu erkennen, daß diese Männer hierbei auch auf das Judenthum zählen. Allerdings wissen wir Juden bis jetzt von einem solchen Versuche nichts- Wir können es begreifen, daß gerade in Frankreich der Clerus zu der Ueberzeugung kommt, es müsse etwas gegen den sich in jenem Lande immer mehr^verbreitenden Skepticismus geschehen. Nicht bloß der antikirchliche, sondern auch der antireligiöse Sinn hat in der französischen Deputirtenkammer eine große Mehrheit, im Senate eine etwas geringere, und hat dieser Geist sich in sehr wichtigen Gesetzen, namentlich das Schulwesen betreffend, bethätigt. Deputirtenkammer und Senat werden aber vom Volke gewählt und man könnte daraus schließen, daß auch im französische» Volke der Anticlericalismus und der religiöse Radicalismus die Oberhand hätten. Allein bei den Wahlen wirken die politischen Motive noch viel mehr als religiöse, und die Regierung hat es mehrere Male ausgesprochen, namentlich bei den Verhandlungen über den Cultusetat, daß die Beseitigung des letzteren bei der Mehrheit des Volkes großen Anstoß erregen und der Republik nicht zu unterschätzenden Schaden verursachen würde. Wie dem aber auch sei, die Kirche hat in Frankreich soviel Terrain verloren, daß eifrige Christen unter dem Clerus entschiedener dagegen vorzugehen wohl den Drang fühlen können. Da nun dieser Skepticismus ein Feind aller positiven Religionen ist, so glauben sie, daß eine Vereinbarung aller letzteren zu gemeinsamer Bekämpfung des Feindes möglich sei. In Deutschland hat allerdings der religiöse Radicalismus auch schon eine recht breite Basis gewonnen, jedoch vielmehr unter der protestantischen als unter der katholischen Bevölkerung. In der letzteren hat der Culturkampf die meisten kirchlich Gleichgültigen zur Kirche zurückgeführt. Auch glauben wir, daß in unserem Vaterlande zwischen den Anhängern der positiven Religion und den entschiedenen Skeptikern sich das Feld des Jndifferentismus, der religiösen Gleichgültigkeit, die noch sehr weit von der Verleugnung alles religiösen Glaubens entfernt ist, weit ausdehnt. Beleuchten wir nun einmal, was eine solche „Vereinigung der verschie- I denen Religionen" zu bedeuten habe. Eine solche Vereini- 17

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.