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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-14 · Heft 15 (14.4.1887) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 15 (14.4.1887)
Date
1887-04-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Iu-entlmms. Aj / Ein unMrttiWes Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentliche Preis vierteljährig S Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Wlippson in Bonn. Gzepeöition: Leipzig, Woßpkah 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 14. April 1887. Nr. 15. Jahalt. Leitende Artikel: Die Beendigung des Culturkampfes. — Das Vereinswesen. — Die Juden in Marokko. — Zur Geschichte des jüdischen Schulwesens in Galizien. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Frankfurt a. Bä, Königsberg i. Pr., Kreuzburg O-S., Rußland: Petersburg. — Rumänien: Wien. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Erfahrung und Illusion. £<Ulcuba Bonn, 8. April. Die Beendigung des Eulturlmmpfes. Nach den Erklärungen, welche Fürst Bismarck im preußischen Herrenhause abgegeben und die von Seiten der römischen Curie bestätigt werden, wird die jetzt in Verhandlung stehende kirchenpolitische Novelle als Friedensschluß zwischen Staat und Kirche zu betrachten und der sog. Culturkampf beendet sein. Die osficiösen Blätter bringen zu gleicher Zeit Depeschen zur Veröffentlichung, welche 1871 zwischen dem Reichskanzler und dem preußischen Geschäftsträger bei dem Vatican gewechselt wurden, und die beweisen sollen, daß der Lenker des deutschen Reiches auf den Cnlturkampf nur eingegangen, um den Papst zu nöthigen, daß er das Centrum bewege, seine Opposition im Reichstage und seine Verschmelzung kirchlicher nnd politischer Zwecke aufzugeben. Hierdurch will der Reichskanzler seine jüngste Erklärung, daß ihm alle die dem Culturkampfe einwohnenden kirchenpolitischen Elemente, wie Einspruchsrecht, Vorbildung der katholischen Geistlichen, das Bestehen und die Wirksamkeit der Orden, die Beschränkungen in der Ausübung der Seelsorge, die Beschränkungen der kirchlichen Zuchtmittel u. s. w. völlig gleichgiltig seien, erhärten, da er von Anfang an darinnur ein Zwangsmittel gegen das Centrum ersehen habe. Es ist nicht unsere Sache, an dieser Stelle zu beurtheilen, wie weit dieser Beweis dem Reichskanzler gelungen, und ob nicht hiermit viele der von ihm im Laufe der parlamentarischen Debatten gehaltenen Reden im Widerspruche sind. Jedenfalls müssen wir es dem Fürsten Bismarck glauben, daß ihm die ganze Angelegenheit einfach ein diplomatischer Schachzug ohne Betonung eines principiellen Inhaltes bedeutet habe. Jndeß nahm die ganze Frage, sobald sie aus dem Cabinet des Fürsten in die parlamentarische Arena nnd in die Kreise des gesammten Volkes eintrat, eine andere Wendung und versetzte sich hier ohne weiteres auf das Gebiet der staatsrechtlichen Grundsätze. Sie wurde in der Thal ein Kampf zwischen Staat und Kirche, der früher ein Streit zwischen Reformation und Katholicismus, später zwischen der Souveränität des Staates und der Autorität der Kirche geworden. Von der einen Seite wurde das Recht des Staates zum Schutze aller seiner Angehörigen gegen kirchliche Uebergriffe angerufen, von der anderen die Unantastbarkeit der religiösen Ueberzeugnng und die Freiheit in der Uebung der kirchlichen Vorschriften vertheidigt. Wenn nun dieser durch 16 Jahre wüthende Streit wirklich beendigt, so können wir von unserem Standpunkte aus dies nur freudig begrüßen. Zuerst von deutsch-nationalem Standpunkte war es für das junge deutsche Reich eine kochst unglückliche Erscheinung, das deutsche Volk von Neuem gespalten und seinen Frieden bis auf die Grundfesten erschüttert zu sehen. Alsdann wurde durch diesen Culturkampf der eonfessionelle Hader in einem ganz unerwarteten Maße wieder geweckt,! nnd die confessionellen Gegensätze wurden so schroff heransgefordert, daß dieser Geist der Intoleranz und der Feindschaft gegen alle Andersgläubigen sich nach allen Seiten hinwandte : und so auch gegen die Juden dem Antisemitismus die Wege öffnete. Ultranwntane nnd Protestanten schlugen zu gleicher 15

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