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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-07 · Heft 14 (7.4.1887) · p. Seite 221

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 14 (7.4.1887)
Date
1887-04-07
Page
Seite 221 (sequence 13)
Language
German
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221 Dorpat, 15. März. Akademischer Verein für jüdische Geschichte und Literatur;« Dorpat (Rußland). Am 11—23. Februar dieses Jahres beging der Academische Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu Dorpat das Fest seines 3. Stiftungstages. — Der „Akademische Verein" wurde im Jahre 1883 gegründet, am 11. Februar a. St. 1884 feierlich eröffnet. Zweck des Vereins ist die Verallgemeinerung der Wissenschaft uud Kenntniß des Judenthums unter den Studirenden der Universität Dorpat. Zu dem Zwecke werden jeden Sonnabend Abend, mit Ausnahme der Sommer- und Winterferien, wo der größte Theil der Mitglieder abwesend sind, Referate über Themata, das Judenthum betreffend, gelesen, jüdische Zeitungen in hebräischer, russischer und deutscher Sprache aufgelegt, Werke speciell jüdischen Inhalts angeschafft u. s. w. u. s. w. — Der Akademische Verein ist die einzige in Rußland officiell bestätigte Verbindung jüdischer Universitäts-Jünger mit derartiger Tendenz, die Bestrebungen jüdischer Studenten anderer russischer Hochschulen einen ähnlichen Verein in's Leben zu rufen, sind leider nicht von Erfolg gekrönt worden. — Der Verein als Ganzes verfolgt keine engherzig-nationale Tendenzen: sogar die wahrhaft großartige Idee der Colonisation Palästinas, welche in den letzten Jahren die intelligente jüdische Jugend Rußlands so sehr begeisterte, daß von der Verwirklichung dieser Idee allein die Zukunft des Judenthums abhängig gemacht wurde, daß sie allein den Anfangs¬ und Ausgangspunkt aller nationalen Bestrebungen ausmachte, fand keinen geeigneten Boden im Verein. Ohne Gegner der Idee der Col. Pal. zu sein, hält er sich von derselben fern, im festen und wahren Glauben an die Zukunft und Berechtigung des Judenthums will der Verein dasselbe nicht von zufälligen Momenten abhängig wissen, seine Ziele sind nur darauf gerichtet, die Wissenschaft des Judenthums zu popularisiren, in der Uebcrzeugung die Kenntniß des Judenthums allein bilde das mächtigste Mittel, die Liebe zu demselben anzuregen und das Interesse für dasselbe dauernd zu erhalten, und in der That hat der Verein im Laufe seiner dreijährigen Thätigkeit einen außerordentlich segensreichen Einfluß ausgeübt: so mancher Stammesgenosse, der in Folge der falschen Richtung der 60er und 70er Jahre vom Judenthum nichts wußte und nichts wissen wollte, hat durch den Verein eine richtige Vorstellung erhalten, was er, als Jude, dem Judenthum schulde und bekundet lebhaftes Interesse für dasjenige Volk, dem er nun nicht mehr blos der Abstammung, sondern auch der Ueberzeugung nach angehört. Die Zahl der Mitglieder beträgt gegenwärtig 48, die mit wenigen Ausnahmen Juden russischer Zunge sind, daher auch die Vorträge größtentheils in dieser gehalten werden. Der Verein hat sein eigenes Local, wo sich die Mitglieder täglich versammeln, um Zeitungen zu lesen und zugleich auch die Geselligkeit zu Pflegen. Die Bibliothek des Vereins beläuft sich auf nahe an 900 Bände. Dem Charakter des Dorpat'schen Lebens gemäß, muß der Verein eine ausgeprägt exclusive Stellung einnehmen: es ist ihm nicht gestattet, Nicht- Studirende zu seinen Mitgliedern zu zählen und überhaupt in irgend welcher Weise seine Thätigkeit nach Außen auszudehnen. Die Feier des dritten Stiftungstages nahm einen sehr schönen Verlauf. Eingeleitet wurde sie mit einem vom Praeses verlesenen Bericht über die dreijährige Thätigkeit des Vereins, darauf hielt der Vice-Praeses einen fein durchdachten Vortrag „Nathan und Shylock" oder 2 Typen der Juden, und indem er zuletzt über die Ringe im Nathan zu sprechen kam, schloß er mit den Worten: „Wollen wir unfern Ring, das Erbe unserer Väter, festhalten und mit keinem andern vertauschen." Dem literarischen Theil der Feier folgte der musikalische, welcher mit dem allbekannten Studentenliede „kauckeamus igitur“ und dem hier zu Lande nicht weniger populären Liede „Stoßt an, Dorpat soll leben" begann, sodann wurden einige Lieder mit Clavierbeglcitung gesungen, worauf man zum Souper schritt. Hier wurden vom Praeses die Telegramme und Glückwünsche von den Philistern und Gönnern des Vereins, so wie die Titel der als Geschenke zum Stistungstage eingelaufenen Bücher verlesen. Der erste Toast nach dem Souper galt der Universitats - Obrigkeit, welche keinen Unterschied zwischen Nationen und Confessionen kennt und in überaus zuvorkommender Weise die Statuten des Vereins bestätigt hat. Bis zum frühen Morgen blieben die Vereinsmitglieder beisammen und beim Anblick dieser überaus heitern Gesellschaft, welche, aus den verschiedensten Gegenden des weiten Rußlands stammend, sich hier versammelte, mußte man unwillkürlich an die Worte des Propheten denken: myoDi ijnr m:DD Dem vom Praeses verlesenen Bericht will ich nur die Titel der Vorträge anfügen, wobei zu bemerken, daß im ersten Jahre vorwiegend historische Referate gelesen wurden, um den Mitgliedern die Möglichkeit zu bieten, sich mit der Geschichte ihres Volkes vertraut zu machen. Es wurden folgende Borträge gehalten: I. Semester 1884: „Jüdische Vereine in Rußland." „Der Talmud und sein Einwirken." „Die Inden unter römischer Herrschaft." „Die Juden Englands bis zum 17. Jahrhundert." „Stellung der Juden in Spanien bis zu ihrer Vertreibung." „Prophet Jesaias." „Die Juden und die Reformation." „Herrscher aus dem Geschlechts der Hasmonäer." „Stellung der Juden bei den Römern von

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