Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-04-07 · Heft 14 (7.4.1887) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 14 (7.4.1887)
Date
1887-04-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227678--44309-3266581
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Allgemeine Zeitung des Hudmthums. Cm unpaitciischcs Organ für alles jii-We Jntcreflc. Diese Zeituna erscheint wöchentlich. Preis-vlerteljahrig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Sir. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig in Bonn. Gzepeöition: Leipzig, Woßpkcth 17. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 7. April 1887. Nr. 14. Mm 1t, Leitende Artikel: Zum Peßachfeste. — Die Vorfälle in Tunis. — Aberglaube im Judenthume. — Wohlthätige Werke. -- Ein jüdisches Museum. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Posen, Breslau, Dresden, Oranienburg. — Oesterreich- Ungarn: Wien, Papa. — Tunesien: Tunis. — Palästina: Jerusalem. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Nekrologisches. — Academischer Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu Dorpat (Rußland). — Verzeichniß von Thematen zu Vorträgen. £eife/nbe dzti&el Bonn, 1. April. Zum Peßachfeste. Es giebt wohl kein anderes israelitisches Fest, welches dem Peßach an Gedankenreichthum gleich käme. Wir haben dasselbe schon oft genug vor unseren Lesern als Fest der Befreiung aus allen Sklavenketten, als Feier der göttlichen Vorsehung und Wallung zum Schutze des Schwachen gegen den Starken, zur Aufrichtung und Erhebung jedes Gebeugten gegen seinen Zwingherrn gekennzeichnet. Wir haben es ferner als das Geburtsfest des Volkes Israel, als'das Weihefest desselben zum Bekenntniß des einzigen Gottes, zum Träger der Einheitslehre von Gott erkannt, und was weiter an bedeutenden Ideen sich hieran knüpft. Allein noch ein anderes geistiges Bild entrollt sich in diesem Peßach vor unseren Augen. Fast viertehalb Jahrtausende sind vorüber gegangen, seitdem das merkwürdige Geschehniß, welches im Peßach gefeiert wird, vor sich gegangen; der Wechsel der Geschicke hat seitdem wiederholt das Volk Israel aus seinem Lande gehoben und schließlich seit 18 Jahrhunderten über die Erde zerstreut, und dennoch ist das Peßach nicht aus seinem Gedächtniß gewichen und wird von ihm, soweit sich seine Wohnstätten ausdehnen, begangen. Und dies hat das Gesetz im Voraus gewollt und bestimmt, und jegliches Jahr sollte in Jerusalem jener Weiheact wiederholt werden und wird noch heute von jedem Familienvater im Geiste wiederholt; das ungesäuerte Brod liegt noch heute auf unserem Tische und ein häusliches religiöses Fest wird mit Ernst und Gemüthlichkeit gefeiert. So enthält das Peßach, wie das Gesetz es bestimmt und wie Israel es beobachtet, in entschiedener Weise den Gedanken der Ueberzeugungstreue, der Festigkeit, der Consequenz in allem, was die religiöse Erkenntniß und die religiöse Sittlichkeit enthält. So fordert das Fest zu solcher energischen Treue und Consequenz auf, und so bethätigt der Israelit diese Treue und Consequenz in der Feier des Festes. Was „das Peßach in Mizrajim" vorschrieb und verlangte, das freie Bekenntniß zu Gott und Israel, es wird noch heute durch die Feier des Festes von uns bekräftigt. Was aber ist in unserer Zeit nothwendiger als den Geist der Treue und Consequenz zu nähren und ihn uns zum gesetzgeberischen Factor in unserem Denken, Wollen und Thun zu machen? Jq politischen, materiellen und Berufsangelegenheiten, ebenso wie in unserer religiösen und sittlichen Haltung, ist Treue und Consequenz zum höchsten Bedürfniß geworden. So groß sind die Verwirrungen der Verhältnisse, der Zusammenstoß der Parteien, die Mannigfaltigkeit der Ansichten, die Verschiedenheit der Interessen und die zersetzenden Leidenschaften, namentlich die Genußsucht und die Habgier, das Verlangen nach Vergnügungen und Zerstreuungen, daß aus diesem Chaos nur die strenge Pflichttreue, das klare Bewußtsein der Ziele und die Consequenz in dem Streben nach der Erreichung dieser Ziele allein zu retten vermögen. Dieses Bewußtsein kann das Peßach in uns nachdrücklich wecken und festhalten. Ist es doch in seiner ganzen Erscheinung das Festhalten eines großen Gedankens durch die Jahrtausende, durch zahllose Geschlechter hindurch! Mögen wir es daher zur Feier des Festes mitu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.