Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1887)
- Date
- 1887-03-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Iudeckhums. Ein miMteiischcs Organ für alles indische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Di'. Ludwig Wlippson in Bonn. GXpeöition: Leipzig, Woßpknh 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 m.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 17. März 1887. Nr. 11. Inhalt. Leitende Artikel: „An die deutschen Juden". — Die Stellung des Judenthums unter den Religionen des Alterthums. — Im Zickzack. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Hannover. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Graz. — Rußland: Tiflis. — Rumänien Bukarest. — Amerika: New-Dork. — Australien: Melbourne. — Bonn: Notizen. — Turek, Literarische Notizen. — Feuilleton: Von der Vererbung. £eite/ni>e CUt'ißef. Bonn, 11. März. „An die deutschen Zuden." „Von Prof. M. Lazarus." In dem heftigen Wahlkampfe, der soeben in Berlin vor sich gegangen, wurde es kaum bemerkt, daß Prof. Dr. M. Lazarus einen Aufruf der verbündeten Cartellparteien für ihre Berliner Candidaten, worunter zwei entschiedene Antisemiten, Wolff und Blume, mitunterzeichnet hatte. Von einer allgemeinen Bedeutung konnte ja dies nicht sein, und jeder Bürger hat das Recht und die Pflicht, seiner politischen Ueberzeugung gemäß sich einer Partei anzuschließen. Jndcß erregte dies bei mehreren oder wenigeren unsrer Berliner Glaubensgenossen Aufsehen und Unwillen. Daß Prof. Lazarus nationalliberal gesinnt sei, wußte man längst, daß er aber für antisemitische Candidaten nicht allein stimmen, sondern auch einen Aufruf unterschreiben würde, fand man mindestens auffällig. Darüber nun entrüstete sich Prof. Lazarus seinerseits und veröffentlichte soeben eine Broschüre „An die deutschen Juden" (Berlin, 1887, Walther u. Apolant). Hierdurch bauschte der Vers, die an sich nur Berliner Sache zu einer allgemeinen deutschen auf, wozu sie nicht angethan war. Unter den „deutschen Inden" haben viele für Cartellcandidaten gestimmt — aber nicht für Antisemiten. Dies war j wohl Prof. Lazarus Vorbehalten. Wir hatten Aufrufe für I Septennatscandidaten in Händen, unter welchen sich zwei, drei oder gar vier Juden unterschrieben fanden. Auf Verlangen können wir sie namhaft machen. Aber für Antisemiten, für einen Stöcker und Genossen kein einziger. Deshalb sind wir genöthigt, die Broschüre des Herrn Lazarus zu besprechen, obgleich wir erst im ersten Leitartikel von Nr. 7 über „die politischen Ansichten der Juden" gehandelt haben. Wir gestehen offen, wir bedauern herzlich, daß Prof. Lazarus diese Broschüre geschrieben hat. Wir bedauern es zuerst wegen des ganzen Tones, den L. darin anschlägt. Er geht von einer Selbstüberhebung aus, die wir nicht für würdig anerkennen. Er rühmt sich der Broschüre, die er 1880 („Was ist national?") veröffentlicht und die er als die erste gegen den Antisemitismus gerichtete preist. Er vergißt, daß zu derselben Zeit vr. Joel, vr. Glück, S. Mayer, Dr. Paulus Cassel, B. H. Oppenheim, Prof. vr. Harry Breßlau und Ludwig Bamberger gegen den Antisemitismus und namentlich gegen Treilschke in Broschüren nnd Zeitschriften aufgetreten sind und zwar mit großem Erfolge. L. rühmt weiter, daß er am 1. December 1880 eine Versammlung von Juden berief, in welcher er eine Rede hielt und ein Comitä eingesetzt wurde, um den Antisemitismus zu bekämpfen. Das war sehr schön. Was aber hat dieses Comitö, an dessen Spitze L. stand, gethan? So viel wir wissen, nichts als daß es eine Anzahl Exemplare von der Broschüre des Prof. L. an die jüdischen Gemeinden versandte. Nicht minder fällt in der vorliegenden Broschüre die Heftigkeit aus, mit welcher er gegen j Alle, die nicht seiner Ansicht sind, losfährt. Die nicht denken, > wie er, denken überhaupt nicht, sind einseitig und beschränkt. Doch wir wollen dies Alles als aus momentaner Erregung geflossen übersehen, auch die mehrfachen Widersprüche, die in dem Heftchen Vorkommen, und uns zur Hauptsache wenii