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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-03-10 · Heft 10 (10.3.1887) · p. Seite 155

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 10 (10.3.1887)
Date
1887-03-10
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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155 schild's, seine wichtige Erfindung der Uebertragung der Jmpulsionskraft vermittelst der Electricität zu greifbaren Resultaten gebracht hat und jetzt einen europäischen Ruf besitzt. Herr Drumont warf ihm nicht allein diese Cooperation der Rothschild's vor, sondern behauptete sogar, daß er seine Erfindung englischen oder deutschen Ingenieuren entwendet habe. Die Verurtheilnng des Herrn Drumont fiel um so strenger aus, als derselbe sich nicht gemüssigt gefühlt hatte, vor Gericht zu erscheinen. Der Gerichtshof sprach nämlich Herrn Drumont und seine Verleger schuldig und verurtheilte den Ersteren zu einer Geldstrafe von 1000 Francs und die Letzteren zu einer Geldstrafe von je 200 Francs. Außerdem wurde zu Recht erkannt, daß Drumont dem Ingenieur Deprez einen Schadenensatz von 5000 Francs zu zahlen und das Urtheil in 10 Pariser und 10 Provinz- Journale einzurücken habe. Schließlich ordnete der Gerichtshof an, daß aus der „France Juive" jene Stellen, welche die erwähnte Verleumdung enthalten, zu entfernen seien, und daß Drumont für jedes Exemplar, daß mit den incriminirten Absätzen erscheinen sollte, an Deprez ein Schadenersatz von 50 Francs zu entrichten habe. Italien. Rom, 24. Febr. Dem Pariser „Temps" wird telegraphirt: Gestern waren die für die Portefeuilles bezeichneten Personen unter dem Vorsitze des Herrn Depretis versammelt. Nur die Herren Luzzatti und Branca fehlten. Die Annahme des Portefeuilles des Unterrichts durch Herrn Luzzatti, um welche der König nichts wußte, war die Ursache eines völligen Umsturzes. Man versichert, der König habe erklärt, er wolle nicht das Portefeuille des Unterrichts einem Israeliten übertragen, und so blieb Herrn Depretis nichts übrig, als auf das Mandat, ein Ministerium zu bilden, zu verzichten. Dieser Zwischenfall wird lebhaft erörtert. Ein ähnlicher Zwischenfall trug sich 1873 in der Krise des Ministeriums Lanza zu, da man das Portefeuille der Finanzen einem andern Israeliten, Herrn Maurogonato, übergeben wollte. (Wir haben von vornherein nicht geglaubt, daß ein Jude das Unterrichtsministerium erhalten werde. Graf Cavour >oar anderer Gesinnung; er hat einen Juden zu einem Gesandtschaftsposten berufen. Redact.) (Nachschrift.) Man wird hierbei an den Ausspruch Mendelssohns erinnert: „Es ist mir lieber, daß die Akademie mich wählt, und der König mich streicht, als daß der König mich wählt, und die Akademie mich streicht." Im Grunde ist es in unserer Zeit besser, eines Ministerpostens für würdig j und befähigt erachtet zu werden, als ihn wirklich einzunehmen. Denn jeder Minister wird von seinen Gegnern so geschmäht und von seinen Anhängern so wenig gewürdigt, daß er bei seinem Rücktritt einer gewissen Mißachtung anheimfällt. Spanien. Madrid, Ende Februar. In einer der letzten Sitzungen der spanischen Cortes richtete der republikanische Deputirte Baselgo an die Regierung die Frage, ob Juden, die nach Spanien kämen und sich daselbst niederlassen wollten, auf den Schutz der Gesetze zu rechnen hätten? Der Ministerpräsident Sagasta beantwortete die Frage, indem er die Art. 2 und 11 der Verfassung verlas, aus welchen fließe, daß die Rechte der Juden verbürgt seien, so lange ihre Handlungen den Vorschriften der allgemeinen Moral nicht widersprächen. Die letztere Bemerkung ist auffallend, da ja dies auf Alle, Christen oder Juden, paßt: eine Verletzung der Gesetze führt ein strafrechtliches Verfahren nach sich. Wir haben bereits wiederholt bemerkt, daß zwar die gedachten Artikel der Verfassung einwandernden Juden in Spanien keine Hindernisse bereiten; es jedoch sehr viel auf die Gesinnung des Volkes ankommt, das durch den Einfluß der Geistlichen noch immer leicht erregbar ist. Sicherlich ist bis jetzt für einzelne jüdische Einwanderer nichts zu fürchten. Daß dasselbe für Einwanderungen in größerer Zahl auch der Fall sein werde, ist immer noch sehr fraglich. Amerika, St. Louis, 10. Febr. (Privatmitth.)l) Sie wissen, daß ich am Ufer der Elbe geboren worden und erst in späteren Jahren nach dem Missisippi gekommen bin. Mir sind deshalb die großen Verschiedenheiten in Ansichten und Zuständen zwischen der alten und der neuen Welt recht bewußt geworden, um so mehr, als sie sich mir oft recht fühlbar gemacht. Eine derselben besteht darin, daß man in der alten Welt bei jeder Verlegenheit nach der Polizei ruft, für jeden Nebelstand, beträfe er Alle, Viele oder nur Einzelne, Abhülfe von der Regierung und dem Gesetze verlangt. Hier sagt man: hilf dir selbst und es wird dir geholfen. Ueberall wird man auf die Selbsthülse verwiesen. Man ist auch recht geneigt, einem Anderen eine Hülfe darzubieten; sobald man ') Die obigen Bemerkungen schließen sich unserem Leitartikel iu Nr. 7 „Die Trennung von Staat und Kirche" an, den allerdings der gesch. Corresp. noch nicht gelesen hatte, als er seinen Brief absandte. Redaktion. 10*

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