Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-03-10 · Heft 10 (10.3.1887) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 10 (10.3.1887)
Date
1887-03-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227674--44241-3266509
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

"Allgemeine Zeitung des Iudenlhums. Cm nnpartensches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeituna erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Gxpeöitron: Leipzig, WoßpLrrh 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 10. März 1887. Nr. 10. Inhalt. Leitende Artikel: Die zwei Schwerter. — Politische Briefe aus Oesterreich. — Preisausschreibung. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Bielefeld, Schnlitz, Siegen. — Oesterreich-Ungaru: Wien, Pest, Aus Siidtixol. — Frankreich: Paris. — Italien: Rom. — Spanien: Madrid. — Amerika: St. Louis. — Bonn: Notizen. — Pest: Literarische Notizen. — Feuilleton: Vermischtes. Xci('cn6e Sl-zi 'ificf. Bonn, 4. März. Die zwei Schwerter.! In einer der letzten Sitzungen des aufgelösten deutschen; Reichstages bemerkte Fürst Bismarck, daß der Streit der beiden Schwerter, d. i. der weltlichen und der geistlichen Macht, weit über das Mittelalter bis in das graueste Alterthum reiche und sich schon in Agamemnon und Kalchas darstelle. Gewiß richtig, lieber eine solche, durch fast alle Zeitalter reichende geschichtliche Erscheinung läßt sich nicht theoretisiren. Sie ist nicht aus einer Theorie entsprungen und wird nicht durch die bloße Theorie beseitigt. Beide Mächte, die weltliche wie die geistliche, sind naturwüchsig und der Kampf zwischen beiden um die Obmacht ist folgerichtig. Jede Religion bedarf des Cultns, und dieser wieder der Funktionäre, d. i. der Priester, welche dann auch die religiösen Dogmen gestalten und zu ihrem Vortheile, zur Herrschaft über das Volk benutzen. In dieser Herrschaft begegnen sie der von der Gesellschaft ebenso nothwendig geschaffenen weltlichen Macht, und der Kampf beider kann nicht ausbleiben. So hat selbst der Buddhismus gleich nach seinem Entstehen eine Priesterschaft hergestellt, welche nun in seinem iveiten Gebiete bald auch die weltliche Herrschaft an sich riß, wie in Tibet, bald mit der weltlichen Macht rang, wie in Japan. Das Schwanken nun dieser Herrschaft nach der einen oder der anderen Seite rührt von den Motiven her, durch welche sie in den Anschauungen des Volkes und der Zeit mehr oder weniger lebt. Der eben erschienene erste Theil der „Geschichte j der Neueren Zeit von Prof. Dr. Martin Philippson" (Berlin, Grote 1886) beginnt mit den Sätzen: .Die Herrschaft bestimmter Einrichtungen und der Vorrang gewisser socialer Elasten können lediglich unter der Bedingung Dauer haben,! daß sie sich auf besondere und ausgezeichnete Dienste gründen, welche sie der Gesellschaft leisten. Nur was einem Lande oder Volke unentbehrlich ist, kann an dasselbe den Anspruch einer bevorzugenden Anerkennung und Behandlung stellen." Hierin liegt der Schlüssel nicht allein zum Verständniß, sondern auch zur richtigen Beurtheilung vieler geschichtlichen Vorgänge, die sich in jenem Kampfe abspielten und immer wieder kommen und gehen. Denn jener Streit beherrscht noch vielfach auch unsere heutige Zeit trotz des vorwiegenden Gewichtes, welches ganz andere Interessen der Gesellschaft erlangt haben. In Frankreich, Italien, Oesterreich und Deutschland nimmt noch heute der Kampf jener beiden Mächte mit einander viele Kräfte in Anspruch. In Frankreich kämpft die demokratische Republik mit dem Clerikalismus; in Italien hält die römische Curie ihre Ansprüche auf den erst vor 16 Jahren ganz verlorenen Kirchenstaat aufrecht; in Oesterreich strebt die Geistlichkeit nach der Wiedererlangung der Herrschaft über die Schule und in Deutschland braucht man nur an den sog. Culturkampf zu erinnern, sowie an die jüngsten Geschehnisse, wo der Papst zum Schiedsrichter in internationalen Streitigkeiten und dann zur Einmischung in innere Fragen des deutschen Reiches berufen worden. Es wird deshalb interessiren, die Frage beantwortet zu sehen, wie sich diese historische Erscheinung innerhalb des Judenthums bekundet und gestaltet habe? io

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.