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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-01-04 · Heft 1 (4.1.1887) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 1 (4.1.1887)
Date
1887-01-04
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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bcv Wcbactcuiv, meint derselbe iu das (Sonnte der Hochschule berureu und mit der feierlichen Eröffnungsrede betraut wurde. Das Jndenthum iu seinem wahren Werthe zu entwickeln, rs von beit Schlacken der Vergangenheit zu läutern, mit edler Bildung und wahrer Wissenschaft in Einklang zu bringen, mit den Forderungen der Zeit und Gesellschaft auszugleicheu, ein geklärtes, auf kulturhistorischer Grundlage beruhendes und zu weltgeschichtlichen Werken bestimmtes Jndenthum zu verkünden und zur Geltung zu bringen, das erachtete die A. Z. d. I. von jeher für ihre heiligste Aufgabe. Von diesem Gesichtspunkte aus bekämpfte sie den Chassidismus, der in den Ländern des Ostens tiefe Wurzeln geschlagen hatte, mit feinem Aberglauben und feiner Wnnderthütigkeit; drang sie stets auf Errichtung von Schulen, auf verbesserten Religionsunterricht - für beit sie immer mtb immer wieder in ihren Spalten einen Sprechsaal eröffnet —, auf Behandlung der jüdischen Ethik. Diese letztere hat sie stets ulit besonderer Vorliebe gepflegt: nur erinnern nur an die „Jesaianische Moral" IM?7. 78i, „die Moral des Iirmejahu, Ezechiel, der zwölf kleinen Propheten" (1885), „die Moral der Pirt'e Aboth" (18781, „die Weisheit Salomon's" (1885V Nicht minder lebhaft iuteressirt sie sich für die israelitische Religionsphilowphie: hierlier gehören die Serien von Artikeln über Philo und das Urchristeuthum ist871-, die Seele nach der Bibel 1*77), die Lehre des Iudenthums von der göttlichen Vergeltung (1870. 71), „Von Sinai bis Esra" (1871. 72), „über die llusterblichkeitslebre" (1877), „das Berhältniß des Iudenthums zu den alten Religionen" (1877-, „den Islam und das Indeutbmn" (187-1). Die früheren Aufsätze dieser Art find zum großen Dheile in Philippsou's „Weltbewegenden Fragen iu Religion und Politik" (Leipzig, Baumgartner, 2 Bde.) vereinigt worden. Ueberhaupt wich dieses Blatt keiner Streitfrage ans, luelebe die Zeit zu Tage förderte. So hat es stets Frische, Futeresse, Anziehungskraft bewahrt. Ausführlich behandelte es einen in den sechziger Jahren viel ventilirten Gegenstand: den Tod Jesu, in einer Reihe von Nummern (Iahrg. 1865, S. 21 ff.). Dieselben fanden allgemeinen Anklang: und als der Nedacteur sie in eine Broschüre vereinigte: „Haben wirklich die Juden Iesum gekreuzigt?" wurde sie iu die meisten Eultursprachen übersetzt. Andererseits bewahrte die A. st. d. I. treue Pietät allen j um das Jndenthum und die Allgemeinheit verdienten Männern. 5 Jeden von ihnen erkannte sie bei Lebzeiten freudig au,■ jedem legte sie aus das Grab den Lvrbeerzweig und den Dank treuer Herzen. Nur ein Beispiel sei hier unter vielen hervorgehoben. Sobald Gabriel Rießer der Erde entrückt und in der Vollkraft des Lebens aus seiner ruhnireichen Laufbahn herausgerissen war, forderte der Redactenr zur Errichtung eines Denkmals für ihn auf (1868): nicht eine- Denkmals von Stein oder Erz, sondern bestehend in der Herausgabe seiner sämmtlichen Schriften und Reden. Und so erfolgreich war auch hier der Aufruf der A. Z. d. I., daß nicht itnr der Druck der Rießerschen Werke erfolgen konnte, sondern überdies die Gründung einer Rießer-Stiftung zur llnterstützmig und Förderung tüchtiger jüdischer Studenten an deutschen Universitäten, sowie bereits bewährter jüdischer Männer der Wissenschaft, die um ihrer Religion willen eines entsprechenden Wirkungskreises entbehren müssen. Haben wir nur nöthig hervorzuheben, daß auch während dieser Epoche die Zeitung aufmerksam ltub unparteiisch den Erscheinungen jeder Art jüdischer Literatur gefolgt ist? So ist die Geschichte der A. Z. d. I. eigentlich die Geschichte der Juden und des Iudenthums in dem letzten halben Jahrhundert. Dieses Blatt bildete sich immer mehr und mehr zu einem Mittelpunkte für das gesammte Israel aus, für alles, was letzteres direet oder indirect berührte in religiöser mtb sittlicher, in politischer und socialer, in wissenschaftlicher und literarischer Beziehung. Sein Gesichtskreis erstreckt sich gleichmäßig über alle Zeiten und Länder. So lebhaft das patriotische Gefühl in ihm waltet, es kennt keinen Chauvinismus, und die Israeliten aller Nationalitäten sind als solche ihm gleich theuer, gleich werth, und ihre Interessen ihnl gleich kostbar. Roch immer, wie vor fünfzig Jahren, kämpft die Zeitung für das äußere Wohl und das gute Recht der Juden, arbeitet sie aber auch au der Wiederbelebung der Vergangenheit des Iudenthums, au seiner geistigen Verjüngung, an der Erweckung des Stammesgefühls und der Selbstachtung unter den Israeliten, an ihrer religiösen und Kultur-Erziehung, an der Veredlung ihres Gottesdicmstes, an der Aneiseruug zur vollen Erfüllung ihrer bürgerlichen und staatlichen Pflichten. Fünfzig volle Jahre hat hier derselbe Redactenr mit treuer, nie ermüdender Aufopferung, stets in demselben hoben und edlen Sinne, mit immer gleicher Frische und Kraft für feinen Glauben und seine Glaubensbrüder gewirkt, unterstützt von derselben Verlagsbuchhandlung, mit der innige JrennW schuft ihn vereint - möge Gott ihn noch lange zu dergleichen segensreichen Arbeit erhalten, weit über dieses sein und unserer Zeitung goldenes Jubelfest hinaus!

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