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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-01-04 · Heft 1 (4.1.1887) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 1 (4.1.1887)
Date
1887-01-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein MMtciWcs Organ für alles jiidischc Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern,außerdem durch denBuchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Wlippson in Bonn. GXpeöition: Leipzig, Woßpkcrh 17. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 4. Januar 1887. Nr. 1. Inhalt, Leitende Artikel: Eine seltsame Veränderung. — Ein conservativer Gallapfel. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Hamburg, Bonn, Breslau. -- Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Aus Böhmen.— Frankreich: Paris. — Italien: Aus Italien. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Skizze zur Geschichte der Juden in Teplitz (Böhmen). Bonn, 27. Dezember. Eine seltsame Veränderung. Die Geschichte hat den Juden, namentlich seit ihrer Zerstreuung, sehr verschiedene und eigenthümliche Lagen bereitet. Schon vor dem zweiten Falle Jerusalems waren große jüdische Colonien in die bedeutendsten Städte der damaligen civilisirten Welt, wie Alexandrien, Antiochien, Seleucia, Athen, Rom, verpflanzt worden. In diesen Colonien waren ganz nach der Lage der Dinge zwei verschiedene Tendenzen vereinigt vorhanden. Sie brachten eine so ausgeprägte Eigenart in religiöser Beziehung, wie in Sitte und Gewohnheit mit sich, daß die Erhaltung derselben, so weit sie nicht den Bedürfnissen und gerechtfertigten Forderungen der Umgebung widersprach, von selbst gegeben war. Der Staat ist nicht dazu da, die Individualität des Einzelnen so wie irgend einer Menschenktasse zu unterdrücken, sondern nur sie sich dienstbar und getreu zu machen, sonst aber ihrer Entfaltung zu überlassen. Es würde ihm jenes auch nicht gelingen, da die Individualität die Lebensbedingung des Individuums und seine eigenste Natur ist. Andrerseits aber fühlten die Juden von ihrer Verpflanzung in die Fremde an das Bedürfniß, sich den Völkern, in welche sie versetzt waren, anzunähern, anzupassen, die Pflichten gegen den Staat und das neue Vaterland zu übernehmen und nach Kräften zu erfüllen. Sie thaten dies auch überall, so weit es ihnen nur gestattet ward. Sie gliederten sich möglichst dem gewerblichen Leben in Handwerk, Kunst und Handel ein und betraten alle Wege des öffentlichen Lebens, die ihnen nicht verschlossen wurden. Sind doch selbst tüchtige Heerführer i den Ptolemäern und den Parthern aus der Reihe der Juden; geliefert worden. Aller Orten nahmen sie die Sprache des Volkes als ihre Muttersprache an, wie denn z. B. die egyptischen Juden des Hebräischen ganz unkundig wurden, so daß für sie die heilige Schrift in's Griechische übertragen werden mußte; ihre Schriftsteller zeigen, daß sie nicht nach dem Urtext, sondern nach der Septuaginta gearbeitet haben. So auch in Persien, Arabien, Spanien u. s. w. Die Novellen der christlichen Cäsaren erweisen, daß auch die römischen Juden in alle Zweige des öffentlichen Lebens eingetreten waren und sich Verdienste erworben hatten. Dies sprechen jene Cäsaren wörtlich aus, indem sie dieselben von dem öffentlichen Leben nach und nach völlig ausschlossen. Also beide Tendenzen, die Erhaltung der Eigenart sowie die Annäherung an die Völker und die Pflichttreue gegen Staat und Vaterland, waren in den Juden lebendig, und wo und wann man ihnen die Zeit dazu ließ, bildeten sie sich nach der zweiten Richtung immer mehr aus und gaben von ihrer Eigenart so viel und oft mehr auf, als es mit Lehre und Gesetz verträglich war. Da kam es aber darauf an, mit welcher Gesinnung man ihnen entgegentrat. War diese eine freundlich gestimmte, so beurtheilte man sie eben als eigenartig, erkannte aber ihre Bestrebungen und Eigenschaften hinsichtlich der zweiten Tendenz an. Anders war es, wenn man sie mit ungünstigen Augen ansah; dann betrachtete man das Eigenartige als Fremdartiges, bezeichnete sie deshalb als 1

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