Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-12-26 · Heft 52 (26.12.1889) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 52 (26.12.1889)
Date
1889-12-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227771-3227824--46739-3266321
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Allgemeine Zeitung des Hudmthums. Ein »»parteiisches Organ für alles Mische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Honn. Expedition: Leipzig, Kospitakstraße 2. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 53. Jahrgang. Leipzig, den 26. Dezember 1889. Nr. 52. Inhalt. Leitende Artikel: Zum Schlüsse des Jahrganges 1889. — Der Wandel. — Die jüdischen Ackerbau Kolonien in Nordamerika. — Die Stellung des katholischen Klerus zum Antisemitismus. — Chanukkah und das Weihnachtsfest. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Breslau, Hannover, Aus Württemberg, Stuttgart, Saarlouis.— Oesterreich- Ungarn: Wien. — Holland: Amsterdam. — Großbritannien: London. — Türkei: Konstautinopel. — Brasilien: Rio de Janeiro. — Bonn: Notizen. — Wien: Literarische Notizen. — Feuilleton: Das Judenthum und der Witz in der Weltliteratur. — Eine Scene aus Georg Ebers' neuestem Romane „Josua". — Vermischtes Mit Neujahr beginnt die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ihren vierundfünfzigsten Jahrgang. Ich ersuche um gefl. baldige Bestellung, bei allen Postämtern (Deutsche Zeitungspostliste 115) und allen Buchhandlungen, um jede Störung in der Zusendung zu vermeiden. Probenummern stehen jederzeit unberechnet und portofrei zu Diensten. Gustav Engel, Verlagsbuchhandlung, Leipzig. Zcitcvibe £i Bonn, 22. December. ZUM Schluffe des Jahrganges 1889. Das Jahr 1889 wird in der Weltgeschichte keinen besonderen hervorragenden Platz einnehmen. Es traten in ihm keine Ereignisse ein, welche schwere und dauernde Folgen über die Völker breiten. Alles war friedlich. Die europäischen Monarchen besuchten einander und tauschten Freundschaftsversicherungen aus; alle Thronreden hallten von Friedenszuversicht wieder. Die französische Republik feierte in Ruhe und Ordnung das hundertjährige Jubiläum ihrer Revolution und verstand es, vorsichtiger und kräftiger als ihre Vorgängerin von 1848, die boulangistischen Umtriebe zu besiegen. Selbst die unerwartete Umwälzung in Brasilien ging glücklicher Weise friedlich und ohne Blutvergießen vor sich. Nur in Kreta und Armenien fanden blutige Ausstände gegen die drückende Türkenherrschaft statt, die mit Waffengewalt bezwungen wurden. In Deutschland und England tobten Massenstrikes, um den Arbeitgebern bessere Bedingungen abzunöthigen. Ihr günstiger Erfolg kann ein Präjudiz abgeben, das zur Nachahmung auffordert. In das große Gewebe der Zeit fügt sich oft unansehnlich ein Einschlag ein, welcher jenem für die Zukunft Färbung und Zeichnung in wachsender Stärke gewährt. — Auch für uns Juden war das ablaufende Jahr ohne ein besonderes hervortretendes Ereigniß. Es ist eben nicht schlimmer und nicht besser geworden. Allerdings ist die agitatorische antisemitische Partei sehr zurückgegangen, und wenn sie neuerdings sich wieder bemerklich zu machen sucht, so sind dies nur galvanische Zuckungen in abgestorbenen Gliedern. Die Kundgebung des deutschen Kaisers gegen die Kreuzzeituug, das Zuiücktreten Stöckers von der agitatorischen Tbätigkeit und das hierdurch bewirkte Versinken der „Christlich-Socialen" ins Dunkel; einige scharfe Maßregeln der österreichischen Regierung gegen die, auch politisch bedrohlichen Antisemiten, die Spaltung der „Vereinigten Christen," die Zerklüftung der eigentlichen antisemitischen Fraction und deren Auflösung, der Wahlsieg der Liberalen in der Stadt Wien und Derartiges mehr beweisen hinlänglich, daß der Antisemitismus als Partei ausgewirthschaftet hat. Er war eben eine Prüfung, nicht etwa bloß für die Juden, sondern für die Nation selbst, um zu erhärten, wie weit Humanität und Gerechtigkeit bleibende Wurzeln geschlagen haben. Die wirklich civilisirten Völker haben die Prüfung bestanden und die staatsbürgerliche und bürgerliche Stellung der Juden nicht antasten lassen. Anders freilich die halb civilisirten, und wenn sie nicht selbst, doch ihre Regierungen. Freilich ist von dieser schmählichen Wühlerei 52

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.