Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1889)
- Date
- 1889-12-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine des Iudmthums. Ein miMrtciischcs Organ siir alles Wische Jntereffe. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. S M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben vo n Rabbiner vr. Ludwig Philipp son in Konn. Krpeditioil: Leipzig, Kospitakstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, tu allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) find gleichfalls an letztere einzusenden. 53. Jahrgang. Leipzig, den 19. Dezember 1889. Nr. 51. M*aU. Leitende Artikel: Die preußischen Jahrbücher und der Antisemitismus. — Zu „die jüdische Geschichtsschreibung" (Nr. 48). — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Straßburg i. E., Gnesen, Bochum, Leipzig. — O efterreich-Ungarn: Wi?ri, Pest, Agram. — Frankreich: Paris. — Italien: Rom. — Rumänien: Bukarest. — Spanien: Madrid. — Türkei: Konstantinopel. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Der Judenbaum. — Nachtrag: Berlin. Mit Neujahr beginnt die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ihren vierundfünfzigsten Jahrgang. Ich ersuche um gefl. baldige Bestellung, bei allen Postämtern (Deutsche Zeitungspostliste l 15) und allen Buchhandlungen, um jede Störung in der Zusendung zu vermeiden. Probenummern stehen jederzeit unberechnet und portofrei zu Diensten. Gustav Engel, Verlagsbuchhandlung, Leipzig. Bonn, 15. December. Die preußischen Jahrbücher und der Antisemitismus. „Sind Sie nicht neugierig, zu sehen, wie der doctrinäre Antisemitismus, nachdem die antisemitische Literatur sich im Sande verlaufen hat, mit einer feierlichen Grandezza ein imponirendes Abtreten auszuführen versucht?" Mit diesen Worten übergab uns ein Freund das Novemberheft der „Preußischen Jahrbücher". Nun, diese Zeitschrift hat aus der Feder Treitschke's den doctrinären Antisemitismus eingeleitet, und es kommt ihr daher zu, auch die Abschiedsreverenz zu machen, womit wir nicht sagen wollen, daß der uns heute vorliegende Artikel der letzte seiner Art sein werde. Dieser führt den Titel: „Unsere Aufgaben gegenüber dem Judenthum, ein Rückblick aus den Antisemitismus von Robert Hessen", und ist datirt „Berlin, October 1889." Unser Freund hatte also ein Recht zu seiner Bemerkung, denn der Verfasser knüpft an den Anfang an. Bekanntlich verlangte Treitschke das Verbot der Einwanderung auswärtiger Juden von Osten her. Ihm hatten es „die hosenverkaufenden Jünglinge" gar zu sehr angethan. Sein Genosse Hessen freut sich daher sehr, daß jenes Verbot der Einwanderung zu einer Ausweisung geworden. Bekanntlich traf dieses Loos auch andere Unterthanen Rußlands und Oesterreichs, doch unter etwa 30,000 Ausgewiesenen sollen 20,000 Juden gewesen sein. Solches Vorgehen ist, wie man weiß, ein zweischneidiges Schwert, von welchem bald darauf sehr zahlreiche Deutsche in Rußland verwundet wurden. Herr Hessen hat nun eine eigene Vorstellung. Er glaubt, die eingewanderten Hosenverkäufer wären alle reich geworden und seien dann nach Westen vorgerückt, um neuen Einwanderern Platz zu machen, welche.dieselbe Prvcedur durchmachten. Jetzt sei dies abgedämmt und die deutschen Juden befänden sich allein. Nach welchem Westen diese eiugewanderten Juden, nachdem sie in Deutschland reich geworden, vorrückten, weiß wohl Hessen selbst nicht zu sagen. In Paris giebt es eine ziemliche Anzahl eiugewanderter Juden, die aber alle arm, sehr arm sind und ihren ansässigen Glaubensgenossen eine große Last bereiten. So noch mehr in London, wo sie besonders die Zunft der Schneider, Schuster und Bäcker mit Gehilfen bevölkern, die auch gelegentlich wegen geringen Arbeitslohnes und zu langer Arbeitszeit striken. — Doch dies beiläufig kommen wir zur Sache. Herr Hessen sucht ruhig, besonnen, ja selbst unparteiisch vorzugehen, und in der Hauptsache gelingt dies ihm von seinem Standpunkte aus so ziemlich. Aber sein Gemüth ist doch allzuvoll der Feindseligkeit gegen die Juden, als daß diese nicht in einer Masse von Aus- 51