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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-12-05 · Heft 49 (5.12.1889) · p. Seite 778

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 49 (5.12.1889)
Date
1889-12-05
Page
Seite 778 (sequence 14)
Language
German
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778 Lueger den Dichter der „Jüdin von Toledo" zu einem Antisemiten stempeln wollte. „ Grillparzer ein Antisemit?" sagte Ludwig August Frankl. „Es ist geradezu unglaublicb, was man bei uns im Gemeinderath noch Alles Zu Tage fördern wird. Grillparzer war, wie sein Freundeskreis, dem unter vielen Andern auch Anastasius Grün, Lenau, Laube und Bauernfeld angehörteu, ein Josefiner, ein Mann, wie es deren in der vormärzlichen Zeit viele gab, die in der freiheitlichen Stimmung, die Kaiser Josef 1t. hervorrief, aufgewachsen waren und an ihr um so fester hingen, als dieselbe in einer späteren Zeit namentlich auf religiösem Gebiete, verdunkelt und auch wohl vernichtet worden ist. Es war genug, des Josefinismus verdächtig zu sein, um als Lehrer, Priester, Beamter oder gar als Schriftsteller überwacht und ungefördert zu bleiben. Es ist bekannt, welche Bitternisse Grillparzer wegen seiner freiheitlichen Gesinnung bereitet rvorden sind, was das damals herrschende politische System an ihm verbrochen hat. Grillparzer hagle nur einen Mann als seinen unversöhnlichen Feind, M. G. Saphir, der ihn mit den galligsten und boshaftesten Kritiken verfolgte, und dieser Mann war allerdings ein Jude (ein getaufter). Als die Porträts von Saphir und Bäuerle, welche gemeinschaftlich die Theaterzeitung Herausgaben, in der Kunstausstellung nebeneinander hingen, schrieb Grillparzer: Die Aehnlichleit ist unbestritten, Es fehlt der Heiland nur inmitten. Grillparzer habe Saphir noch mehr Epigrammhiebe versetzt, aber er wollte den Mann treffen und nicht den Juden. „Eines muß ich allerdings constatiren," sagte Frankl im weiteren Verlaufe des Gespräches, „Grillparzer hatte eine entschiedene Abneigung gegen getaufte Juden. — Grillparzer bewohnte zwei Zimmer im Hause Nr. 16 der Himmelspfortgasse; vielleicht ist," meinte Frankl, „die Benennung der Straße, in der er wohnte, die Veranlassung zu folgendem Epigramm: „Es steht ein Christ an der Himmel^psorte, Samt Peter läßt ihn nicht ein; Es stürmt just eine Cohorte Getaufter Juden hinein." Ein dem Sinne nach verwandtes Epigramm ist das nachstehende, welches Grillparzer an einen dem Dichter Frankl unbekannten Herrn gerichtet hat: „Etwa ..erwählt" ist Dein Geschlecht, Trotz Börsenspiel und Trödelbuden, Altgläubige sind mir ganz recht, Nicht aber die getauften Juden." Grillparzer wählte zweimal aus der Geschichte der Juden den Stoff zu Trauerspielen: den der „Esther" aus der alten Zeit, den der „Jüdin von Toledo" aus dem Mittelalter. Wenn auch dieser Umstand nicht wäre, so dürften ihn, worauf Frankl bereits in seiner Broschüre über Grillparzer hingewiesen hat, die den Juden Feindseligen doch nicht zu den Ihrigen zählen. Grillparzer kannte die Fehler der Juden, aber auch ihre Tugenden, und eine große Zahl derselben zählte er zu seinen Bewunderern und Freunden. Giebt es einen besseren Beweis für die Behauptung, als die glänzende Besprechung der „jungfräulichen Muse" Grillparzers vom Juden Ludwig Börne. Man kannte in Wien Grillparzers liberale Gesinnung, mau betrachtete ihn mit Ehrfurcht und beneidet die wenigen Familien, in denen er verkehrte. Man lese übrigens in Grillparzer's Selbstbiographie nach, wie er sich über Börne, über Meyerbeer und über die Familie Rothschild äußert, deren Bekanntschaft in Paris er machte, wie er, der Verschlossene, Zurückhaltende, die Seelensgute des Einen, die Herzenswärme und die zum Gemüthe sprechende Liebenswürdigkeit der Anderen rühmt; bei einer anderen Gelegenheit stellte er den deutschen Inden Börne dem Urvater des Antisemitismus in Deutschland, Wolfgang Wenzel, gegenüber und sagte von diesem Letzteren, man dürfe Börne „mit derlei Geschmeiß" nicht in einem Athem nennen. Pest, im November. Die Lüste der Frau David Lischitz. Bor einigen Tagen wurde im parkirten Hofe des Armen- Kindergarten-Vereins in der Akaziengasse in solenner Weise und in Anwesenheit eines glänzenden Publicums die Büste der ob ihres wohlthätigen Sinnes in den weitesten Kreisen bekannten Frau David Bischitz enthüllt. Die Feier nahm folgenden Verlauf: In dem geräumigen Hofe des Armen-KindergartemBereines, wo die Büste, ein Meisterwerk Josef Rona's aufgestellt ist, halten sich zahlreiche, aus den höheren Schichten der hauptstädtischen Gesellschaft zusammengesetzte Festgäste eingefunden, welche vom Vereinspräsidenten Dr. Alexander Groß und dem Präsidenten des Arrangirungscomitos Dr. Sigmund Eros empfangen wurden. Anwesend waren: Minister- Graf Albin Csucy, Vizegespan Michael Földvüry, das Akademiemitglied Julius Schwarz, der res. Bischof Karl SzLß, Vizebürgermeister Karl Gerloczy, die Reichstagsabgeordneten Johann Radocza, Armin Neumann, Ludwig Krauß de Megyer, MorizWahrmaun, MagistratsrathJohannHorvüth, Moriz Ballagi, Schulinspektor Josef Toth, P. Karl Szathmnry,

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