Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1889)
- Date
- 1889-11-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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WWW» Allgemeine Zeitung des Iudmthums. Ein miMteiWcs Organ ftr alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband S,L0 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in gönn. Expedition: Leipzig, Kospitakstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) find gleichfalls an letztere einzusenden. 53. Jahrgang. Leipzig, den 28. November 1889. Nr. 48. Inhalt. Leitende Artikel: Die jüdische Geschichtschreibung. — Die jüdische Geschichte in Geschichtsbildern, ein nothwendiger Bestandtheil des Religionsunterrichts. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Hamburg, Leipzig, Köln, Sirelitz i. Meckl. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Prag, Strakonitz, Bon der Donau. — Frankreich: Paris. — Belgien: Brüssel. — Großbritannien: London. — Rußland: Petersburg. — Rumänien: Bukarest. — Südamerika: Paris. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die Stampiglie. €Xzti&c(. Bonn, 24. November. Die jüdische Geschichtschreibung. Die Geschichte ist das Palladium des Judenthums und seiner Bekenner. Nicht allein daß sie die Rechtfertigung derselben ausspricht und den Bestand und das Martyrium derselben würdigt, ihre weltgeschichtliche Mission anzuerkennen hat: sie. die Geschichte des Judenthums, ist auch ein wesentliches Fundament für ihre Glaubenslehre, denn ein Bekenntniß aller Geschlechter durch mehr als drei Jahrtausende hindurch bietet eine sichere Grundveste für das Lehrgebäude, wie dies nicht die Erkenntniß eines Einzelnen vermag, die in jedem Individuum wechselt und sich nach der Geistesrichtung der Zeit gestaltet. Dies drängte sich auch den neueren Lehrern des Judenthums als Ueberzeugung auf, und darum ist bei ihnen die Geschichtsforschung und Geschichtschreibung zum wesentlichsten Theil der modernen jüdischen Literatur geworden. Wir besitzen auch bereits eine recht ansehnliche Zahl von Geschichtswerken auf dem Gebiete des Judenthums, und Schreiber Dieses gesteht gern, daß ihm der Gedanke Befriedigung schafft, eine ganze Reihe geschichtlicher Werke vermittelst des „Institutes zur Förderung der israelitischen Literatur" zum Druck befördert zu haben, wie die drei Bände Jost, Geschichte des Judenthums und seiner Secten, sieben Bände von Grätz, Geschichte der Juden (3, 5, 6, 7, 8, 9 und 10), drei Bände Fürst, Geschichte des Karäerthums, Herzfeld, Geschichte der Juden von Simeon an, Cassel, Literaturgeschichte, Kayser lin g, Moses Mendelssohn (1. Ausl.) und Monographien von Geiger, Wiesner u. A. Seitdem ist dieser Literaturzweig noch mannigfach bereichert worden, sowohl in wissenschaftlicher wie in populärer und pädagogischer Beziehung. Jüngst hat sich nun eine Polemik erhoben, welche an sich nur bedauerlich ist. vr. Güdemann in Wien hat ein höchst verdienstvolles Werk über das Erziehungswesen und die Cultur der Juden im Mittelalter veröffentlicht, das außer einer vorläufigen Schrift drei Bände umfaßt und in dieser Zeitung in den Jahrgängen 1874, 1880, 1884 und 1888 nach seinem vielfachen Werthe gewürdigt worden ist. In der von ihm herausgegebenen „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" hat sich nun Prof. vr. Ludwig Geiger in einer sehr abfälligen Kritik über das Werk Güdemanns ausgesprochen und sich in gleicher Weise über „die neueste jüdische Geschichtschreibung" vernehmen lassen. Hiergegen hat wiederum Güdemann eine Broschüre veröffentlicht „Ludwig Geiger als Kritiker der neuesten jüdischen Geschichtschreibung" (Leipzig, Friese 1889), in welcher er die Angriffe Geigers widerlegt, ihm namentlich die Unkenntniß der jüdischen Quellen, die Geiger nicht zu lesen vermag, vorwirft und ihm den richtigen Stclpdpunkt für die jüdische Geschichtschreibung abspricht. Wahrscheinlich wird Geiger repliziren. Es ist nun nicht unsere Absicht, auf diesen Streit näher einzugehen, wohl aber tritt es uns näher, über die Forschung und Darstellung der jüdischen Geschichte eine Betrachtung anzustellen, welche ebenso sehr über die be- 4H