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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-11-21 · Heft 47 (21.11.1889) · p. Seite 747

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 47 (21.11.1889)
Date
1889-11-21
Page
Seite 747 (sequence 15)
Language
German
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747 rohr bietet; die Badeeinrichtung ist so angelegt, daß innerhalb ganz kurzer Zeit sämmtliche Zöglinge sich abbrausen und baden können. Im Arbeitssaal besitzt jeder Schüler ein seiner Größe entsprechendes Pult, an welchem er aufrecht sitzen kann und muß. Für Knabenhandarbeit an den langen Winterabenden, für Musik, für freie Vereinigung der Schüler sind besondere Räume geschaffen. Die Ventilation durch alle Räume, Heizung und Beleuchtung stehen in einheitlichem Zusammenhang. Allseitig wurde bei der Besichtigung, insbesondere von den anwesenden Schulmännern, die bis ins kleinste gehende Umsicht anerkannt, mit der alle Erfahrungen praktischer Pädagogen, alle Errungenschaften des Wissens auf dem Gebiete der Hygiene verwerlhet waren. Um i/22 Uhr begann das Festmahl, bei welchem der große Speisesaal der Anstalt, der Glanzpunkt des ganzen Baues, seine Feuerprobe zu bestehen hatte. Es gab schwere Arbeit, denn außer 140 Alumnen nahmen die Lehrer mit ihren Damen, viele alte Schüler, das Curatorium und Vertreter der Behörden nebst andern Ehrengästen theil. Aber trotz der großen Zahl von über 200 Tischgästen ging die Speisung ohne Stocken von statten, und die treffliche Küche fand verdienten Beifall. Während des Essens erfreute die Philharmonia die Anwesenden durch ihre Liedervorträge, und eine stolze Reihe von Trinksprüchen suchte der gehobenen Stimmung Ausdruck zu geben. Dem Kaiser, dessen Büste, von einem Freunde der Anstalt gestiftet, den Saal schmückt, sowie dem Prinzregenten galten die ersten Hochs. Von den folgenden mögen die hervorgehoben weiden, die von alten Schülern ausgebracht wurden und die theils in ernsten tiefempfundenen Worten dem Dank Ausdruck gaben für die Erziehung, die sie ihre Lebensstellung, Vermögen, kurz, alles verdankten, theils aber in heiterster Weise Erinnerungen aus den Jugendjahren Wiedergaben, bei denen auch die jetzigen Schüler manchen Anknüpfungspunkt herausfanden, der sie zu fröhlichstem Lachen stimmte. Obschon viele der Festtheilnehmer, um am folgenden Tage ihren BerufspfÜchten Nachkommen zu können, bereits am Nachmittag Seesen verließen, fand sich doch am Abend wieder eine große Anzahl der Festgenossen zum Kommers im Rathause zusammen, bei dem auch den Primanern gestattet war, zugegen zu sein. Die höchsten Semester waren vertreten und leerten beim Semestersalamander ihr Glas auf das Wohl der Schule, Einzelvorträge und gemeinsame Lieder wurden angestimmt, den Höhenpunkt aber erreichte die Feststimmung, als Herr Pastor Weber-Vallstedt, der als j hundertstes Semester bereits die Jugend begrüßt hatte, den freudigen Gefühlen Ausdruck gab, die ihn in dieser Umgebung be-! seelten. Vor mehr als vierzig Jahren habe er als Lehrer j an der Jakobsonschule gewirkt, er stehe nicht an, diese Jahre als die schönsten seines Lebens zu bezeichnen, denen er für 1 seine geistige Ausbildung, für Erhebung von Herz und Gemüthe am meisten verdanke; hier habe er in dem friedlichen, j traulichen Zusammenleben beider Religionen den Segen der! Duldsamkeit kennem gelernt und sich bewahrt für das ganze : Leben. Unter dem erhebendeu Eindruck dieser Worte blieben alle bis gegen Mitternacht zusammen. Die Auswärtigen dampften erst mit den Nachtkurirzügen j in ihre Heimat ab; und wenn sie nicht allein zu bleiben j hatten, wenn ihnen manche Seesener bis zur Abfahrt Ge-! sellschaft leisteten, so war dies wohl eine Pflicht der Höf- | lichkeit. Nachtrag. Frankfurt a. M., 15. Nov. (Berichtigung.) Gestatten Sie mir, die in dem Aufsatze der letzten Nummer „Aus dem deutschen Reiche" enthaltene unrichtige Angabe, daß seit 1878 kein Jude im Reiche zu einem höheren Staatsamt berufen worden ist, dahin richtig zu stellen, daß im vorigen Jahre der ordentliche Professor der Rechte an der Universität Breslau, der jüdische vr. Behrendt — früher in Greifswald — zum Reichsrath ernannt worden ist. Getaufte Juden sind zur Zeit noch Mitglieder des Reichsgerichts, so der hervorragende Kenner des Handelsrechts, Reichsgerichtsrath Wiener. R. Anzeigen. Vensionat und Höhere Töchterschule V0U Amu vr. Leverson & Art. tzonstanze Lern-, Hannover, Thiergartenstrasse 4. Ans Meist nachten j‘i tt & einige U >rrnn; e n. Ohne Gehalt sucht eine j. gevild. Dame (mos.) Stellung als Stütze ver Hausfrau oder als Gesellschafterin. [33 . 6 6 84 Bertha Bauer, Zerbst (Anhalt).

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