Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1889)
- Date
- 1889-11-14
- Page
- Seite 731 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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731 P e st, 1. November 1888. Das israelitische Ziechenhaus (Mersversorgungsanjialt) in Pest. An die Schilderung des neuen israelitischen Spitals in Pest (s. Nr. 43), dessen feierliche Einweihung den 17. d. M. stattfinden wird, reiht sich die des dortigen israelitischen Siechenhauses, welche wir ebenfalls dem „Budap. Tagblatt" entnehmen. Das israelitische Siechenhaus, ein kleines, aber schmuckes Gebäude in der Damjanichgasse, kann sowohl wegen seiner Einrichtung als wegen seines humanen Zweckes als eine Musteranstalt bezeichnet werden. Tritt man in den Hof des Gebäudes, so sieht man rechts und links fortlaufende Gänge, in welche die gesonderten Zimmer der alten Leute münden. Rechts die Zimmer der Frauen, links diejenigen der Männer, ein hübscher, wohlgepflegter Garten schließt sich an den Hofraum an. Im Erdgeschosse befindet sich der gemeinsame Speisesaal, an welchen ein Betlokal grenzt. Das ist das Heim jener Greise und Geisinnen, welche für würdig erachtet wurden, ins Siechenhaus ausgenommen zu werden und sie führen dort ein ruhiges, beschauliches Leben bis an ihr Lebensende. der Kranken, die menschliche Barmherzigkeit zu schaffen vermag. Ein armer, verlassener Greis, eine hilflose Greisin sind mit ihren Schwächen Jedem zur Last und hoffnungslos verbringen sie ihre müden Tage, ohne Aussicht auf ein frieb* liches Lebensende. Im Siechenhause ist diesen Verlassenen eine freundliche Zufluchtsstätte geboten. Hier richten sich ihre sorgenfreien Gedanken von der Erde dem Himmel zu und dankerfüllt erflehen ihre Lippen den Segen auf das Haupt ihrer Wohlthäter. Es gab auch einige bekannte Gestalten des Budapester Lebens unter den Stiftlingen des Siechenhauses. So den ehemaligen Mnsikprofessor Salomon Sachsel, welcher sich selbst im Greisenalter nicht von seinem Klavier trennen konnte. Ferner den früher viel genannten Professor der Handels- Wissenschaften Ludwig Porges, sowie den alten Dux, den Vater des bekannten Schriftstellers Adolf Dux. Gegenwärtig Oefinbct sich unter den Stiftlingen ein verdienstvoller Lehrer, Namens Lömencritt. und der Gelehrte Adolf Pollak. Die Institution des Siechenhauses ist nur ein Zweig jener ausgebreiteten Wohlthätigkeit, welchen der Pester „Heilige Verein" entfaltet. Diese altehrwürdige Corporation, welche nun schon seit hundert Jahren im Dienste der Humanität wirkt, verschmäht es, wie jedes wahre, echte Verdienst, von sich reden zu machen und ihre Wohlthätigkeitsakte aus- Es befinden sich daselbst dreißig Stiftlinge, welche bei posaunen zu lassen. Im Stillen hat dieser Verein mehr ihrer Aufnahme nachzuweisen hatten, daß sie einen unbeschol- Thränen getrocknet, mehr verzagte Herzen aufgerichtet, als tenen Lebenswandel führten, daß sie arm und erwerbsunfähig jene vielgerühmten „Wohlthäter" nur zu ahnen vermögen, sind, daß sie das 60. Lebensjahr bereits erreicht haben, und welche die kleinsten Spenden mit dem Aufwand von Reklamen weder bettlägerig krank, noch mit einem Nebel behaftet sind, der Welt verkünden. welches unausgesetzte Pflege erheischt.! Unter dem hochverdienten Präsidenten Herrn Karl Reuß Die Kosten des Siechenhauses bestreitet der Pester „Hei-, hat dieser im besten Sinne des Wortes mustergiltige Verein, lige Verein" (Chewra Kadischa), welcher durch zahlreiche dessen Devise zwei ineinander verschlungene Hände find, einen Spenden und Stiftungen in seinem humanen Wirken miter-1 sroftett ^^1011119 genommen. Man braucht nur den jüngstützt wird. Ein eigenes Siechenhaus-Comito verwaltet dieses ^ten Verwaltungsausweis durchzulesen, um den Eindruck zu Institut, dessen Präsident Sigmund Schoßberger de Tornya und dessen Oekonom Moritz Heidlberg jun. gewinnen, daß man es hier mit einem Vereine zu thun habe, welcher die Nächstenliebe mit wahrer Begeisterung ausübt. In jüngster Zeit ist diese Wohlthät'gkeits-Austalt durch s Zum Ban des neuen Israeliten - Spitales hat der „Heilige eine großartige Spende in die Lage versetzt worden, ihren > Verein" 50,000 Gulden beigesteuert. Zugleich trägt der Wirkungskreis auszubreiten. Herr Hermann Kann hat nüm-j Verein 80 Perzent des unbedeckten Spitalsbedarfs, während lich 134,OOO Gulden zu Gunsten des Siechenhauses gespendet, j bie Gemeinde mir 20 Perzent auf sich genommen hat. Die und dadurch ist es ermöglicht, daß außer den Stiftlingen des! Kosten des Siechenhauses beliefen sich auf 10,554 sl. 9 kr Instituts auch noch andere würdige Greise und Greisinnen | Der Armen- und Kranken - Unterstützung sind im Vorjahre eine lebenslängliche Versorgung erhalten. Letztere erhalten folgende Beträge zugeführt worden: An Stipendien in moeinen monatlichen Beitrag von 30 sl. und können sich dafür natlichen und vierteljährigen Beträgen von 25 sl. bis 100 sl. nach ihrem Belieben verköstigen und einquartieren. Durch'. . . fl. 4251’96; Unterstützungen an hier wohnende Kranke diese Stiftung ist es auch ermöglicht, das Siechenhaus selbst nebst Beistellung der Krankenwärter, sowie an sonstige dürft zu erweitern, was entweder durch einen Zubau oder durch lige Personen . . . 13,200 sl., an arme hierortige Familien Errichtung eines neuen Gebäudes bewerkstelligt werden soll. ^. . . 3665 fl, an fremde Arme 2508,03 fl. Ueberdies ver- Jedenfalls steht diese Institution einzig in ihrer Art da sieht der Verein die Lcichenbestattung, bei Armen unentgelt- und sie ist vielleicht die humanste, welche nebst der Pflege lieh, veranstaltet Gedächtnißfeier, hält die israelitischeil Friet-