Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-10-17 · Heft 42 (17.10.1889) · p. Seite 664

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 42 (17.10.1889)
Date
1889-10-17
Page
Seite 664 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227771-3227814--46580-3266152
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

664 um ihn Zu verbrennen; sie melkt die Büffel, füttert das Vieh, reinigt den Stall, bereitet aus Häckselmist den „Kisjak" (Brennmaterial), hackt das Holz, bäckt das Brod, streicht das Dach, weißt die Wände, verrichtet die Feldarbeit — mit einem Worte, auf ihren Schultern liegt Alles; außerdem näht sie für die ganze Familie. Aber bei ihrer Arbeitsamkeit haben die Weiber eine Eigenschaft, welche sie in den Augen der Männer sehr herabsetzt: sie lieben zu klatschen, sich zu zanken und sogar sich zu prügeln. Oft ereignet es sich, daß oer Gemahl seine schönere Hälfte für ihre Klatsch- und Zanksucht damit bestraft, daß er eine andere heirathet. Die Verlassene verliert aber dadurch Obdach und Unterhalt nicht, muß aber jetzt wie eine Sclavin noch mehr arbeiten als vorher. Es kommt aber auch oft vor, daß der Mann, wenn die Frau durch übermäßige Arbeit vor der Zeit alt und häßlich wird, sich eine zweite Frau sucht. Die Religion verbietet dem Bergjuden die Bigamie nicht, und deshalb kann man in jedem Aul auf 100 Männer etwa zehn findet, welche zwei Frauen haben. Diese wohnen entweder zusammen oder einzeln in Erdhütten und werden vom Manne abwechselnd besucht. Beide leben, so lange der Mann zu Hause ist, friedlich mit einander; ist aber der Mann ausgegangen, so fängt das Zanken und Prügeln an; dagegen leben ihre Kinder im Frieden und werden miteinander erzogen. ..." Rumänien. Bukarest, im Septemper. So wie in London, haben auch hier die Schneidergesellen, etwa 2000 an der Zahl, unter welchen die Mehrzahl Juden sind, einen Strike gen;acht, um von ihren Arbeitgebern bessere Löhne zu erzwingen. Sie wählten ein Comito und ernannten einstimmig als Vorsitzenden desselben einen gewissen Nathan Oscar, einen Juden. Dieser verbürgte sich bei dem Polizeipräfecten, dem Obersten Atgiu, die Ruhe und Ordnung unter den Strikenden zu erhalten. Nathan Oscar, der nichts als ein Schneider und ohne große Schulbildung ist, hat es verstanden, sein Wort zu lösen und die Verhandlungen so geschickt zu führen, daß eine Verständigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu Stande kam. In Folge dessen fand ein Fest statt, bei welchem Juden und Christen fraternisirten und auf das gegenseitige Wohl und den consessionellen Frieden tranken, besonders aber dem Nathan Oscar Dank und Anerkennung aussprachen. Südamerika. Aus Argentinien, im Sept. Die argentinische Regierung hat ihren Agenten in Paris beauftragt, die Auswanderung der aus Rußland vertriebenen Juden nach Möglichkeit zu erleichtern. Mehrere Tausend derselben, welche den Befehl erhalten haben, Bessarabien zu verlassen, gehen nach der argentinischen Republik, um dort Ländereien zu kolonisiren. Demnächst gehen von Jsmaila aus mehrere Schiffe mit russischen Juden nach Amerika ab. Bonn, 13. October. (Notizen.) Man schreibt aus London vom 1. October. Dem Vernehmen nach hat Baron Hirsch „Houghton Hall", den alten Sitz der Walpoles bei Lynn, welcher vor 150 Jahren so viele Lustbarkeiten bot und wo Georg III. die geisterhafte „braune Dame" sah, vom Marquis von Cholmondeley für die Summe von 300,000 Psd.-St. gekauft. — Vor Kurzem ist der Tißa-Füreder Rabbiner Nathan Jungreiß, den Viele den „Wunderrabbi" nannten, gestorben. Zum Begräbniß waren viele Leidtragende erschienen und mehrere angesehene Rabbinen sprachen an seinem Sarge. Jungreiß, der ein Alter von 56 Jahren erreichte, war der Sohn des bekannten Csengerer Rabbiners und früher Rabbiner in Nagy-Szöllös und Feh6r-Gyarmat, bis er 1868 einem Rufe nach Tißa-Füred folgte. Er wurde von zahlreichen Leidenden ausgesucht, die in Folge seines beredten Trostes erleichtert von dannen zogen. Aus diesem Grunde nannte man ihn den Wunderrabbi. Jeuit Äns dem Anfang des sechzehnten Jahrhunderts. Unter dem märkischen Adel zeichnete sich das Geschlecht derer v. Quitzow aus, weil sie in den zahllosen Fehden, die unter dem Adel und von diesem gegen die Städte geführt wurden, sehr oft die Führerrolle übernahmen und dabei Wildheit und Gewaltthätigkeit bewiesen. So standen sie auch an der Spitze der Fronde gegen den Burggrafen, t e t o n. nachher Markgrafen und Kurfürsten Friedrich I. Unparteiische Geschichtsforscher haben sie als „Räuber und Landesverräther" gekennzeichnet. Andere wollten sie mit den barbarischen Sitten der Zeit rechtfertigen. Jndeß wenn ein Herr v. Quitzow, nachdem Friedrich I. den Widerstand der märkischen Junker gebrochen, nach dem Auslande ging und dort Feinde gegen seinen Laudesherrn warb, z. B. die Herzöge von Pommern, und mit deren Heerhaufen als Anführer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.