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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-10-17 · Heft 42 (17.10.1889) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 42 (17.10.1889)
Date
1889-10-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudmthums. Ein parteiisches OlWN für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis Vierteljahr!. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Konn Expedition: Leipzig, Kospitalstrahe 3. In redaetionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 53. Jahrgang. Leipzig, den 17. Oktober 1889. Nr. 42. Inhalt. Leitende Artikel: nnEtt'i „Freue Dich!" (Schluß.) — Bemerkungen zum Midrasch. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Breslau, Görlitz, Gießen. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Preßburg, S.-A.-Ujhely. — Belgien: Brüssel. — Rußland: Petersburg, Aus Kaukasien. — Rumänien: Bukarest. — Südamerika: Aus Argentinien. — Bonn: Notizen. — Feuille ton: Aus dem Anfang des sechszehnten Jahrhunderts. — Nachtrag: Franlfurt a. M. Sicitcwba Qrttßcf. Bonn, 13. October. nratri „Freue Dich!" Zu den hohen Festen. (Schluß.) Die im Volke üblichen Sprichwörter sind theils solche, die, meist in alter Zeit, im Volke unmittelbar entstanden und sich von Geschlecht zu Geschlecht vererbten, theils gehen sie von Einzelnen aus, finden im Volke Anklang und erhalten sich in demselben. Wie dem aber auch sei, in diesen Sprüchen prägt sich die Volksseele, ihre Lebensanschauung, ihre Gesinnung, ihr Urtheil aus, und so geben diese Sentenzen das nachdrücklichste Zeugniß von der inneren Cultur des Volkes und der Zeit. Die Sammlung von Sprüchen, welche den Namen Salomo's trägt, zeigt durchgängig, wie hoch das Volk Israel die Freude schätzte, dieselbe jedoch von Gerechtigkeit und fleißiger Arbeit niemals trennte. So heißt es 29, 6: „der Gerechte jauchzt und jubelt." 10, 28: „die Erwartung des Gerechten ist Freude", d. h. sowohl des Gerechten harret Freude, als auch der Gerechte im Bewußtsein seiner Schuldlosigkeit erwartet Freude. Ist es doch 21, 15 dem Gerechten an sich „Freude, Recht zu üben." Auch 12, 20 sichert „denen, die Frieden rathen, Freude" zu. Doch nicht die Freude in einzelnen Momenten ist es, was den Ausschlag giebt-, vollen Werth besitzt vielmehr ein heiteres Gemüth, denn 15, 13 ein fröhliches Herz erheitert das Angesicht, 17, 2 befördert Genesung. Denn allerdings kommt es auf die Neigungen des Menschenherzens an; nicht von den äußeren Umständen allein hängt die Stimmung des Menschen ab, sondern wie sich die Dinge in seinem Geiste abspiegeln, und cs zeigt von der Einsicht des Spruchredners, wenn es 14, 10 heißt: „Kummer und Freude sind die Sache des eigenen Herzens, kein Fremder mische sich in die Freude." Indessen sind es auch nicht die sinnlichen Genüsse und rauschende» Freuden, welche unter der wahren Herzensfreude verstanden werden. Darum wird 14, 3 warnend zugerufen: „Der Freude Ende ist Kummer"; 21, 17: „Wer Freuden liebt, wird Mangel leiden." Nachdrücklich wird von Schadenfreude abgemahnt, wenn ein Feind ins Unglück stürzt (17, 5; 24, 17). Am meisten liegt dem Volke das Verhältniß zwischen Eltern und Kindern am Herzen; es schärft den Kindern ein: „ein weiser Sohn erfreut seinen Vater, ein thörichter ist seiner Mutter Gram" (10, 1; 15, 20; 23, 15. 24. 25; 29, 3). Wir brauchen es nicht in Erinnerung zu bringen, wie in Kohelet (Prediger) der Zweifler zum Worte kommt, der jedoch, wie wir immer hervorheben müssen, fest auf dem Boden des Gottesglaubens und zwar nach den Lehren des Judcnthums steht, vielleicht noch mehr als manches andere J Buch der h. Schrift. Denn er sieht aus der Hand Gottes! sowohl die Geschicke des Menschen und die innere Gestaltung! seines Wesens als auch das Gericht über das Thun und! Lassen des Erdensohnes ausgehen. Was den Verfasser! Kohelets zu seinen Zweifeln besonders veranlaßt, das ist die Nichtigkeit der Genüsse und die vermeintliche Erfolglosigkeit 42

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