Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1889)
- Date
- 1889-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227771-3227813--46552-3266123- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Allgemeine Zeitung des Iudmthums. Ein unparteiisches Organ siir alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,K0 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp son in Dann. Expedition: Leipzig, KospitaPraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 53. Jahrgang. Leipzig, den 10. October 1889. Nr. 41. Inhalt. Leitende Artikel: nnD^i „Freue Dich!" — Japan. — Aus dem Midra'ch. III. — Der Geschichtsunterricht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Siegen. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Prag, S.-A.-Ujhely — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Bonn: Notizen. - Bonn, Pest: Literarische Notizen. — Feuilleton: Das jüdische Gesetz und das geschlachtete Fleisch. — Einige Gebetstücke. — Nachtrag: Eine kaiserliche Erklärung. — Deutschland: Vom Main. Sl'v’itii'wbe €Xtti&e(. | Bonn, 6. October. j nnotri „Freue Dich!" Zu drn hohen Festen. IV. „Freude, schöner" — weiter folgen wir dem Dichter in seinen heidnischen Ausdrücken nicht, fahren aber fort — Gottessunke, denn die Freude ist ein Funke des Göttlichen, von Gottes Hand in die Seele des Menschen gesenkt, ein Funke, der sich dann und wann zur Flamme entzündet, und wenn sie licht und rein, wenn sie nicht zur rohen Lohe der Leidenschaft wird, von der Erde bis zum Himmel auflodert. Es ist bezeichnend, daß die Religion Israels an ihrem siebenarmigen Leuchter die Freude als eine ewige Lampe angezündet hat, und verlangt, daß diese stets mit frischem Docht und Oele versorgt wird. Während andere Religionen ihr Ideal in die Verachtung des Irdischen, in die Weltflucht, in die Seelenpeinigung setzten und bis zu den Säulenheiligen, zu den das Menschenthum entstellenden indischen Büßern, zu den wüsten Tänzen der Derwische kamen, hielt die Religion Israels sich von alledem frei. Um dies auch den Unkundigen zu erweisen, nehmen wir den langen, aber lohnenden Gang durch die Bücher der h. Schrift auf. Zuerst das Gesetz. Die von diesem verordneten Feste werden (4. Mos. 10, 10) als „Freudentage" bezeichnet und dem Israeliten die Bedingung gestellt (5. Mos. 16, 15): „Nur sei freudvoll" an denselben. Er soll sich „alles Guten freuen, das der Ewige ihm gegeben (26, 11)." Ueberhaupt wird ausgesprochen (28, 47), daß er „Gott diene in Freuden und Herzenslust." Dies allein hält schon alles Düstere, alle Schwermuth, alle Peinigung von dem inneren und äußeren Gottesdienste des Israeliten fern. Besteht doch selbst das Nasiräat nur in der Enthaltung von geistigen Getränken und vom Abscheeren des Haupthaares und kann nur auf eine bestimmte Zeit auf sich genommen werden, wird aber durchaus nicht als eine besondere Heiligung betrachtet. Der bestimmte Ausdruck ist hier: „Freue dich vor dem Ewigen deinem Gotte", und zwar bei jedem Opfer, das der Israelit darbringt (27, 7), als auch besonders an den Festen und hier wieder vorzugsweise am „Laubhütteufeste" (3. Mos. 23, 10; 5. Mos. 12, 7. 11. 18; 14, 26; 16, 11). Zu diesen Feste» zog der Israelit nach Jerusalem hinauf, die Zehnten und Erstlinge und Fricdensopfer darzubringeu, „daß ihr daselbst esset vordem Ewigen eurem Gotte und euch freuet mit allem Schaffen eurer Hand, ihr und eure Hausleute, wie dich gesegnet der Ewige dein Gott." Ja, „freuet euch vor dem Ewigen eurem Gotte, ihr und eureSöhne und eure Töchter und eure Knechte und eure Mägde und der Levit, der in euren Thoren und der Fremdling und die Wittwe und die Waise." Er soll das Fest feiern, indem er anschafft „Rinder und Schafe, Wein und. starkes Getränk und Alles, was seine Seele begehrt, und vor dem Ewigen seinem Gotte verzehrt." Dies soll geschehen am Peßach, wenn der erste Schnitt gctha», am Schabuoth, wenn die Getreideernte eingebracht, besonders aber am 41