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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-09-19 · Heft 38 (19.9.1889) · p. Seite 603

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 38 (19.9.1889)
Date
1889-09-19
Page
Seite 603 (sequence 15)
Language
German
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603 ponnes waren es besonders die Städte Korinth und Patras, j welche viele Juden herbergten. In Korinth betrieben siej vorzüglich Seidenweberei und Seidenstickerei, Männer wie Frauen. Als nun die normännischen Könige von Sicilien und Nnteritalien im 12. Jahrhundert mit den byzantinischen Kaisern in Krieg geriethen, erstürmten sie wiederholt Korinth, verwüsteten die Stadt und führten die Einwohner gefangen nach Sicilien. Unter diesen befanden sich besonders die Juden, denen in Sicilien neue Heimstätten angewiesen wurden, um die Seidenfabrikation nach diesem Lande zu verpflanzen. Diese normännischen Könige erwiesen eine Toleranz, wie sie in jenem Zeitalter kaum wiedergefunden wird. In Sicilien wohnten damals, von der arabischen Herrschaft her, sehr zahlreiche Mohamedaner. Die normännischen Könige, obschon sie sich stets als eifrige Anhänger der römischen Kirche zeigten, bethätigten diese Toleranz, indem sie Christen und Mohamedaner völlig gleich behandelten, ihre Heere aus beiden Religionsparteien bildeten und Hof- und Staatsämter gleichmäßig vertheilten. Auch den Juden, die namentlich in Palermo, der Hauptstadt des Königreichs sehr zahlreich waren, erwiesen sie sich sehr wohlwollend, gewährten ihnen völlig freie Religionsübung und den Betrieb der Gewerbe, mit Ausnahme des Landbesitzes. — Als nun die furchtbaren Stürme durch die Franken. Venetianer und Türken über den Peloponnes hinrasten, die Städte verwüstet, die Bevölkerung niedergemetzelt wurde und erst nach und nach aus dem Norden eine neue Bevölkerung, namentlich Albanesen, in das entvölkerte Land einzogen, da war längst von Juden keine Spur mehr auf der Halbinsel. Aber auch aus Sicilien und Unteritalien mußten die Juden weichen, ebenso wie die Mohamedancr, als diesen Ländern seit 1442 das spanische Joch auferlegt worden. So befinden sich gegenwärtig in Sicilien auch keine Bekenner unseres Glaubens mehr, und in Neapel allein hat sich eine kleine neue Gemeinde mit Synagoge und Rabbiner gebildet. (Die Antisemiten werden sich wohl hüten, auf die Zustände in Peloponnes und in Sicilien, wo keine Juden wohnen, hinzuweisen!) Nachtrag. Stockholm, 11. Sept. (Privatmitth.) Auf dem Orientalisten-Congreß, der Hierselbst vom 2. bis 7. September getagt hat und in Christiania fortgesetzt und geschlossen wurde, sind mehreren hervorragenden jüdischen Gelehrten Auszeichnungen geworden, von denen die Leser dieser geschätzten Zeitung mit Freuden Kenntniß nehmen werden. Ignaz Goldziher, Universitätsprofessor zu Budapest und Mitglied der ungarischen Academie der Wissenschaften, erhielt aus der Hand des Königs den von diesem gestifteten zweiten Ehrenpreis — der erste war Professor Nöldecke in Straßburg zuerkannt —. Der Generalsecretär des Congresses, Graf Landberg, hob rühmend hervor, daß Goldziher in die Geheimnisse des Islam weiter eingedrungen sei als irgend ein Anderer, und daß er der gelehrten Welt ein Meisterwerk nach dem andern liefere. — Professor Oppert und Joseph Halövy haben gleichfalls hervorragenden Antheil an den Arbeiten und Verhandlungen des Congresses genommen. Beiden wurde die Ehre zu Theil, in öffentlicher Versammlung unter dem Vorsitze des Königs sehr beifällig aufgenommene Vorträge zu halten; Oppert hat außerdem in Gegenwart des Königs in der semitischen Sectionssitzung gesprochen. Die Vorträge Opperts behandelten folgende Themata: Chronologisches nach den Keilinschriften; über den Stand der astronomischen Kenntnisse bei den Chaldäern und über die Erklärung zahlreicher astronomischer und astrologischer Texte. Halövy sprach über den Zustand Palästinas vor dem Exodus. Halsvy und Goldziher erhielten für ihre verdienstvollen Leistungen vom Könige den Wasaorden. An dem Congresse betheiligten sich auch die Rabbiner vr. Klein-Stockholm, der einen Vortrag über die Zeit und den Zweck der Abfassung des Buches Judith hielt; Wolff- Gothenburg, der Eschatologische Gedanken des Muss. b. Majmnn mit einleitenden Noten zur Erinnerung an H. L. Fleischer vortrug; Simon-Kopenhagen, der Mittheilungen machte über sein Buch: Palmyrenische Inschriften in Kopenhagen; Vogelstein-Stettin, der sein Buch: „Der Kampf zwischen Priestern und Leviten seit den Tagen Ezechiels" überreichte. Berichtigung. In Nr. 37, S. 587, Sp. 2, in der Zeitungsnachricht aus Odessa muß es heißen statt „stets bestand" — niemals bestand. — Ich suche für mein Manufaktur- und Confections-Geschäft per bald einen mit den nölhigen Schulkenntnissen versehenen Lehrling aus achtbarer Familie. Station im Hause. Simon Leffmann, Münster i. W. Anzeigen. l Schulpflichtige u. erwachs, junge Mädchen finden freundt. Aufnahme im Pensionat v. Frau JUnu SiCöetmaaa, ßectmW., iüagllebnrgerstr. 26. In mein. rit israel. Töchterpenstonat; find. wied. 2 junge Mädch. wissenlchastl., i Wirtschaft!, u. gesellichastl. Ausbildung.! Berlin,56aQranienburgerstr. M.Wassermann, WM«»« Wttt»c»ß«»«t Ierlin, Mon-ijouxlatz lv. ' Aufnahme neuer Zöglinge zum Oklvber. leolmioum Mittweida _— Sachsen. — Maschinen - Ingenieur - Schule Werkmeister - Schnie,

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