Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1889)
- Date
- 1889-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Iudcnlhums. Ein miWtciisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Zonn. Expedition: Leipzig, Kospitakstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende wan sich an Vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) ünd gleichfalls an letztere einzusenden. 53. Jahrgang. Leipzig, den 15. August 1889. Nr. 33. lakslt. Leitende Artikel: Ueber den Talmud. — Die Vertreibung der Juden aus Wien und Niederösterreich. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Aus Sachsen, Aus Württemberg. — Oesterreich-Ungarn: Wien, S. A. Ujhely, Aus Ungarn. — Belgien: Antwerpen. — Rußland: Petersburg. — Türkei: Konstantinopel. — Inner-Asien: Buchara. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die freien Schweizer. — Correspondenz. SeitenSe CUti&ef. Bonn, 11. August. Ueber den Talmud. i. Neben den eifrigen Forschungen über talmudische Specialitäten, namentlich literarischen und biographischen Inhalts, welche fortgesetzt in der jüngsten Zeit ans Licht getreten, erscheinen auch von Zeit zu Zeit Vorträge und Abhandlungen über den Talmud im Allgemeinen, welche dem Publikum eine gewisse Kenntniß von der Form und dem Inhalt des Talmuds vermitteln wollen. Wir erinnern z. B. an die Vorlesung des verstorbenen Emanuel Deutsch, die in England und Deutschland vielen Beifall fand. Diesen schließt sich eine Abhandlung des vor Kurzem verstorbenen Arstzne Darme steter an, welche soeben von der Revue des Etudes Juives in ihrem jüngsten Hefte (April-Juni 1889) veröffentlicht worden. Allerdings war dieselbe etwas vor 1870 geschrieben, wenn auch durch einen Zusatz von dem Vers, später ergänzt, und das Studium des Talmuds hat seitdem Fortschritte gemacht. Auch scheinen dem sonst äußerst belesenen Vers, deutsche Specialarbeiten z. B. das gründliche Werk Wunderbar's über die Medicin im Talmud, Brecher's über das Transcendentale im Talmud, wie auch unsere Abhandlung „Zur Charakteristik des Talmuds" unbekannt geblieben zu sein. Jndeß enthält die Arbeit Darmesteter's neben vielem längst Bekannten, wie dies bei einer Darstellung des Ganzen nicht ausbleiben kann, manche lichtvolle Auseinandersetzung und Schilderung, so daß der Vortrag des allzu früh verstorbenen Gelehrten volle Beachtung verdient. Wenn wir nun an dieser Stelle den ganzen Aufsatz zu geben weder Raum noch Veranlassung haben, so verdient er doch skizzirt und in einigen Stellen wiedergegeben zu werden. Nach einer kurzen Einleitung, in welcher der Vers, die Wichtigkeit der Kenntniß des Talmuds auch für die ganze Geschichte der Menschheit hcrvorhebt, giebt er im ersten Theile eine „Analytische Studie des Talmuds." Er beschreibt dessen Form, die Trennung im Mischna, Thosiftha und Gemara und deren Abfassungszeit, sowie das Verfahren bei deren Abfassung; er charakterisirt in sehr präciser Weise die Halacha und die Hagada und deren Verschiedenheit nach Inhalt und Sprache. Hierauf geht er näher auf die erstere ein, wobei er die Methode befolgt, ein und das andere Beispiel heranzubringen, was so viel dazu beiträgt, dem Leser ein richtiges Verständniß zu verschaffen. Es gelingt dem Vers, auch, die ganze dialectische Art und Weise der talmudischen Discussion mit ihrer oft dialogischen Zusammensetzung, ihrer oft räthselhaften Ausdrucksweise, welche geradezu einer Entzifferung bedarf, zu zeichnen. Der Vers, meint deshalb, daß es auch für die Juden der ununterbrochenen Ueberlieferung bedarf, um den Talmud zu verstehen und daß hierzu die frühere Methode die passendste gewesen. Für „früher" ist dies richtig; daß aber die wisienschaftliche Methode, sowohl was die Sprache als auch den Inhalt betrifft, nicht zu einem gleichen Ziele, dann aber mit viel reicherer und reiferer Frucht kommen sollte, sehen wir nicht ab, wenn auch der Weg bis ss