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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-08-08 · Heft 32 (8.8.1889) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 32 (8.8.1889)
Date
1889-08-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine des Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Donn. Krpeditiou: Leipzig- Hsspilakstrahe 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 53. Jahrgang. Leipzig, den 8. August 1889. Nr. 32. Inhalt. Leitende Artikel: Der Blick in's Weite. — Das Judenthum und 1789. — Zur Charakteristik des Jounals „das Vaterland". — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Nürnberg, Würzburg, Dessau, Leipzig. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Italien: Berona. — Frankreich: Paris. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die Leichenfeier Frankenburgers. — Jerusalem als Anfangsmeridian. — Die Quoen int ungarischen Abgeordnetenhause. (Forts.) SL&ifowbc dzti&ef. Bonn, 4. August. Der Klick in's Veite. Das mäßig große Volk Israel von etwa 5 Millionen lebte IV2 Jahrtausende in einem Binnenlande, abgeschlossen nach Osten durch den Libanon und Antilibanon, nach Süden durch die Wüste, nach Westen vom Meere durch die Philister und die Phönizier abgeschnitten, ohne beträchtlichen Handelsverkehr. Ta konnte sich mit einigem Grunde das Vorurtheil bilden, daß dieses Volk nur einen einseitigen, beschränkten Gesichtskreis gehabt und wenn auch in religiöser und sittlicher Beziehung einen tiefen Einblick bekundet habe, doch in jeder anderen nur ein sehr abgegrenztes Sehfeld überschaute. Prüfen wir aber dieses immer wiederholte Vorurtheil nach den uns überlieferten Schriften dieses Volkes genauer, so gewahren wir das Gegentheil, und wir möchten behaupten, daß es unter den Nationen des Alterthums diejenige gewesen, deren Horizont sich am weitesten ausdehnte. Zwei Richtungen gab es, in welchen sich der Blick in's Weite bewähren konnte: die Welt der Schöpfung und die Menschenwelt. Schon die mosaische Schöpfungsgeschichte läßt sich nicht, wie dies bei anderen Völkern geschehen, in mythologische Träumereien ein, sondern nimmt in einfachster Weise die ganze Schöpfung, wie sie sich dem menschlichen Auge darstellt, in Betracht. Zuerst die allgemeinen Existenzbedingungen: das Licht, der Raum, die Form (feste und flüssige), dann die Einzelwesen in stufenweiser Entwickelung: die Himmelskörper, auf Erden die Pflanzen, die Thiere des Wassers, die der Luft, die ans dem Erdboden, der Mensch. Diese Entwickelungsanschauung zeigt sich auch weiterhin, denn 1. Mos. 2, 5 heißt es: „Alles Gewächs des Feldes war noch nicht auf Erden und das Kraut des Feldes noch nicht gesprossen, denn noch hatte Gott nicht regnen lassen auf die Erde," und noch bezeichnender 8, 22: „Fortan sollen Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht aufhören." Es setzt dies voraus, daß diese naturgesetzliche Ordnung vor der Sintfluth noch nicht so gewesen und erst nach der letzten, der diluvianischen Erdevolution vollständig eingetreten. Dieses Gesammtbild der Schöpfung verblieb den Israeliten in allen ihre» Vorstellungen. Wir erinnern an den 104. Psalm: besonders auch an die schöne Stelle Psalm 139, 7: „Wohin soll ich vor deinem Geiste gehen, wohin vor deinem Antlitz fliehen. Stieg ich zum Himmel auf: da bist du, und nähme ich mir die Unterwelt zum Lager, du bist da. Schwänz ich der Morgenröthe Flügel, wohnt an des Meeres Ende, auch dort würde deine Hand mich leiten und mich fassen deine Rechte. Spräch ich: ja Finsterniß wird mich umfangen, zur Nacht wird Licht um mich: auch Finsterniß verfinstert nicht vor dir. Nacht leuchtet wie der Tag. Dunkel und Licht sind gleich." — Ebenso zeigt die Vision Ezechiels, wie das Auge des Hebräers die ganze lebendige und leblose Schöpfung umspannte. Aber der gleiche Blick ins Weite zeigt sich nicht minder in Einzelbildern. Der Sänger des 29. Psalm's sieht 32

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