Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1889)
- Date
- 1889-07-18
- Page
- Seite 459 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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baß sie ohne Ueberhastung und mit Verständniß sich an dem öffentlichen Gottesdienste betheiligen könne. 5. Die ganze Tefilla, soweit sie bei der öffentlichen und häuslichen Andacht zur Verwendung kommt, soll übersetzt werden. 6. Jeder Altersstufe muß das und nicht mehr geboten werden, als was sprachlich und sachlich ihrem Verständniß entspricht, und was auch quantitativ es ihr ermöglicht, in der Synagoge mitzukommen. — Hierauf sich stützend, ist Redner der Meinung, „es seien die einzelnen Gebetstücke derart zu behandeln, daß man die leichteren Stellen derselben — und zwar immer Zusammenhängendes und gedanklich Ganzes — der Unterstufe, Schwierigeres der Mittelstufe und schließlich das Ganze der Oberstufe zuweise. Nachdem Referent an einzelnen Beispielen gezeigt hat, wie er sich die Handhabung der Sache denkt (bei notw v&je z. B. hätte die Unterstufe nur das Folgende nöthig: mino \3 nmts' nrM v^.x'n ijn m.o '2ip3 “DBöntJ' pt b; nx-D nrus N'n vermag er der Versammlung davon Kenntniß zu geben, daß ein nach diesen Anschauungen von vr. Goldschmidt bearbeitetes Merkchen zunächst für die Unterstufe, demnächst erscheinen wird. Das Correferat hatte Herr Bachenheimer - Kirn übernommen. Der Ref. betont, daß Kinder, die kurze Zeit aus der Schule entlassen sind, sehr viel vom Gebetübersetzen vergessen haben, was wohl eine Folge des mechanischen Uebersetzens sei. Daher sei es dringende Forderung, den Inhalt der Gebete, die Worterklärung, Grammatik rc. gründlich zu behandeln. Um jedoch etwaige Klagen seitens der Eltern, die Kinder lernen zu wenig Gebetstücke übersetzen, zu vermeiden, könne die mechanische Methode nicht ganz verdrängt werden. Eine gründliche Vorbereitung des Lehrers sei auch bei diesem Fache unerläßliche Forderung, um das Richtige auszuwählen und nicht nach augenblicklichen Eingebungen zu lehren. Ein Satz werde vorgelesen, zergliedert, der Inhalt werde angegeben, dann grammatische Erklärungen, nachübersetzen, einprägen, für biblische Geschichte und Religionslehre anwenden, wiederholen. Für die einzelnen Stufen sei eine besondere Auswahl der Gebetstücke etwa nach Rahmer oder Wiesen erforderlich. Mit wenigen Aenderungen wurden alsdann folgende Thesen des Referenten angenommen: 1. Sieben der statarischen Behandlung des Gebetübersetzens ist die kursorische nicht ganz zu entbehren. 2. Auf keiner Stufe darf der grammatische Unterricht Selbstzweck sein, sondern muß als Mittel dienen, das Verständmß zu fördern. 3. Wo es sich ungesucht ermöglichen läßt, ist der Inhalt auf das Leben und Gemüth der Kinder anzuwenden. Bei dem letzten Punkt der Tagesoronung „Freie Besprechungen" wurde von verschiedenen Seiten geklagt, daß die vorhandenen hebräischen Fibeln mehr oder weniger Mängel aufweisen, weshalb eine Commission gewählt wurde, die für die nächstjährige Versammlung eine neue Fibel zu bearbeiten habe. Als weitere Punkte für die am 13. und 14. April n. I. in Saarlouis abzuhaltende Generalversammlung wurden noch folgende Borträge festgesetzt: „Zur Fortbildnngsfrage der Religionslehrer in jüdisch-wissenschaftlicher Beziehung." Referenten die Herren vr. Goldschmidt-Hoppstädten und vr. Zuckermandel-Trier. Ferner: „Ueber biblische Geographie und Chronologie." Referent Herr Sender-Tholey. Folgende Resolution gelangte zur Annahme. „Die Versammlung hat sich in sehr mißbilligender Weise darüber ausgesprochen, daß die Redaction der „Jüdischen Presse" den vorjährigen amtlichen Bericht der Conferenz durch consequente Auslassung eines Namens in persönlich gehässiger Weise verstümmelt hat." Inzwischen war die Stunde so weit vorgerückt, daß die Conferenz geschlossen werden mußte. Der Vorsitzende bekundet den regen Aufschwung, den der Verein und die Versammlungen genommen, daß fleißig und gewissenhaft gearbeitet wurde, daß man sich bekämpft und — vertragen habe. Die gehörten pädagogischen Anschauungen mögen nun aber auch nutzbringend in der Schule verwerthet werden. Ferner staitet Redner den Lehrern seinen Dank ab für die Unterstützung in der Geschäftsführung, den Herren Rabbinen, die an den Verhandlungen so regen Antheil genommen und belebend und belehrend in die Debatte eingegriffen und bittet den Vertreter des D.-J. G.-B., den Dank der Versammlung für die geleistete Subvention dem Bunde zu übermitteln. Besonderen Dank noch dem Herrn College» Tiefeubronner- St. Johann für seine Bemühungen beim gelungenen Verlaus der Conferenz. Herr vr. Goldschmidt-Hoppstäbten erbat sich das Wort, um dem Vorsitzenden für seine geschickte, objectioe und consequente Leitung der Verhandlungen die gebührende Anerkennung auszusprechen. Nachdem noch den beiden Beisitzern für ihre Bemühungen der Dank der Versammlung ausgesprochen war, wurden mit einem „Hoch" auf den Verein die Verhandlungen geschloffen. R. Nußbaum, Schriftführer. Berichtigung. In dem Artikel aus Paris, (Nr. 27), in welchem von dem 1546 mit seinen Büchern verbrannten „Ketzer" die Rede ist, wurde derselbe irrthümlich Dodet statt Dolet genannt.