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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-07-18 · Heft 29 (18.7.1889) · p. Seite 452

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 29 (18.7.1889)
Date
1889-07-18
Page
Seite 452 (sequence 8)
Language
German
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452 Alliance bei ihrem Ursprünge verkündet habe, daß sie alle Anstrengungen machen werde, um sich in Oesterreich der Presse und des mobilen Capitals zu bemächtigen." Hiermit ist wohl diese Angelegenheit abgeschlossen, doch darf man nicht sicher zu sein, daß nicht nach einiger Zeit aus derselben schwarzen Quelle ähnliche Fälschungen abermals erfließen werden. Rußland. Kowno, 25. Juni. Ein großes Brandunglück hat die in unserem Gouvernement belegene Stadt Kretynga betroffen. Die über 13,000 Einwohner zählende Stadt existirt nicht mehr! Das Feuer ist in einem hölzernen Wohnhause entstanden und verbreitete sich, vom stärksten Wind begünstigt, mit rasender Schnelligkeit über die ganze Stadt, welche in zwanzig Stunden ein einziges Flammenmeer bildete. Ueber 7000 Häuser, die katholische, griechische, evangelische Kirche, zwei Synagogen, drei Schulen, Post, Telegraphenamt, Friedensgericht und verschiedene andere amtliche Gebäude sind total abgebrannt, ebenso über 400 Kaufläden sammt allen Waarenvorräthen. Den Schaden veranschlagt man auf mehr als 2,200,000 Rubel. 6000 Personen, darunter über die Hälfte Israeliten, sind obdachlos und dem Elend preisgegeben. Kowno, ^im Juni. Die großen Brände wiederholen sich während dieses Sommers in Rußland in trauriger Weise. Nach der Feuersbrunst, welche die Stadt Kretyrga veeheert hat, wurde zwei Tage darauf die Stadt Ostrow ein Raub der Flammen. Mehr als 200 Häuser sind nirdergebrannt. Auch in der Kreisstadt Wolkoivyski, im Gouvernement Grodno, sind 50 meist von Juden bewohnte Häuser und eine Synagoge abgebrannt. Bulgarien. Sofia, im Juni. Das Juniheft der Alliance isr. univ. enthält einen erfreulichen Bericht. Ein Verein junger Männer in Sofia hat eine Fortbildungsschule gegründet, in welcher Abends die jungen Leute unterrichtet werden. Wenn auch die Gründer dieses Vereins der christlichen Religion angehören, haben sie doch ihre Anstalt ohne alle confessionelle Berücksichtigung eröffnet. Nach zwei Tagen hatten sich 151 Schüler einschreiben lassen, und unter diesen befinden sich 80 Israeliten, meist frühere Schüler der hiesigen Schule der Alliance. Würde der Raum der Anstalt es gestatten, könnte sich leicht die Zahl verdoppeln. Da die Zahl der jüdischen Zöglinge mehr als die Hälfte beträgt, so hat der Vorstand der Anstalt die Abende von Freitag und Samstag vom Unterrichte freigelassen. Aus diesen Thatsachen ergiebt sich zweifaches: zuerst die Eintracht und Duldsamkeit, die hier zwischen den verschiedenen Eonfessionen herrscht. Man fühlt, daß Bulgarien vorwärts müsse und dies nur durch die gemeinsamen Anstrengungen aller Bürger erreicht werden könne, daß Einigkeit stark mache. Alsdann zeigt sich durch obiges Resultat, daß auch bei unseren hiesigen Glaubensgenossen der Bildungstrieb stark vorherrscht. Großbritannien. London, 3. Juli. Das Unterhaus erledigte in der Einzelberathung die schottische Universitätsbill. Im Laufe der Debatte willigte die Regierung ein, den Testeid für die nicht-theologischen Lehrstühle auszuheben. Hiernach können nunmehr alle Dissidenten und die Israeliten Professuren an den schottischen Universitäten bekleiden, was wegen der Ableistung des Eides auf das anglikanische Glanbensbekenntniß bisher unmöglich war. Wer die Beharrlichkeit der Britten an ihren alten Institutionen kennt, wird sich nicht wundern, daß dieser Schritt erst jetzt gethan worden und die Regierung dazu gedrängt werden mußte. Großbritannien besitzt keine solche Akte mit formulirten allgemeinen Grundsätzen, die man in anderen Staaten Staatsverfassung nennt, und die alten Beschränkungen mußten und müssen deshalb durch besondere Gesetze beseitigt werden. London, im Juni. Während des jüngsten Aufenthaltes des Schah von Persien in London nahm eine Abordnung der hiesigen jüdischen Gemeinde die Gelegenheit wahr, sich dem persischen Herrscher vorzustellen und eine Fürbitte für seine jüdischen Unterthanen vorzutragen. Der Schah nahm die Abgeordneten huldreich auf und gab ihnen die Versicherung, daß die Juden in Persien aufs Beste behandelt werden sollen. Man kann dem edlen Eifer unserer hiesigen Glaubensgenossen nur Dank und Anerkennung sagen. Doch hat derselbe Schah bei seiner früheren Reise in Europa das gleiche Versprechen gegeben, ohne daß die Verwirklichung sich fühlbar gemacht hätte. Die Regenten in solchen orientalischen Staaten können trotz ihrer despotischen Gewalt ihre Statthalter und Unterbeamten nicht verhindern, Erpressungen und Grausamkeiten auszuüben. Die einzige Zuflucht bieten hier nur die Vertreter der europäischen Großmächte, besonders die englischen und französischen. London, 5. Juli. Ueber den oben besprochenen Vorgang bringt folgende Correspondenz der „Franks. Ztg." das nähere. Der Glanzpunkt der Festlichkeiten, welche dem Schah von Persien gegeben wurden, war für den Abend des 4. Juli aufgespart. Sir Albert Sassoon, der, wie sein Bruder Reuben, Vice-Präsident der anglo-hebräischen Association ist, hat das wegen seiner Ballets weltberühmte Empire Theatre für 500 Pfd. gemiethet und die ganze fashionable Welt Londons eingeladen, um dem Schah beim Beschauen Gesellschaft zu

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