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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-07-11 · Heft 28 (11.7.1889) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 28 (11.7.1889)
Date
1889-07-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudmthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Uhilippson in Dann Expedition: Leipzig, Kospitakstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 53. Jahrgang. Leipzig, den 11. Juli 1889. Nr. 28. Inhalt. Leitende Artikel: Worte des Friedens. — Traditionen des Judenthums. VI. — Die römischen Juden und Samuel Alatri. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bruchsal. — Oesterreich-Ungarn: Kladno. — Italien: Rom. - Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Ein Opfer des Fanatismus. Bonn, 7. Juli. Worte -es Flie-ens. Der päpstliche Nuntius — so wird der diplomatische Vertreter des Papstes an den größeren katholischen Höfen, wie Wien, München, Paris, Madrid, Brüssel und auch in Konstantinopel bezeichnet — hat in Fünfkirchen zu dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde Worte des Friedens gesprochen. Es ist dies immerhin eine Kundgebung von Bedeutung, weil wir diese doch nicht als einen bloß persönlichen Erguß erachten können, sondern die Stellung des Sprechers in Betracht ziehen müssen. „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Boten, der Frieden kündet!" (Jesaias 52, 7). Gewiß, wir Juden aller Zonen und Länder lieben den Frieden, um welchen wir täglich wiederholt Gott anflehen, und kommen willig dem entgegen, der uns Frieden anbietet und verheißt. Auch ist es nur eine willkürliche Beschuldigung der Antisemiten, daß die Juden feindselig der christlichen Kirche gegenüber stehen. Unser Widerstand ist stets nur passiv; wir wehren ungerechte Angriffe ab. Wenn es einmal zwei oder drei verirrte jüdische Literaten gab, welche verletzende Aeußerungen gegen die christliche Dogmatik thaten, so haben sie dies genügend durch den Strafrichter büßen müssen, gehen aber die jüdische Gesammtheit gar nichts an. Sie verschwinden auch unter der gegenwärtig großen Masse t»on i j Sänften, welche gegen die Kirche auftreten, und noch geringfügiger erscheinen sie vor der Massenhaftigkeit und Gewissenlosigkeit der Angriffe, die gegen das Judenthum losgelassen werden. Nein, wir können mit der größten Sicherheit aussagen, daß die Juden durchaus geneigt sind, ja sich aufs Eifrigste bemühen, mit allen Confessionen Frieden zu halten und sehr entrüstet sind, wenn Einer aus ihrer Mitte diesen Frieden stören will. Wenn also der Nuntius Galimberli ein vatikanischer Bote wäre, der Frieden kündet, wirklichen Frieden, thatsächlichen Frieden, so kann er nicht inniger empfangen werden als von den Juden. — Sehen wir uns seine Worte etwas näher an. Er sagte, alle positiven Religionen seien vom Atheismus bedroht, welcher die gesellschaftliche Ordnung unterwühlt. Alle diese Religionen und Confessionen müßten sich deshalb vereinigen, um den gemeinsamen Feind zu bekämpfen. Christenthum und Judenthum hätten ja vieles Gemeinsame, namentlich in den Büchern der h. Schrift. Es ist wahr, der Atheismus, welcher so viele Jahrhunderte zur Defensive, und zwar einer meist erfolglosen, verurtheilt war, als die weltliche Macht noch ihren starken Arm der Kirche zu Gebote stellte, und den Abfall von dieser mit Kerker, Schwert und Feuer verfolgte, ist seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts zum Angriff übergegangen und zählt gegenwärtig auf sehr bedeutende Kräfte und auf eine große Menge Anhänger. Aber schwerlich versteht der Nuntius in seinen Worten unter Atheismus lediglich die ausgesprochenen Gottesleugner, die doctrinären, den Gottesbegriff verneinenden Freidenker und Materialisten, vielmehr müssen wir voraussetzen, daß er mit diesem Worte alle Antiklerikalen, alle den An-

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