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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-07-04 · Heft 27 (4.7.1889) · p. Seite 418

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 27 (4.7.1889)
Date
1889-07-04
Page
Seite 418 (sequence 6)
Language
German
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418 sorgfältig gepflegt haben, theils aus Liebe zum Wissen, theils aber auch aus dem Grunde, weil dieses ihnen einerseits — wie in der sarazenischen Zeitperiode — zur ehrenvollen Stellung in den christlichen Ländern verhalf, andererseits wieder zur einzigen Waffe diente, mit der sie die quasi-gelehrten Angriffe christlicher Fanatiker und deren auf Verfolgung der rechtlosen jüdischen „Parias" abzielenden Dispute stets siegreich zurückgewiesen hatten. — Daß wir Juden der edlen Waffe, welche das Wissen gewährt, auch in der angeblich lichtvollen Gegenwart nicht entrathen können, hiervon zeugt leider sattsam der den letzten Decennien des Neunzehnten Jahrhunderts zur Schmach und Schande gereichende Antisemitismus, dieses widerliche, gorj gonenhafte Ungethüm, das, aus den niedrigsten Leiden-! schäften herrsch- und raubsüchtiger Menschen hervorgegangen,! nun aller Religion und Menschenliebe spottet und verwüstend und verheerend wirkt, gleich einem Molch,! „Wogegen hold ein Engel Gift und Dolch, „Wogegen Liebeskelten alle Schlangen, „Tie aus dem Gurt der Amadurga sprangen!" In Galizien sind zwar keine antisemitischen Tendenzen wahrnehmbar. Aber auch bei uns zu Lande muß der Jude, um erbärmlich existiren zu können, mit mannigfachen, von einer gewissen „frommen" Partei unablässig gewährten Vorurtheilen der katholischen Mitbürger bitter und hart kämpfen, denen er es bekanntlich nie recht machen kann. Früher wurde dem' galizischen Juden vorgeworfen, daß er nur vom Wucher lebt und eine Abneigung gegen Agricultur habe. Als aber die Juden bei uns der Landwirthschaft sich widmeten, hier und da Güter gekauft und auf denselben, durch Fleiß und rationelles Vorgehen wahre Musterwirthschaften eingeführt haben, da erhoben unsere Nationalen ein furchtbares Gezeter, daß die „Fremden" — nämlich die seit 800 Jahren in Polen weilenden Juden — den polnischen Grund und Boden an sich bringen nnd dadurch „entnationalisiren"! „Der Jude! soll Handwerker sein, aber kein Gutseigenthümer!" So ließj sich manche judenfeindliche polnische Zeitung vernehmen. Doch wie konnten sich die hierländischen Juden dem Handwerkerberufe widmen, wenn fast kein christlicher Meister einen jüdischen Knaben in die Lehre aufnehmen wollte! Deshalb machte sich hier zu Lande die Nothwendigkeit der Errichtung einer jüdischen Handwerkerschule seit Langem in bedeutendem Maße fühlbar. Daß diesem dringenden Bedürfnisse endlich Rechnung getragen und dadurch eine in civilisatorischer und ökonomischer Beziehung bedeutungsvolle Idee realisirt wurde, dies ist eben das unschätzbare Verdienst sowohl des Reichsabgeordneten Di'. Arnold Rapoport — der nicht nur die Initiative zur Gründung der hiesigen Handwerkerschule ergriff, sondern auch mit wahrhaft hochherziger, edler Mildthätigkeit das umfangreiche, mit allem möglichen Comfort ausgestattete Schulgebäude auf eigene Kosten im Betrage von mehr als 40,000 Gulden aufführen ließ — als auch der „israelitischen Allianz" in Wien, die, in ihrem auf die Hebung der geistigen und materiellen Interessen unserer Glaubensbrüder im Osten Europas gerichteten humanitären Bestreben, die löbliche Verpflichtung übernahm, die jährlichen Kosten der Erhaltung dieser Handwerkerschule zu bestreiten. Letztere ist nämlich ein sogenanntes „Internat", in welchem 40 bis 50 jüdische Zöglinge, die vor der Aufnahme vier Normalklassen absolvirt haben müssen, kostenfrei bequartiert, beköstigt und bekleidet, sowie in mannigfachen Kunsthandwerken und anbern geistigen Gegenständen von besoldeten Lehrern unterrichtet werden. Das seitens der „Alliance israslite" in Wien hierfür präliminicte jährliche Budget beträgt jetzt 12,000 Gulden, das jedoch nach Bedarf auch erhöht werden wird! — So möge nun diese für Westgalizien in Krakau errichtete Handwerkerschule, welche der bei der Eröffnungsfeier anwesende Bezirkshauptmann als Vertreter des galizischen Statthalters nach Kräften zu unterstützen versprach, aufs Beste gedeihen, zum Frommen und Nutzen unserer galizischen Glaubensgenossen und zur Freude der edlen Gründer dieser Unterrichtsanstalt, in welcher die Lehrthätigkeit bereits begonnen hat. Die hiesige Handels- und Gewerbekammer hat in einer außerordentlichen Sitzung ihrem Reichsrathsabgeordneten Dr. Arnold Rapoport, in Anerkennung seines durch die Gründung der genannten Handwerkerschule erworbenen großen Verdienstes, einstimmig den wärmsten Dank votirt. Arthur Eibenschütz. >ei l'it n.ep nacljzi r^CUtfcfolattb; werden Sie, geehrter Herr Redakteur, wohl ohne Weiteres ‘ ' mir beistimmen — mußte jeder liberal und zugleich gläubig Berlin, li>. Juni. (Privatmitth.) Mit einem recht ge-; Gesinnte, ob Christ, ob Israelit, die Berichte über die jüngst theilten, aus Freud und Leid gemischten Gefühle — darin' in der ewigen Stadt mit unbegrenztem Enthusiasmus von

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