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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-05-16 · Heft 20 (16.5.1889) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 20 (16.5.1889)
Date
1889-05-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ fiir alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner I)r. Ludwig Philippson in Donn. Krpedition: Leipzig, Kospitakstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. PhiNppson in Bonn direct, in allen übrigen an dio Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. 53. Jahrgang. Leipzig, den WaRai 1889. Nr. 20. Inhalt. Leitende Artikel: Idealismus und Realismus in der Bibel. — Zur Lage. — Die israelitische Bibelanstalt. — Lichtstrahlen aus dem Buche Hiob. IV. — Em Erlaß des österreichischen Cultusministers. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. — ^enerrercy-nngarn: Men. — ^cywerz: nonn. — Feuilleton: Das Bild eines eingefleischten Antisemiten. — Moses Zcltc'wbc Bonn, 12. Mai. Idealismus und Realismus in der Hidel. Zu den Schlagwörtern des Tages gehört der Wettstreit zwischen Realismus und Idealismus. Dem vorigen Jahrhundert und der ersten Hälfte des gegenwärtigen, als der Zeit des Klassicismus, der Romantik und des Liberalismus, gegenüber, bezeichnet man den Charakter der Gegenwart als einen vorzugsweise realistischen. Reale Interessen, reale Zwecke und realistische Thätigkeit nehmen den Vordergrund ein und sollen alles Ideale verdrängt haben. Besonders in den Künsten, den bildenden und der Poesie, will man nur den Realismus gelten lassen, und indem man ihn bis zur Darstellung des Häßlichen und Unsittlichen treibt, benennt man ihn Naturalismus. Selbst auf dem Gebiete der Politik soll das Ideale verschwunden sein und wird die Realpolitik gefeiert, die man als die richtige Staatskunst und das Gepräge des wahren Staatsmannes kennzeichnet. Wir wissen nicht, wie lauge diese Tendenz in der modernen Welt vorherrschen wird; aber es drängt sich uns dabei die Frage auf: ist Idealismus oder Realismus in unserer heiligen Schrift vorhanden oder obwaltend? ist jener oder dieser die Signatur derselben? Bei dem hohen Interesse, welches in allen Generationen für unsre heilige Schrift besteht, läßt diese Frage nicht gleichgiltig, da sie das Verhältniß jener zur Gegenwart berührt. Wir wollen unsre Meinung einfach Herstellen. Der Kampf na: pong-Kong. — Afrika: ^ohannesoerg. — Bonn: Notizen. — Mendelssohn als Uebersetzer aas Shakespeare und Sophokles. zwischen Realismus und Idealismus ist so alt wie der Mensch zugleich arbeitet und denkt, geht durch die ganze Geschichte des Menschengeschlechtes und entscheidet sich nur von Zeit zu Zeit bald nach der einen, bald nach der anderen Seite. Die Bibel Israels ist das Buch der Bücher, ist ein Spiegel des ganzen Menschenthums, erscheint darum typisch für die Menschengeschichte und stellt uns deshalb auch diesen Kampf der beiden Geistesrichtungen, aber stets mit hem Siege des Jd^lismus, dar. , Wollen wi^ uys-chies übersichNich erweisen. -Seh^v wir von der Schöpfungsgeschichte^ ab, wo „der Geist Gottes über den Wassern webt", und die Gottesgedanken, im Wort ausgedrückt, zur universellen und speciellen Wirklichkeit werden. Grundlegend für den großen Kampf sind die Geschichten des Paradieses und des Zusammenstoßes zwischen Kain und Abel. In beiden siegt der Realismus und scheint seinen Gegner für immer überwunden zu haben. Die Sinnlichkeit überwindet in der ersteren den Gehorsam gegen die Idee und führt zur Arbeit, die nicht wieder aufhören soll; in der zweiten siegt er in der Con-! currenz der gesellschaftlichen Klassen über die Gottesverehrung! und die sanfteren Triebe des Herzens. Dagegen sehen wir Noah nach den Schrecknissen der Sintfluth und unter den Trümmern einer untergegangenen Welt einen Altar errichten! und Gott ein Dankopfer bringen: die Idee hat die Unsterb- > lichkeit errungen über die Verheerung der organischen Welt.! Abraham ist in allen seinen Handlungen der Vertreter des! Idealismus, von dem Augenblicke an, wo er um seiner reli-! giösen Erkenntniß willen sein Vaterland verläßt, seine Fa-! milie aufgiebt und sich inmitten der canaanitischen Völker- 20

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