Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1889)
- Date
- 1889-04-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Attgemeine Zeitung des Iudmlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Na-biner vr. Ludwig Philippson in Konn. Expedition: Leipzig, Kospitatstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einznsenden. 53. Jahrgang. Leipzig, den 25. April 1889. Nr. 17. Inhalt. Leitende Artikel: Lichtstrahlen aus dem Buche Hiob. — Bilder aus dem Leben des Volkes Israel. (Schluß.) — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Oppeln. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Rußland: Riga. — Serbien: Belgrad. — Türkei: Konstantinopel, Bagdad. — Amerika: San Francisco. — Palästina: Jerusalem. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die Juden in der Bukowina. — David Lämml. ieitc'nbe €Xvtifie(. Bonn, 21. April. Lichtstrahlen aus dem Luche Hiob. i. Unter dem Titel „Lichtstrahlen" die treffendsten Gedanken, die kräftigsten Sentenzen eines klassischen Schriftstellers auszuziehen und zusammenzustellen, ist zu einer literarischen Gepflogenheit geworden. Man will auf solchem Wege diese Ideen und Aussprüche demjenigen Theile des Publieums zugänglich machen, welcher jene Schriften nicht selbst liest; noch mehr aber, da die Mehrzahl der Leser ein dichterisches Meisterwerk in seinem Zusammenhänge und seiner sog. Fabel, nicht aber in seinen einzelnen Gedanken und kräftigen Aussprüchen sich zu eigen macht, beabsichtigt man, diese letzteren ihnen nahe zu bringen und zur Beachtung im Leben in die Erinnerung einzusenken. Die bedeutendsten Kritiker haben das Buch Hiob für eines der großartigsten Dichterwerke erklärt und es Homer, Sophokles, Shakespeare, Goethe an die Seite gesetzt. Jndeß gehört es zu den schwierigsten Büchern der h. Schrift, und so, denken wir, wird es vielen unserer Leser willkommen sein, sich hier eine Auswahl der Aussprüche dieses Buches vorgelegt zu sehen, allerdings nicht blos dem Wortlaute nach, sondern mit einigen erklärenden Zusätzen. Wir bedauern nur, daß wir uns des Raumes wegen auf eine verhältnißmäßig geringe Anzahl Sätze aus dem an tiefsinnigen Gedanken und hochpoetischen Aussprüchen so reichen Buche beschränken müssen. Nur einige kurze Vorbemerkungen. Was uns dieses Buch so überaus werthvoll macht, ist, daß es in verhältnißmäßig hohem Alter die Probleme des menschlichen Geistes und Lebens behandelt, die noch jetzt unsere Gedankenwelt beherrschen und jedem aufwachsenden Geschlechte von Neuem sich aufdrängen. Kommt in ihm die pessimistische Stimmung — Stimmung ist es nur, weil Hiob erst durch seine Leiden zu einer solchen Anschauung gelangt — zum Ausdruck, und zwar zum ergreifendsten, so muß doch der Beachtung empfohlen werden, daß niemals der Boden der Gottgläubigkeit verlassen, oder sagen wir verloren wird, so daß die dem tiefgebeugten Gemüthe sich aufdrängenden Fragen über die Gerechtigkeit des Verhängnisses an Gott selbst gerichtet werden, um Lösung flehend. Im Prolog 2, 4.: „Haut für Haut! Alles was der Mensch hat, giebt er für sein Leben hin." — Es ist gut, daß dieser Satz dem „Ankläger" (Satan) des Menschen in den Mund gelegt wird. Denn er ist unwahr, und das Buch selbst widerlegt ihn. Wenn die menschliche Natur beurtheilt werden soll, so darf dies nicht ausschließlich nach der Denk-und Handlungsweise Vieler, ja vielleicht der Mehrheit geschehen, sondern auch nach denThatsachen, welche sich andererseits aus dem Thun und Lassen einer doch nicht geringen Zahl Menschen ergeben. Dieser „Ankläger" kennt oder will nicht kennen das Göttliche in der Menschenseele, die Liebe, und die Opferwilligkeit, welche die Liebe bewirkt. Denken wir an die zahllosen Männer, die schon aus den Schlachtfeldern ihr Leben in der Verteidigung des Vaterlandes geopfert — nicht um! Ruhmes und anderen Vortheils willen, die sie in ihrer nie- 17