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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-04-18 · Heft 16 (18.4.1889) · p. Seite 251

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 16 (18.4.1889)
Date
1889-04-18
Page
Seite 251 (sequence 15)
Language
German
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251 gewiesen wurde. Jetzt machen nun gewisse Journale, namentlich das XIX. Si&ele Chorus gegen „die jüdischen Banquiers", insonders gegen Rothschild. Wir haben hier weder pro noch contra zu erörtern, sondern nur den Stand der Dinge zu constatiren, der für die antisemitische Stimmung sehr fruchtbar ist. — Infolge meines letzten Artikels über den Mangel an einer französischen Uebersetzung der Bibel haben die Arch. isr. ebenfalls ihre Stimme für die Ausfüllung dieser empfindlichen Lücke erhoben, freilich ohne meines Vorganges zu erwähnen. Das macht nichts aus, wenn nur die Wirkung nicht ausbleibt. Bonn, 7. April. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin: Am Montag Abend starb im 79. Lebensjahre der Senior der Berliner Buchdruckereibesitzer, H. S. Hermann, der sein ausgedehntes Unternehmen aus den allereinfachsten Anfängen heraus zu einer Bedeutung führte, die es in die erste Reihe der deutschen Buch- und Kunstdruckereien stellen. Das große Publikum kennt die Druckerei aus den Pferdebahnbillets, von denen weit mehr als hundert Millionen Stück jährlich dort hergestellt werden. Bei Gelegenheit des vor Kurzem gefeierten fünfzigjährigen Jubiläums der Druckerei konnte der Heimgegangene noch in voller körperlicher Rüstigkeit die Ehren entgegennehmen, die auf ihn gehäuft wurden. Er war ein biederer, warmblütiger Mann, dem das Wohl seiner Arbeiter am Herzen lag, ein Beispiel bürgerlicher Tüchtigkeit. Seine drei Söhne haben ihm schon seit langen Jahren als Theilhaber zur Seite gestanden. Ein vierter Sohn ist professor Ordinarius der Physiologie, Ludimar Hermann in Königsberg. — Man schreibt aus O eh rin gen, 30. März. Die hiesige israelitische Gemeinde hat, wie bereits gemeldet, im Dezember v. I. den Gasthof zur Sonne für 30000 Mk. angekauft, um daraus eine Synagoge zu machen. In der verhältnißmäßig sehr kurzen Zeit wurde die Umwandlung unter der Leitung des Stadtbaumeisters Bartenbach in einer Weise vollendet, welche die größte Anerkennung verdient, da die gegebenen Räumlichkeiten mit großem Geschick ausgenützt wurden und reiche Pracht mit gediegenem Geschmack sich darin vereinigt finden. Gestern Nachmittag wurde die Einweihung der neuen Synagoge vollzogen. Nachdem in dem alten Betlokal in der Vorstadt ein Abschiedsgottesdienst gehalten wor, bewegte sich der stattliche Festzug unter Vorantritt der israelitischen Schuljugend und des Synagogenchors zu dem Gotteshaus am unteren Thor. Der Gottesdienst dauerte zwei Stunden, wobei der Bezirksrabbiner Dr. Engelbert die Festpredigt hielt und Kirchenrath Dr. v. Wassermann aus Stuttgart durch eine längere Ansprache die Gemeinde beglückwünschte. — Aus Pest wird uns geschrieben: Herr Dr. I. Steinherz, Rabbiner in Nagy-Atad, ist zum Rabbiner in Stnhlweißenburg, Herr Dr. I. Reiß, Rabbiner in St. Pöllen, zum Rabbiner in Kullenplan (Böhmen) und Herr Dr. B. Zimmels zum Rabbiner in St. Pöllen gewählt. An Stelle des verstorbenen A. Stern ist Herr M. Hirsch, Oberrabbiner in Prag, als Oberrabbiner nach Hamburg berufen, doch wird er dem Rufe, wie verlautet, nicht folgen. — In Manchester starb vorige Woche Alderman Philipp Goldschmidt, dem unter allgemeiner Theilnahme seiner Mitbürger ein wahrhaft fürstliches Leichenbegängniß zu Theil wurde. Goldschmidt war in Westerstede (Großherzvgthum Oldenburg) geboren und kam im Jahre 1843 nach England, wo er zuerst in Bradford und dann in Manchester ein großes Geschäft gründete. Er war zwei Mal Mayor von Manchester und erfüllte die Pflichten seines Amtes mit einem großartigen Aufwande. Sein Bildniß erhielt einen Ehrenplatz im Rathhause von Manchester, wohl das erste Mal, daß in dieser Stadt einem Ausländer eine solche Auszeichnung zn Theil wurde. I e u i t l e t o n. Die Juden im ungarischen Abgeordnetenhaus?. (Fortsetzung.) 2. Franz Chorin. Wie Wahrmann der Enkel eines Rabbiners, des wegen seiner fortschrittlichen Richtung allgemein bekannten Araber Rabbiners Ahron Chorin. Er wurde in Arad geboren. Nachdem er seine juridischen Studien theils in Pest, theils auf deutschen Universitäten absolvirt hatte, ließ er sich in seiner Geburtsstadt als Advocat nieder. Früh betheiligte er sich an dem politischen Leben und schon als junger Mann redigirte er ein in Arad erschienenes politisches Tageblatt „Alfold*. Im Jahre 1875 wurde er, der Präsident der Araber Advocatenkammer, von der Stadt Arad mit großer Majorität zum Reichstags - Abgeordneten gewählt. Chorin, der früher der Opposition, seit mehreren Jahren jedoch der! Regierungspartei angehörte, und seit 1881 den Wahlbezirk Aranyos Medgyes im Szathmarer Comitat vertritt, ist eine 1 bedeutende Kraft am ungarischen Reichstage und nimmt an! allen staatsrechtlichen Fragen regen Antheil. Sein warmes! Interesse für seine Glaubensgenossen bekundete er bei jeder : sich ihm bietenden Gelegenheit, besonders bei den Verhandlungen über den Abschluß des rumänischen Handelsvertrages. Zugleich mit Chorin wurde als Reichstags-Abgeordneter gewählt:

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