Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1889)
- Date
- 1889-04-11
- Page
- Seite 235 (sequence 15)
- Language
- German
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spanische Judenfamilien ansässig, und zwar die Familien: Baruch, Tevet, de Leon, Largil und Amigo. Der letztere war ein sehr intelligenter Mann, die Familie selbst wegen ihres enormen Reichthums sehr berühmt und Amigo bei Hof ebenso angesehen und geehrt wie dÄguilar. Während eines Tages die spanischen Juden in Wien ihre Gebete verrichteten, kam Pereyra die vertrauliche Mittheilung zu, „daß die Juden aus dem Bereiche des österreichischen Landes ausgewiesen werden sollten." Pereyra, welcher wohl wußte, von wem diese vertrauliche Mittheilung stammt, eilte zur Kaiserin in die Hofburg, wurde jedoch nicht vorgelassen und erhielt den Bescheid, seine Besuche bei Hofe gänzlich einzustellen. Pereyra beeilte sich, seinem Freunde Amigo diese Trauerbotschaft hinterbringen zu lassen. Amigo beruhigte seinen Freund und versprach ihm sofort nach Constantinopel zu reisen und durch den dort ansässigen spanischen Juden Kamondo die Intervention Sr. Majestät des Sultans zu vermitteln. Und siehe da! Schon nach wenigen Wochen kam ein außerordentlicher Courier des Sultans in Wien an, welcher in einer Audienz der Kaiserin Maria Theresia einen Brief des Halbmondbeherrschers übergab. Sofort ließ die Kaiserin ihren Rath zu sich berufen und in einer geheimen Sitzung wurde beschlossen, den Sultan zu benachrichtigen, daß die Kaiserin mit Freuden seine Bitte erfülle, umsomehr, da die Ausweisung der Juden aus Oesterreich noch nicht zum Beschlüsse erhoben wurde. Noch an selbem Tage löste die Kaiserin ihren Rath auf und betraute den Reichskanzler, zu welchem sie unbedingtes Vertrauen hatte, mit der Bildung des neuen Raths; auch ließ sie des andern Tages Diego d'Aguilar zu sich bitten, jedoch derselbe war aus Wien verschwunden. Niemand wußte, wohin er seine Schritte gelenkt hatte. Die genannte Wiener Gemeinde hat jedenfalls ein Alter von 150 Jahren. Moses Lopez Pereyra schenkte sowohl der! Wiener als der Temesvaren sephardischen Gemeinde zwei ^paar silberne Rimonim, auf welchen die Inschrift eingegraben ist: „Moses Lopez Pereyra 5498." Die Rechte der sog. „türkischen Colonie in Wien" zur Ausübung eines selbstständigen Gottesdienstes wurden vermittelst eines kaiserlichen Patentes verbrieft und geschützt; ein Reglement, welches die innere Regelung und Ordnung der Gemeinde bezweckt, wurde von der Regierung unterm 17. Juni 1776 erlassen. Nachtrag. Luxemburg, 3. April. Das Urtheil des Gerichtshofes in Sachen contra „Luxemburger Wort" wegen Beleidigung der jüdischen Religion lautet folgendermaßen: „Die Behauptung der Vertheidigung, die beregten Artikel seien als eine dogmatische Abhandlung über den Semitismus anzusehen, sei nicht zutreffend, da sie vielmehr böswillige Angriffe gegen einen im Großherzogthum eingeführten Cultus enthielten. Die Veröffentlichung sei in einem bei der Landbevölkerung verbreiteten Blatte erfolgt und geeignet gewesen, gegen die Juden aufzuhetzen. Auch der von der Vertheidigung beantragte Wahrheitsbeweis durch Sachverständige sei nicht zulässig, da eine solche Beweisführung in specie unerheblich sei, indem die Verhetzung straffällig sei in jedem Falle, sowohl wenn die angeführten Thatsachen falsch, als wenn dieselben wahr sind. Auf Grund dieser Beweisführung und unter Anwendung der in Artikel 12 des Preßgesetzes niedergeschriebenen Strafbestimmung verurtheilte das Gericht den Angeklagten Weiter unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Geldbuße von 500 Franken sowie in die Kosten. Außerdem wurde die Veröffentlichung des ergangenen Urtheils im „Luxemburger Wort" und zwar 3 Tage nach erfolgter Zustellung angeordnet. Schönebeck a. E., den 30. März 1889. In Folge Berufung unseres Beamten in eine staatliche Lehrerstelle, ist die hiesige Cultusbeamtenstelle erledigt und soll dieselbe baldmöglichst wieder durch einen seminaristisch vorgebildeten Lehrer besetzt werden. Gehalt 1200 Mark Fixum, nebst freier Wohnung. Meldungen nimmt entgegen Ter Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Zl. Nureuse. nzergen. Die Synagogen-Gemeinde Saar sucht per sofort einen tüchtigeu Neligwuslehrer, unverheirathet. Gehalt 800 M. per anno. Zeugnisse und curriculum vitae emzusenden an den * [üa 1887 Vorstand der Syiagogen-öemeiiide zu Herzig. B. M Weil, Vorsitzender. PA Hf* 29, Boul. des Italiens. pflege du (Haut u, Schönheit des Teints: ROYAL THRIDACE SEIFE VELOUTINE SEIFE zu haben in allen Parfümerieu.CQiffeurgeschseften Pferdehändler, welche einen Makler für Belgien suchen, können sich melden. sK.190 Briefe franko poste restante Anbei (Belgien) motto H. ö. Das Optisch-Mechanische Institut von A. REITH, Berlin 0., Burgstr. 27z 21a empfiehlt Britten, Pincenez, Operngläser, Fernrohre, Reißzeuge rc. in allen Preislagen. Auswahlsendungen an die geehrten Auftraggeber, so bekannt, bereitwilligst. Sonnabend geschlossen. Hochachtend A. Reith, Optiker u. Mechaniker.