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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-02-28 · Heft 9 (28.2.1889) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 9 (28.2.1889)
Date
1889-02-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Orgau skr alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis Vierteljahr!. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Dann Orpedition: Leipzig, Kospitakstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 53. Jahrgang. Leipzig, den 28. Februar 1889. Nr. 8. JflfcaU. Leitende Artikel: Lasset Euch warnen! — Der orientalische Pantheismus und der hebräische Monotheismus. (Schluß.) — Briefe an einen jungen Theologen. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig. — Oesterreich-Ungarn: Wien. — Frankreich: Paris. — Rumänien: Bukarest. — Bulgarien: Sofia. — Palästina: Jaffa. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Rabbiner vr. A. M. Goldschmidt. (Nekrolog.) — Zur Schul-Bibliotheks Frage. — Sklavenhandel und Inquisition in Portugal. — Correspondenz. Bonn, 23. Februar. Lasset Euch warnen! Man hat die Frage häufig discutirt, inwiefern die Thätigkeit, das materielle Treiben eines Volkes ebenso wie sein geistiges von natürlicher Anlage, Klima, Bodenbeschaffenheit, Begrenzung u. s. w. abhängig ist und bedingt wird. Die Geschichte eines Volkes wird deßhalb oft von diesen Bedingungen mehr bestimmt, als von dem Charakter und den Intentionen des Volkes selbst. Jndeß, über alles dieses hinaus, scheinen uns die Verhältnisse und die Ereigniffe in ihrem Wechsel und in ihrer Unberechenbarkeit das entscheidendste Wort zu sprechen, und dieses Moment zeigt sich do> minirend besonders betreffs der Beschäftigung und des materiellen Lebens in der Geschichte des jüdischen Staates. Wir wollen dies in etwas nähere Betrachtung ziehen, und bitten unsere Leser, insbesondere diejenigen, welche noch über den Berus ihrer Kinder sich zu entscheiden haben, um aufmerksame Beachtung. Der jüdische Stamm zeigte von seinem Ursprünge an eine Neigung für die Viehzucht, dann aber auch für den Landbau. Schon bei den Erzvätern findet sich die Vereinigung dieser beiden, während der Aufenthalt in Egypten sie mehr zum Hirtenstande geführt zu haben scheint. Im Lande Israel selbst war der Ackerbau mit der zu diesem gehörigen Viehzucht ausschließliche Beschäftigung der Bewohner. Die Bevölkerung des alten Palästina war stets so groß, daß jeder, Fußbreit fruchtbaren Bodens benutzt werden mußte. So mußte sich bei ihr auch die Einfachheit der Sitten erhalten und die Neigung vorwiegend werden, über das ihr beschiedene Maß nicht hinauszugehen. Nach fremden Produkten stand ihr Sinn nicht, und der Handel blühte bei ihr niemals. War doch Israel selbst von der Küste des mitteländischen Meeres abgeschnitten und nur wenige Landkaravanen folgten der Straße durch das südliche Juda. Wie gering ist deßhalb der Antheil, den Ezechiel dem Volke Israel am tyrischen Welthandel zuschreiben konnte, und auch dieser war nur auf Weizen, Honig und Balsam beschränkt. Auch der zweite Volksbestand brachte hierin keine Aenderung und Josephus hebt es rühmend hervor, daß das israelitische Volk zu aller Zeit Land bebauet habe und nichts als Ackerbauer gewesen sei. Aber auch noch aus den talmudischen Schriften, besonders der Mischnah, leuchtet der Eifer hervor, mit welchem man sich der landwirthschaftlichen Casuistik ergab, und es nicht aufgegeben hatte, das Volk wieder zu seiner früheren, ihm naturgemäßen Beschäftigung zurückkehren zu sehen. Keinem Volke aber hat wohl die Geschichte mit einer so unwiderstehlichen Gewalt das Gebot zugerufen: „Von Deinem bisherigen Wege wende Dich ab und kehre Dich einem anderen zu!" Es ist merkwürdig, daß, je mehr das Geschick die Juden zur unverbrüchlichen Anhänglichkeit an ihre Religion verband, ebenso entschieden wurden sie vom Landbau entfernt und einer ganz entgegengesetzten Thätigkeit zugewiesen — dem Handel. Wurden doch schon die ersten jüdischen Colonien von Alexander, Seleucus und Antiochus in gewaltigen Handelsstädten begründet, wo ihr Existenzbes

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