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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-07-14 · Heft 7 (14.7.1889) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 7 (14.7.1889)
Date
1889-07-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Hudenthums. Ein marlctisches Organ siir alles jiidischc Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierleljährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipp son in Donn. Expedition: Leipzig, KospitaPraße 2. In redactionelleu Angelegenheiten wende man sich an Dr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 53. Jahrgang. Leipzig, den 14. Februar 1889. Nr. 7. Inhalt. Leitende Artikel: Charakterzüge vom Tage. V. — Bilder aus dem Leben des Volkes Israel. — Die Chewra Kadischa und ihre Bedeutung. — Zur definitiven Anstellung der jüdischen Lehrer.-— Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzigs Kordon. Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Frankreich: Paris. — Schweoen: Norrköping. — Großbritannien: London. — Italien: Rom. — Serbien: Belgrad. — Rumänien: Bukarest. — Bonn: Notizen. — Bonn, Rom: Literarische Notizen. Feuilleton: Ein Briefwechsel. — Vermischtes. — Nachtrag: Rußland: Petersburg. Bonn, 10. Februar. Charakterzüge vom Tage, v. Eine eigenthümliche Erscheinung unserer Zeit ist es, daß die Studenten der Universitäten und auch anderer Hochschulen durchaus eine politische Rolle spielen wollen, wobei sich bei ihnen in den verschiedenen Ländern ganz entgegengesetzte Tendenzen kundgeven. Es versteht sich, daß thatsächliche Aeußerungen nur an den großen Universitäten, wo die Anzahl der Studirenden eine sehr beträchtliche ist, stattfinden können, während an kleineren sich diese politischen Tendenzen innerhalb der sogenannten Berbinduugen abspielen. An drei Orten zugleich thaten sich die Studenten in den jüngsten Tagen als politische Tumultuanten hervor. In Rom machten sie als Republikaner und Jrridenten in Verbindung mit Pöbelhaufen großen Spektakel, und es kam zu Kämpfen mit blutigem Ausgang. Gleiches fand in Pest statt, wo sich sogar Delegirte von der anderweits studirenden magyarischen Jugend emfanden, um gegen das neue Wehrgesetz zu demoustriren, weil darin die deutsche Sprache als einheitliche Commandosprache bevorzugt sei. Kuch hier mußte das Militär einschreiten und es gab blutige Köpfe. Ein trauriges Geschick, der Plötzliche Tod des Kronprinzen Rudolf, machte den Unruhen ein Ende. Nicht minder übte m Paris die Depuürtenwahl zwischen Boulanger und Jaqnes, dem Candidaten der Republikaner, eine sehr aufregende Wirkung auf die Studenten. Hier aber spalteten diese sich, wie das ganze französische Volk, in Boulangisten und Anli-Boulangisten, und es gab traurige Zusammenstöße im Quarte Latin zwischen den beiden Gruppen. Hier waren es die Anhänger der Republik, welche die Mehrzahl bildeten. Darüber ein großer Zorn bei der boulangistischen Partei, und um eine Erklärung der Thatsache zu finden — greift man zu den Juden. Im Quartier du Temple sollen viele — natürlich deutsche Juden, die seit Kurzem erst naturalisirt seien, wohnen und die Studenten aujgehetzt und mit ihrem Gelbe unterstützt haben. Man sieht hieraus weiter nichts, als daß die Boulangipen antisemitisch angehaucht sind. In entgegengesetzter Weise benehmen sich die Studenten in Deutschland. In Berlin, Leipzig und selbst an kleineren Universitäten haben sich leider zahlreiche Studentenvereine gebildet, welche den Antisemitismus auf ihre Fahne geschrieben, neben ihm freilich Deutschthum und Royalismus. Wo sie es nur vermögen, drängen sie sich vor, und würden, was glücklicherweise in Deutschland nicht der Fall ist, Tumulte entstehen, so nähmen sie einen um so beinerklicheren Antheil daran, als sie in geschlossenen Gruppen auftreten. Daß erst jüngst ein hoffnungsvoller junger Mann das Opfer dieser traurigen Verirrung der Studenten geworden, ist noch in Aller Erinnerung. In Wten konnten diese Herren ihrer Neigung zu Straßentumulten genügen, als ihnen Schönerer dazu Gelegenheit bot. Unterstützten sie ihn doch bei seinem berüchtigten Gange nach dem Büreau einer Redaetion, wo er die Inden züchtigen wollte, darüber jedoch in den Kerker zu wandern hatte. Bei den 7

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