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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-02-07 · Heft 6 (7.2.1889) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 6 (7.2.1889)
Date
1889-02-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ei« im-artcnsches Orgm für alles jiidischc Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. 3 M.,direet von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Utzilipp son in Lonn. Expedition: Leipzig, Kospitakstraße 2. In redaetionellen Angelegenheiten wende man. sich an J)r. Philippson in Bonn direct, in allen iibrigen an die BerlagShandlung. Beilagen (Gebühr 12 MI find gleichfalls an letztere einzusenden. 53. JllhrglNlg. Leipzig, den 7. Februar 1889. 9Zt* 3. Inhalt. Leitende Artikel: Charalterzüge vom Tage. IV. — Jüdische Schul-Bibliotheken. — Entlegene Culturen. — Der Proceß in Luxemburg. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Kassel. Posen, Breslau, Dessau, Oppein, Colb?rg. — Oesterreich- Ungarn: Wien, Pest. —'Rußland: Petersburg. — Türkei: Constaminopel. — Amerika: Elstcago. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die'Gerichtsverhandlung über den Fall Blum. Bonn, 3. Februar. Charakterzüge vom Gage. IV. Es ist ein eigenthümliches Schauspiel, .welches gegerrwärtig die preußische conservative Partei bietet. Die „Kreuzzeitung" brachte vor Kurzem einen Artikel, der heftig gegen den Reichskanzler auf Grund der Vorgänge in der Geffkenscheu Angelegenheit losfuhr und ihn sogar der Untergrabung des monarchischen Princips -bezichtigte. Daraufhin hat die Leitung der conservativen Partei im Reichstage und im preußischen Landtage eine Erklärung gegen diesen Artikel der Kreuz Leitung erllassen, daß sie auf die Redaction dieses Blattes keinen Einfluß ausübe, und hat diese Erklärung direct dem Kaiser und dem Reichskanzler unterbreitet. Dies ist r>as gerade Gegentheil von früheren Vorgängen, als oie Kreuzzeitung eine ganze Reihe von Artikeln direct gegen den Reichskanzler richtete, in welchen sie demselben in perfidester Weise die gröbsten Fehle zur Last legte. Damals erklärten recht viele Conservative sich ausdrücklich auf Seiten der Kreuzzeitung stehend. Man nannte sie „Declaranten". Fürst Bismarck wußte ihnen entgegenzutreten. In wuchtigster Weise brandmarkte er das ganze Jntrigueugewebe, und die Folge war, daß die conservative Partei in den beiden Parlamenten sehr zusammenschmolz. Dies also hat sich nicht wiederholt, vielmehr ist das Gegentheil eingetreten, und es geht sogar in Berlin das Gerücht, man wolle ein großes conservatives Blatt, der Kreuzzeitung gegenüber, in Berlin gründen. Wer jedoch aus allem Diesem den Schluß zöge, daß ein tiefer Riß durch die conservative Partei gehe und eine Spaltung derselben eiutrcteu werde, würde sicherlich irregehen. Naturgemäß finden sich in jeder Partei Nüancirnitgen und man kann einen rechten und einen linken Flügel unterscheiden. Bei Gelegenheit tritt dies wohl zu Tage, ohne jedoch daß ein Zerfall der Partei damit verbunden wäre. Die conservative Partei hat nicht bloß politische Ansichten, sondern auch ganz bestimmte materielle Interessen zu vertheidigen uub zu fördern, imo wo letztere vorhandeil sind, geht man nicht leicht auseinander, läßt beu gelegentlichen Gegensatz auf sich beruhen und bleibt vereinigt. Die gedachten Vorgänge er» inner» uns daran, daß vor einigen Monaten die Krenzzeitung, um den scheinbar einschtummernden Antisemitismus wieder zu wecken und Zeugniß zu geben, daß er noch vorhanden , eine Reihe der heftigsten Hetzarlikel mit sehr entschiedenen Vorschlägen von Gewaltthätigkeiten brachte und aussprach, daß dieser Antisemitismus ein integrirender Theil des conservativen Programms sei. Gegen diese letztere Behauptung erhob sich keine einzige Stimme aus der conservativen Partei, so daß wir jetzt um so inehr die Behauptung der .Kreuzzeitung als begründet ansehen müssen. Ja, daß dieser Theil des Programms bis tief in die Kartellpartei hineingreist, haben die Vorgänge in den Breslauer Wählerversammlungen, namentlich die Reden der Professoren v. Stengel und Schmidt, dargethan. Darüber brauchen wir wohl kein Wort mehr zu verlieren, daß solcher „Couservatismus^

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