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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-01-31 · Heft 5 (31.1.1889) · p. Seite 73

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 5 (31.1.1889)
Date
1889-01-31
Page
Seite 73 (sequence 9)
Language
German
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73 Wurde, besitzt jetzt schon fünfzehn öffentliche jüdische Volksschulen. Graz, 18. Januar. Der Bauernverein „Umgebung Marburg" wurde behördlich aufgelöst. In dem betreffenden Auflösungsdecret der Statthalterei wird hervorgehoben, daß die Ausschließung von Advokaten und Juden geradezu eine gesetzlich unzulässige Herabwürdigung eines bestimmten Standes und einer gesetzlich anerkannten Religionsgenossenschaft sei. An die Stelle des aufgelösten Bauernvereins ist die Gründung eines neuen Bauernvereins im Zuge. — Der Grazer antisemitische Student Richard Fellner wurde wegen Beleidigung des Kronprinzen Rudolf zu dreizehnmonatlichem Kerker verurtheilt. Der Cassationshof hat das Urtheil der ersten Instanz bestätigt. Brünn, Mitte Januar. (Privatmitth.) Am 12. d. M. hielt der Herr Landesrabbiner dem am letzten Tage des verflossenen Jahres in Frankfurt a. M. verstorbenen ehemaligen mährischen Landesrabbiner S. R. Hirsch, welcher bekanntlich dieses Amt vom Jahre 1847—1851 verwaltete und in Nikolsburg seinen Amtssitz hatte, in der hiesigen Synagoge beim Mussaph-Gottesdienste einen ehrenden Nachruf. Ausgehend von den Worten nmn “dj, schilderte er mit beredten und geistvollen Worten das Wirken des Dahingeschiedenen, der, so lange er in Mähren sein Amt verwaltete, durchaus nicht einer lichtscheuen Orthodoxie huldigte, vielmehr, wie sich aus den Schlußworten des von dem Redner verlesenen Abschiedsschreibens, das Hirsch bei seinem Scheiden aus dem Amte eines Ober-Landesrabbiners am 31. Juli 1851 „an die ehrwürdigen Herren Rabbiner, löblichen Vorstände und ehrsamen israelitischen Cultusgemeinden Mährens" richtete, sich wohl dessen bewußt war, was die Wissenschaft für die Entwickelung unseres religiösen Wesens bedeute. Ich will jene charakteristischen Worte aus dem erwähnten Schreiben, welches mir durch die Güte unseres Herrn Landesrabbiners aus dem Archive des Landesrabbinats zur Verfügung gestellt wurde, hierhersetzen. Sie lauten: „Höret nicht auf Die, die unser altes, herabgeerbtes jüdisches Heiligthum verkennen, und wähnen, das alte Judenthum passe nicht für die neue junge Zeit; der hehre Gottesberg müsse abgetragen werden, damit es flach und eben werde für die Bequemlichkeit der Zeit. — Höret auch nicht auf Jene, die das Leben und die Wissenschaft verkennen und wähnen, als Feinde habe das Judenthum sie zu fürchten, und nur durch ängstliches Abschließen des jüdischen Heiligthums von jedem frischen Pulsschlag des Lebens und jedem Strahle der Wissenschaft könne Judenthum und Heiligthum gerettet werden. Höret nur auf die Stimme unserer Weisen, die schon vor Jahrhunderten nur in inniger Vereinigung beider das Heil erkannten, und allen unseren Geschlechtern das große Wort zuriefen: mm vn pN -pi vn DN' PN l~n VN n~im VN ün Das Licht, das vom Feuergipfel des Sinai uns gereicht, ist berufen die Welt zu überwinden; es hat die Welt nicht zu scheuen. Alle Menschheit erlösende Wahrheit ist sein Strahl; Jrrthum und Wahn werden an ihm zu nichte."—In derThat, goldene Worte. Erst, so fuhr der Redner fort, als Hirsch in Deutschland einen eigenen Wirkungskreis sich geschaffen, spann er sich in die ihm eigenthümliche Logik ein, welche überholt wurde von der Logik der Thatsachen. „Blinder Haß und blinde Verehrung, von denen man nichts lernt", haben Hirsch zum Kämpfer und zur Seele jener Partei gemacht, die sich von jeder Neuerung streng abschloß. Aber die Hochachtung und Verehrung wird niemals dem Manne versagt werden können, dessen Schild stets rein und unbefleckt blieb und dessen Charakter durch seine Lauterkeit auch dem Gegner stets die größte Hochachtung einflößte. Er sei also insofern keineswegs ein py TiDy, wie der Redner mit Beziehung auf den verlesenen Wochenabschnitt sagte, vielmehr sei auch er ein t»N Tmy, welcher dem jüngeren Geschlechts vorleuchte. Die Rede, in der an unserem Herrn Landesrabbiner gekannten formvollendeten Weise vorgetragen, machte auf die anwesenden Andächtigen, unter welchen sich auch unser Cultusvorstand und Herr Jul. R. v. Gomperz an der Spitze desselben befand, einen mächtigen und nachhaltigen Eindruck. Dy. Max Grünfeld. Rumänien. Botosani, im Januar. (Privatmitth.) Nun ist es mir wieder vergönnt, Ihnen, die Sie sich seit jeher für das Wohlgedeihen der hiesigen isr. Hauptschule interessirt haben, die erfreuliche Mittheilung zu machen, daß diese Schule seit dem Monat September zum Heile der hiesigen isr. Jugend wieder functionirt. Unfern hochherzigen Brüdern im Westen war es Vorbehalten, durch ihre bedeutende alljährliche Subvention, im Betrage von 8000 Frs., uns die Wiedereröffnung derselben zu ermöglichen und auch zu sichern, daß sie in ihrem Wirken nicht mehr gestört und unterbrochen werde. Als im vorigen Jahre unser hochverehrter Glaubensgenosse, der rühmlichst bekannte F. D. Mocatta aus London, bei seiner Reise nach Rumänien, auch die hiesige Stadt besuchte, wünschte er mehrere Stadttheile, besonders diejenigen, welche kurz zuvor vom schrecklichen Brande gänzlich zerstört worden waren, zu sehen. Auf unserem Rundgange kamen wir auch zum prächtigen Schulgebäude der Gemeinde, welches leider wie ein Körper ohne Seele dastand, die Schule im Jahre 1884, zu welcher Zeit alle Gemeindeeinkünfte hier ins Stocken geriethen, geschlossen werden mußte. Mit rührenden Worten schilderte ich dem 5

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