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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-01-25 · Heft 4 (25.1.1889) · p. Seite 63

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 4 (25.1.1889)
Date
1889-01-25
Page
Seite 63 (sequence 15)
Language
German
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63 sohn in Leipzig, wo er sich während der Messe aufhielt. Bald nach seiner Rückkehr nach Berlin schrieb er an Joseph Mayer: Unser R. Ahron hat sich also wirklich davon gemacht. Ich habe es in Leipzig erfahren, und ob ich ihm gleich wahrhaftig ein Freund war, so bin ich doch nicht sonderlich erschrocken. Seine Umstände waren, wie mir glaubwürdige Männer erzählen, schon seit einigen Jahren so beschaffen, daß er nur zu seiner eigenen Plage länger gelebt haben würde. Ich verdenke es Niemanden, der ihn nicht liebt, denn seine Aufführung war zuletzt nicht liebenswerth. Man pflegt den Schauspieler nach seiner letzten Tirade, die er hersagt, zu beurtheilen. Aber die ihn hassen, thun wirklich unrecht. „Sein menschenfeindliches Wesen entsprang mehr aus der Krankheit des Körpers als aus Bosheit des Herzens. Ein Mensch ohne Lunge kann schwerlich liebreich sein. Die gute Friebchen*) hat wohl ziemlich Gelegenheit gehabt, sich in der Geduld zu üben. Ich habe ihr noch nicht condolirt, welches zwar unrecht ist, allein, unter uns, ich weiß noch nicht recht, welchen Ton ich anschlugeri soll. Sie trösten zu wollen, scheint mir lächerlich und gleichwohl fühle ich als Freund so etwas, das mich nicht gleichgiltig bleiben läßt. Melden Sie mir doch, lieber Freund, ob er viele Manuscripte hinterlassen; vielleicht schickt Madame mir selbige zu, und ich lasse etwas davon drucken. Als Wohlthäter von ihr verdient er diese Aufmerksamkeit und es wäre doch wirklich schade, wenn alle seine Wissenschaften so mit ihm weggestorben sein sollten. Wird von seinen Büchern Auction gemacht?" Die gute Frau kümmerte sich wenig um die Manuscripte ihres verstorbenen Mannes. Schon wenige Monate nach seinem Tode hatte sie ihn vergessen und dachte zum nicht geringen Erstaunen Aller, die sie kannten, an eine Wiederverehelichung. Alle Vorstellungen ihrer Mutter und Freunde blieben ohne Erfolg; das „gute Friebchen" war verliebt. Hören wir, wie Mendelssohn sich über sie und ihr Heirathsproject ausspricht. In seinem Schreiben an Joseph Mayer vom 24. September 1769 heißt es: „Was Madame ihre Entschließungen betrifft, so wünsche ich von Herzen, daß sie Doctor Gumperz nicht zu ihrem Unglück soll reich gemacht haben. Ich kenne Joseph W., den sie liebt, weder dem Ansehen noch den Umständen nach; was mir von ihm erzählt worden, macht mir eben keinen sonderlichen Begriff von ihm. Was mir aber herzlich mißfällt, sind die Kunstgriffe, deren man sich bedient hat, die gute Frau ins Garn zu ziehen. Dergleichen Manöver sind mir zu gelehrt. Ich halte mein Urtheil indessen zurück, denn es möchte zu bitter ausfallen. Ich will lieber glauben, daß ich nicht von allen Umständen unterrichtet bin. Sie, mein Freund, haben wie ein wahrer, rechtschaffener Mann gehandelt, daß Sie ohne Scheu ihr die Wahrheit gesagt haben, und vornehmlich, daß sie ihr den Mangel der Hochachtung gegen ihre alte Mutter so nachdrücklich verwiesen. Die gute Friebchen wird es, fürchte ich, bald erfahren, was für ein Unglück es sei, die Liebe einer Mutter verloren zu haben und wie unschätzbar ein Freund sei, der uns vor einem solchen Fehltritt warnt. Ihre Aufführung jn diesem Falle, mein lieber Freund, macht Ihnen in den Augen eines jeden rechtschaffenen Mannes wirklich Ehre, und die W.. . . selbst müssen Ihnen Gerechtigkeit wiederfahren lassen, wenn sie gleich, von Eigenliebe geblendet, anders urtheilen möchten. Doch genug hiervon. Ich glaube die Sache wird gehen; Freunde und Familie mögen sagen was sie wollen. Denn meines Erachtens hat Amor die Hand im Spiel, denn man sagt, er soll ein schöner Mann sein. Solche vornehme Heirathsvermittler wie Amor und Graf Holk pflegen nicht gern einen vergeblichen Antrag zu stellen. Ich wünsche, daß es zu ihrem Glücke sein möge." Auch Fromet Mendelssohn war über die Ausführung ihrer Jugendfreundin empört. „Wir denken über Friebchens Umstände sehr gleich," heißt es in einer Nachschrift an den Brief ihres Mannes, „in meinen Augen führt sie sich wie eine Närrin auf. Man sollte es sich nicht vorstellen, daß ein gutes Gemüth so verdorben werden kann." Die Liebe triumphirte: Friebchen Gumperz wurde die Gattin des schönenW...., ob zu ihrem Glücke? Das wissen wir nicht. Di*. Kayserling. Vermischtes. Richtig! Rudolf Graf Hoyos hat eine Sammlung seiner Gedichte, frische, jeder Ueberschwünglichkeit fremde Poemata, bei Gerold in Wien herausgegeben. Darunter folgendes: Die Antisemiten. Den Glauben nicht und nicht die Rasse Habt Ihr belegt mit Eurem Hasse! Dazu seid Ihr zu aufgeklärt; Wenn ich die Frage richtig fasse, So ist es nur die Wertheimkasse, Nach der Semitenhaß begehrt. 1) Der Name der Frau Doctor Gumperz.

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