Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1888)
- Date
- 1888-12-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227717-3227770--45850-3265388- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Allgemeine Zeitung des Zudmthums. Ein mijmteiWs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Donn. Expedition: Leipzig, Kospitakssraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 Dl.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 27. Dezember 1888. Nr. 52. IfthftU. Leitende Artikel: Zum Schlüsse des Jahrgangs. — Neues und Altes. — Ein Duell. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Breslau, Königsberg, Görlitz, Oppeln, Tarnowitz, Aus der Pfalz. Ostrowo. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Graz. Frankreich: Paris. — Bonn: Notizen. — Bonn: Literarische Notizen.— Feuilleton: Correspondenz. — Aus den Erinnerungen eines Arztes. IV. — Eine psychologische Erfahrung. — Vermischtes. Mit Neujahr beginnt die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ihren dreiundfiinfsigften Jahrgang. Ich ersuche um gefl. baldige Bestellung, bei allen Postämtern (Deutsche Zeitungspostliste 115) und allen Buchhandlungen, um jede Störung in der Zusendung zu vermeiden. Probenummern stehen jederzeit unberechnet und portofrei zu Diensten. Gustav Gugel, Verlagsbuchhandlung, Leipzig. Bonn, 23. December. Zum Schlüsse des Jahrgangs. Wenn man auf das zu Ende gehende Jahr nach seinem Verlaufe blickt, so fragst Du Dich wohl, ob dasselbe günstig oder ungünstig gewesen, zu den merkwürdigen oder gleichmäßigen gehöre'? Das ablaufende Jahr hat bedeutsame Ereignisse, jedoch keine welterschütternde gebracht; es wird in der Geschichte nicht unbemerkt, aber auch nicht als von entscheidendem Einflüsse auf die Geschicke der Völker verzeichnet werden. Ist doch in demselben der Friede nicht gestört worden, vielmehr erwies sich die Übereinstimmung europäischer Großmächte in dem Beschlüsse, die ostafnkanische Küste zu blokiren, um den Sklavenhandel zu verhindern. Wenn auch in allen Staaten nicht geringe Schwierigkeiten vorhanden sind, die überwunden werden müssen und den Gegenstand heftiger innerer Reibungen ausmachen. — Das deutsche Reich sah den hochbetagten, thaten- und siegreichen Kaiser in das Grab sinken und das seinen Händen entfallene Scepter von dem erlauchten, aber todtkranken Sohn ergreifen. Kaum hundert Tage währte die Regierung des heldenmäßig duldenden Herrschers; dennoch gingen aus dem Abendrothe seines Lebens Lichtstrahlen hervor, welche Himmel und Erde mit freundlicher Helle überzogen. Die Ansprache an das Volk und der Erlaß an den Reichskanzler bilden solche Zeugnisse wahrhaften Rechtsgesühls und lautersten Menschenthums, daß sie von der Geschichte niemals vergessen werden können. Aber auch des jungen Kaisers erste Schritte waren von erheblichem Werthe. Sie gingen dahin, die Freundschaftsbande zwischen den Souveränen Europas und dadurch den allgemeinen Frieden zu befestigen und Europa zu zeigen, daß das deutsche Reich auch fernerhin den Frieden zu bewahren streben werde. Fragen wir besonders nach den Zuständen, die sich für die Glaubensgenossenschaft, die wir an dreier Stelle vertreten, während dieses Jahres entwickelten: so können wir nach Innen und Außen mit Beruhigung, wenn auch nicht mit Befriedigung ausblicken. Der Bestand der Gemeinden ist überall gesichert. Ein Streben, im Gottesdienste und Religionsunterricht vorwärts zu schreiten, ohne den Frieden der Gemeinden zu stören, ist unverkennbar; vor allem aber treibt der Wohlthätigkeitssinn die schönsten Blüthen, Vereine und Institute für gemeinnützige Zwecke finden genügende Unterstützung und vermehren sich fortwährend. Gegen Schluß des Jahres traten die außergewöhnlichen Stiftungen des Baron Hirsch für kulturelle, insbesondere Schulzwecke der 52 /