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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-11-22 · Heft 47 (22.11.1888) · p. Seite 751

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 47 (22.11.1888)
Date
1888-11-22
Page
Seite 751 (sequence 15)
Language
German
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751 ciösen" — wo wir für Lasker keine besondere Sympathie zu finden voraussetzen müßten — giebt der Verf. S. 275 aus der Feder eines „Süddeutschen" eine Schilderung Lasters, die auch wir deshalb fixiren wollen. Sie lautet: „Der deutsche Reichstag war eröffnet. Wir Süddeutsche fühlten uns bald heimisch, zumal schleunigst der Versuch, eine besondere süddeutsche Fraktion zu gründen, durch den sofortigen Eintritt der meisten von uns in die nationalliberale Fraktion beantwortet worden war. Lasker war es vor Allen, der uns das parlamentarische Leben erschloß, und auf diese höchst praktische Seite in dem Wirken des Idealisten dürfte hier näher einzugehen sein. Im Preise seiner ganz ungewöhnlichen Begabung, seiner Kenntnisse und Pflichttreue, der Reinheit und llneigennützigkeit seines Charakters stimmen auch diese Erinnerungen freudig in den allgemeinen Chor ein: dafür bedarf es wahrlich keines weiteren Zeugnisses. Aber zur Erklärung der Thatsache, daß Lasker in jenen Jahren weitaus den größten persönlichen Einfluß zumal auf die neu eingetretenen Abgeordneten übte, mögen diese Erinnerung dienen. Geist und Charakter, feurige, überzeugende und hinreißende Beredtsamkeit standen ja auch Anderen zu Gebote, es mag nur an Bennigsen erinnert sein. Aber Keiner übte wie Lasker das Amt des Führers. Persönlich trat er Allen nah, freundlich, gefällig, auch in den untergeordneten Dingen, wie in der Sorge für Plätze im Reichstage, wie denn der Verfasser in dem ersten Sitzungslokal den Platz neben Lasker durch feine Vermittelung erhielt. Wollte einer seine Jungfernrede halten, den ersten Antrag stellen, eine Ansicht zur Geltung bringen, er wandte sich an Lasker. Dieser gab dem Anträge die korrekte, der Sprache des Gesetzgebers entsprechende Fassung, vermittelte, daß der Neuling das Wort erhielt, was nicht so leicht ist, als sich die H. H. Wähler oft vorstellen. In der Debatte aber war Lasker der erwünschte Helfer, der einsprang, wenn etwa die Unterstützung nothwendig wurde. Ebenso rieth er ab, wo der Thatendrang zu unnützer Rede verführen wollte, und wer seinem erfahrenen Rathe folgte, hatte es nicht zu bereuen. Manchem aber konnte er nach dem Durchfall nachher sagen: ich habe Ihnen ja abgerathen. Lernen konnte man bei ihm, wie bei keinem Zweiten. Ueberall war Lasker zur Stelle, der erste in der Fraktion, in der Versammlung, stets bereit, Freunden sein Ohr und seinen Rath zu leihen. Aber noch weit mehr. Mit seiner Ueberlegenheit war er Jahre lang maßgebend, zumal in der Fraktion, Andere fehlten oft, Geschäfte riefen sie oft ab, Lasker fehlte nie. Und wie viel der ernste Eindruck, das erste gescheidte Wort wirkte, das zeigte Lasker. Da war irgend eine Vorlage ausgegeben, gleichviel welche: sei es das umfassende Jnvalidengesetz, oder die Strafnovelle, oder die Justizgesetze, oder jährlich der Etat. Man kam in die Fraktionssitzung, die Meisten hatten die Vorlagen kaum flüchtig angesehen, hatten noch keine Zeit gehabt, zu lesen, zu studiren. Lasker aber hatte schon die Nacht dazu verwendet. Wo sich die Meisten noch .gar nicht zurecht finden konnten, da trat er auf, entwickelte den Inhalt so klar, so übersichtlich, daß den Hörern die geistige Arbeit erspart schien, gruppirte so einleuchtend, schied so überzeugend aus, was vortrefflich, was „discutirbar" oder was mit dem leidigen Worte „unannehmbar" sei. Und wie es im Leben geht, der Eindruck seiner frischen Darstellung war ein packender. Wohl kamen schüchterne Zweifel und in späteren Besprechungen auch sachgemäß begründeter Widerspruch, aber Lasker hatte das erste Wort gehabt und unzählige Male ging es nach seiner Meinung. In jenen ersten Jahren des Aufschwunges war ja noch in seltenen Fällen ein Schaden dabei, und Lasker hatte gewiß sehr oft unbedingt Recht. Allmälig freilich wurde es auch anders, der Widerspruch mehrte sich, besonders in der zweiten Periode von 1873—76, in welcher in der 150 Mann starken Fraktion eigentlich der rechte Flügel die Oberhand gehabt haben mochte, wenn er — auch einen Lasker an seiner Spitze geführt hätte. Im Großen und Ganzen beherrschte übrigens ein gutes oder doch leidliches Uebereinstimmen noch den Reichstag bis 1876. Der Abschluß der Jnstizgesetze, die Reichseinheit Deutschlands, welche in erster Linie Lasker's überzeugender, thatkräftiger und nie ablassender Agitation zu danken ist, war ja die große That der Sitzungsperiode des Reichstages von 1876." Vermischtes. Jüdische Schauspieler. Die „Württ. Landeszeitung" enthält in ihrem Feuilleton: „Memoiren eines Hofschauspielers von A. Junkermann." In denselben begegnen wir folgender Bemerkung: „Immer habe ich die Geschicklichkeit und Ausdauer meiner semitischen Collegen bewundert, woran sich alle Christen ein Beispiel nehmen sollten. Einen Juden in untergeordneter Stellung kenne ich beim Theater nicht. Bringt er's zu nichts, so wühlt er sich eher einen andern Beruf, als daß er in kläglicher Stellung beim Theater sein Leben fristet. Auch fällt mir, wie ich auch nachdenke, in meiner langjährigen Bühuenpraxis kein Chorist ein, der jüdischer Confession gewesen wäre, und mit dem Motto: „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles setzt an ihre Ehre", sind sie Alle was geworden.-

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