Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1888)
- Date
- 1888-11-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein mivartciischcs Organ sür alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis Vierteljahr!. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner 0r. Ludwig Philippson in Honn. Krpedition: Leipzig, Kospitatstraße 2. In redaktionellen Angelegenheiten wende inan sich an Vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 8. November 1888. Nr. 45. ludsU. Leitende Artikel: Einige Charakterzüge vom Tage. "VI. — Bilder aus dem Leben des Kolkes Israel. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Potsdam, Köln, Aus Württemberg. -Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Aus Ungarn.— Rumänien: Bukarest. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Heinrich Schlesinger, der Maler. — Vermischtes. icitenbc dzti&ef, Bonn, 4. November. Einige Charakterziige vom Tage. VI. Gegenwärtig muß, was in Deutschland zu Tage tritt oder treten will, in das Gewand des „Confessionellen" oder „Nationalen" sich kleiden und eine solche Tendenz verfolgen oder doch zur Schau tragen. Alles, was allgemeinerer Natur ist, was eine liberale oder humane Idee enthält, wird als gemeinschäblich verpönt. Hierbei kann man recht oft beobachten, daß liberale Ideen und Einrichtungen, kurz Schöpfungen des liberalen Geistes von den Orthodox - Confessionalen nachgeahmt, wenn auch in ihrer Weise umgestaltet werden; dann aber eröffnen die letzteren sofort einen heftigen Kampf gegen ihre liberalen Vorbilder, um diese zu verdrängen und sich das Feld allein anzueignen. Wir haben Beispiele hiervon wiederholt auf unserem speciellen Gebiete gehabt, selbstverständlich ist es den Orthodoxen nicht gelungen, den liberalen Tendenzen den Boden zu entziehen. Auf dem allgemeinen Gebiete sehen wir gegenwärtig von den Orthodox-Confessionalen die größten Anstrengungen machen, um alle Veranstaltungen pädagogischer und socialer Art orthodoxconfessionell zu färben, die confessionelle Ausschließlichkeit in alle gesellschaftlichen und wohlthätigen Einrichtungen zu bringen, die Scheidung der Menschen nach Confessionen wieder härter, durchgreifender und gehässiger zu machen. Ein Beispiel wollen wir vor vielen Anderen anführen. Vor Kurzem erschien ein Buch: „Die christliche Kleinkinderschule, ihre Geschichte und ihr gegenwärtiger Stand von Johannes Hübener, Hilfsgeistlicher am Diakonissenhaus zu Dresden." Kleinkinderschulen sind Anstalten, in denen Kinder von zwei bis sechs Jahren körperlich und geistig gepflegt werden sollen. Es ist dies nichts Anderes, als was man gewöhnlich „Kindergärten" nach der Bezeichnung benennt, welche ihr Erfinder, Friedrich Fröbel, ihnen gegeben. Das Hauptgewicht legt Hübener auf das Beiwort „christliche", schon „um Verwechselung fern zu halten und auch im Namen Bekenntniß gegen Fröbel abzulegen." Bei jeder Gelegenheit geht der Vers, „feindlich" gegen die Fröbel'schen Kindergärten, „als bewußte Feinde der christlichen Erziehung vor." Denn das Streben Fröbel's,sagtHübener, sei darauf gerichtet gewesen, „den Menschen, wie er für das Leben gesund und tüchtig ist, zu erziehen;" die Fröbel'schen Grundsätze stimmen mit dem Zeitgeiste des 19. Jahrhunderts überein. Der Kindergarten besitzt „in auffallender Weise seine Stütze im Berliner Judenthum". Es ist dem Vers, keineswegs verwunderlich, „daß das Judenthum, zumal das Reform- oder glaubenslose Judenthum im Kindergarten eine willkommene Erziehungsanstalt erblickt; auf den Kindergarten selbst aber wirft es ein trübes Licht, wenn er den vollen Beifall des Bevölkerungstheiles gefunden hat, der dem Christenthum feindlich gegenübersteht, d. h. den des Reformjudenthums." Da haben wir wieder die ganze armselige Methode dieser evangelischen Orthodoxie. Um dem Volke die Kindergärten zu verdächtigen, wird als 45