Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-11-01 · Heft 44 (1.11.1888) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 44 (1.11.1888)
Date
1888-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227717-3227762--45714-3265244
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

"Allgemeine -cs Iudenlhums. Ein mparteiisches Organ für alles jüdische Inkreise. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljührl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Uhilippson in Donn. K^pedition: Leipzig- Kospitakstrasre 2. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 1. November 1888. Nr. 44. Irrtmll. Leitende Artikel: Einige Charakterzüge vom Tage. V. — Was thut dem Religionsunterricht an höheren Schulen am meisten noth? — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Hamburg, Kassel, Mannheim, Fürth, Marburg. Aus Sachsen. —- Oesterreich-Ungarn: Wien.— Großbritannien: London. — Rußland: Petersburg. Hamburg, Warschau.—Rumänien: Bukarest. — Palast i ix q: Jerusalem. — Bonn: Notizen. — Bonn, Pest, Literarische Notizen. — Feuilleton: Kurze Bemerkungen. XII. — Vermischtes. £cilc\\be Bonn, 28. Oetober. Einige EharakterMge vlnn Tage, v. Der deutsche Kaiser in Rom! Ein weltgeschichtliches Ereigniß, nicht als Ausgangs-, sondern als Endpunkt, als Ergebniß großartiger Begebenheiten. Der deutsche Kaiser in Rom, nicht um aus den Händen des Papstes die Krone des heiligen römischen Reiches deutscher Nation zu empfangen, auch nicht an der Spitze eines Kriegsheeres, um die aufständischen italienischen Landschaften und Städte wieder zu unterwerfen, wie noch Zu Kaiser Karl V. Zeit — sondern inmitten des Friedens, um den Friedensbnnd zwischen Deutschland und Italien zu stärken, zum freundschaftlichen Besuche des Königs von Italien. Was mußte geschehen, um dieses Begegniß zu ermöglichen! Das deutsche Reich, an Stelle des zerrissenen und in dem schwächlichen und servilen Bundestage kaum als eine politische Macht dargestellten Deutschlands mußte erstehen, aber erst nachdem in zwei blutigen rasch und siegreich durchgeführten Kriegen Preußen an die Spitze der deutschen Stämme getreten und der westliche Feind aus den deutschen Marken Hinausgetrieben und im eigenen Lande niedergeworfen war. Aber nicht minder mußte Italien vorher von seinen Fremdherrschern befreit und alle seine Theile zu einem Ganzen verschmolzen und zuletzt Rom dem Papftthum genommen und zur Hauptstadt der geeinigten Nation erhoben werden. Da waren "nun in einer und derselben Residenz drei Souveräne zusammen, der König, der Kaiser und der Papst. Auch hierin haben wir ein merkwürdiges Ereigniß anzustaunen. In Rom ein regierender König und der seines Staates beraubte Papst im Vatican. Nach so vielen Jahrhunderten ein Papst ohne Land, ohne eine weltliche Herrschaft. Denn drüben im mittägigen Frankreich, in Avignon, fände er auch keinen Platz weltlicher Herrschaft mehr. Was liegt Alles hierin enthalten! Der mehr als ein Jahrtausend dauernde Kampf zwischen der weltlichen und der geistlichen Macht, zwischen dem Staat und der Kirche, ist für den ersteren entschieden. Nicht, daß der Staat die Kirche beherrschen dürfe — dagegen streitet der Grundsatz des modernen Staates, das Prinzip der Religions-, der Gewissensfreiheit, wohl aber, daß die Kirche den Staat nicht beherrsche und das weltliche Schwert nicht dem geistlichen untergeordnet sei. Also ist das große Problem der Vergangenheit endlich gelöst, dem Papstthum ist die Souveränetät über seine Kirche gesichert; aber der Staat ist souverän in allen Gebieten, die ihm zugehören. Hierüber freilich noch ein lebhafter Streit. Welche Gebiete dem Staate gehören, wird von der Kirche noch bestritten. Mögen diese Fragen noch weiterhin auf friedlichem Wege gelöst werden! — Rom ist also wieder die Hauptstadt eines weltlichen Staates. Allerdings ist sie es aus der Hauptstadt des kleinen Kirchenstaates zu der der ganzen apenninischen Halbinsel geworden, und zugleich wird von ihr aus die Herrschaft über die ganze römisch-katholische Kirche geführt. Beides bilden Vorzüge, welche noch heute diese Stadt vor allen 44

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.