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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-10-11 · Heft 41 (11.10.1888) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 41 (11.10.1888)
Date
1888-10-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine 3 eilung des Iudenlhums. Ein umrtciisches Orgm für alles jü-We Jutttcsse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis Viertelsährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Khilippson in Dann. Expedition: -Leipzig- Kospitakstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 11. Oktober 1888. Nr. 41. Inhalt, Leitende Artikel: Einige Charakterzüge vom Tage. II. — Aus der vergleichenden Religionswissenschaft. IV. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Königsberg i.Pr., Frankfurt a.M., Witten, Lanpheim.— Oesterreich- Ungarn: Wien, Pest. — Dänemark: Kopenhagen. — Rumänien: Bukarest. — Palüstina. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Lazare Isidor, Großrabbiner in Frankreich. — Die Juden in Indien. Bonn, 7. Oktober. Einige Charakterziige vom Tage- 11. Der jüngst verstorbene Großrabbiner von Frankreich Isidor war ein hervorragendes Mitglied der „Friedensliga", in deren Borstand der alte Bertheidiger des jüdischen Monotheismus, der emeritirte Professor Adolph Franck, und der von Juden abstammende Jules Simon sich befinden. Uns bereitet es stets Befriedigung, wenn wir auf Seiten loyaler Friedensfreunde unsere Religionsgenossenschaft kräftig vertreten sehen. Ist doch das Hauptmoment aller unserer Gebete die Bitte um Frieden, aber das zerstreute Israel hat eben nur Frieden, wenn alle Nationen, in deren Mitte es lebt, den Segen des Friedens genießen. Kann aber eine solche Liga auch nichts weiter als Wünsche und Hoffnungen aussprechen, so ist es um so wichtiger, in der allgemeinen politischen Lage ziemlich sichere Aussichten auf dauernden Frieden zu haben. Nicht zu verkennen ist es, daß durch die Einigung Deutschlands, so wie durch die Einigung Italiens,, das europäische Gleichgewicht eine normalere Gestalt gewonnen hat, als unser Continent sie früher besessen, noch dazu, da die unter Napoleon III. fast wieder entstandene Suprematie Frankreichs gebrochen worden. Haben sich nun die alten Rivalitäten zwischen den tzohenzollern und Habsburgern durch die Neugestaltung verloren und hat die Herrschaft Oesterreichs über das zerrissene Italien aufgehört, ist vielmehr an deren Stelle ein Friedensbündniß zwischen dem deutschen Reiche, Oesterreich-Ungarn und Italien getreten, so übt dieses letztere den Krieg verhindernd nach Westen und Osten. Hierzu tritt nun mit voller Bedeutung die Reise des Kaisers Wilhelm II. an die Höfe von Petersburg, Stockholm, Kopenhagen, Stuttgart, München, Wien und Rom als von großer Wichtigkeit, da sie auf die friedlichen Verhältnisse aller dieser Staaten ein sichtbares Siegel drückt. Bei allen Völkern hat sich das Bedürfniß nach Frieden entwickelt, theils weil die Gefahren und Verheerungen eines Krieges sich dem Gedächtniß der Völker tief eingegraben haben, theils weil die materiellen Interessen, der Wohlstand und das Wohlbefinden des Volkes nur unter dem Schatten des Friedens bestehen und sich segensreich entwickeln können. Industrie und Handel haben einen so großen Aufschwung genommen und die Ernährung der Völker ist von diesen so abhängig geworden, daß eine jede Störung eine höchst nachtheilige Wirkung übt. Deshalb ist selbst das französische Volk trotz der Revanchehetzer von dem Friedensbedürfniß durchdrungen. Um Krieg zu verhindern, dient auch gerade die außerordentliche Höhe, welche der Militarismus in allen europäischen Staaten erreicht hat, so daß jeder Krieg zu einem unübersehbaren Wagniß geworden und so viel Geldmittel fordert und erschöpft, daß sich jeder Staatsmann abgeschreckt fühlen muß, sich in einen Krieg zu stürzen. — Ist somit — trotz der zweideutigen Lage auf der Balkanhalbinsel — jede Aussicht auf eine kriegerische Verwickelung in Europa so ziemlich ausgeschlossen, so können die Staaten sich um so mehr mit ihren inneren

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