Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-10-04 · Heft 40 (4.10.1888) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 40 (4.10.1888)
Date
1888-10-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227717-3227758--45646-3265172
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Mkkg eineine Zeitung des Iudenthums. Ein maüciischcs Organ sür alles jüdische Jntmffc. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis Vierteljahr!. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Uhilippson in Donn. Grpeditio«: Leipzig, Kospitakstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 4. Oktober 1888. Nr. 40. kokett. Leitende Artikel: Einige Charakterzuge vom Tage. — Aus der vergleichenden Religionswissenschaft. III. — lieber unseren Religions-Unterricht an den Mittelschulen (Gymnasien) in Oesterreich. II. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Vom Rhein, Karlsruhe, Witten, Kaiserslautern. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Frankreich: Paris. — Aegypten: Alexandrien. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Correspondenz. Bonn, Z6. September. Einige Charakterziige vom Tage. Im Vordergründe der Tagesgeschichte, ein wahrhaftes Ereigniß, steht die Veröffentlichung eines Theiles der Aufzeichnungen des Kaisers Friedrich III. während des deutschfranzösischen Krieges 1870/71. Erst in Nr. 38 hatten wir bei Gelegenheit der schönen Schrift vr. Kohut's „Goldene Worte des Kaisers Friedrich III." bemerkt, daß nichts wichtiger sei sür unsere Zeit, als das Gedächtniß dieses groß angelegten Fürsten immer wieder zu erneuern und im Bewußtsein des Volkes aufzufrischen, und daß eine etwaige Veröffentlichung von Aufzeichnungen desselben, sei es als Kronprinzen, sei es als Monarchen, Alles übertreffen werde, was wir bis jetzt von ihm haben und wissen. Dies ist nun zum Theil schnell in Erfüllung gegangen. In diesen zur Zeit nach und nach schnell hingeworfenen Aufzeichnungen spricht sich die innerste Gesinnung und Anschauung des Kronprinzen aus, der damals bereits die 40 überschritten hatte, und wir haben abermals die Gelegenheit, die Milde, Humanität und zugleich die Charakterstärke dieses Mannes zu bewundern. Obschon Soldat und bedeutender Feldherr, ist ihm doch der Krieg äußerst zuwider und die „Blutarbeit" ein wahres Entsetzen. Dem Feinde gegenüber hegt er die versöhnlichste Gesinnung und übt Milde und Nachsicht, so daß selbst die Franzosen ihm dauernd Sympathie entgegenbrachten. Ja, es macht ihm die größte Freude, daß diese Seite seines Charakters anerkannt werde. In politischer Beziehung war er von dem Gedanken der Einigung und Einheit Deutschlands beseelt, sah deren Verwirklichung in der Kaiseridee, verlangte aber nachdrücklich eine freiheitliche Entwickelung im deutschen Reiche. Das Tagebuch eröffnet uns einen Einblick in den Gang, welchen dieses große weltgeschichtliche Problem nahm, und zeigt uns, wie der Kronprinz überall dafür den Impuls gegeben, gegen widerstrebende Elemente mit Energie eingetreten und zum glücklichen Ausgang wesentlich beigetragen hat. Wir erkennen daraus zu großer Befriedigung, daß der Kronprinz sowohl in seinen Ansichten eine volle Selbständigkeit besaß und sie, so weit ihm nur irgend Spielraum dazu vergönnt ward, mit allen Kräften bethütigte. Gerade um dessentwillen wird das nunmehr immer Heller beleuchtete Bild des verklärten Fürsten ein unentbehrliches Spiegelbild für unsere Zeit, die gegenwärtige und zukünftige, und so viel auch die Gegner jeder freieren Anschauung auch gegen diese Aufzeichnungen Vorbringen, sie abzuschwächen oder gar zu verketzern suchen, desto bedeutender wird ihre Wirkung auf lange Zeit sein. Man kann sie nicht mehr übersehen; sie erheben einen nachdrücklichen Widerspruch gegen alle reactionären Bestrebungen. Haben wir doch hier keine flüchtigen Einfälle, sondern die bestimmten Aeußerungen einer durch das ganze Leben bewahrten und bewährten Gesinnung. Sie sind ein Zeugniß echten deutschen Geistes, und darum ein bleibendes Kleinod der Nation. Um so erklärlicher wird es uns, daß dem Kronprinzen der Antisemitismus eine widerwärtige Erscheinung des Tages sein mußte, und daß seine 40

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.