Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1888)
- Date
- 1888-09-27
- Page
- Seite 623 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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623 bietet die Eroberung Konstantinopels, die in Hammer-Purgstaü's „Geschichte des osmanischen Reiches" in so grausigen Zügen dargestellt ist. Wir glauben, daß unsere obige These schon durch die beiden Schilderungen hinlänglich erwiesen ist. Lesseps über den Auszug aus Egypten. Vor Kurzem erschienen in 2 Bänden: „Vierzig Jahre Erinnerungen von Ferdinand von LessePs, dem berühmten Durchstecher der Landenge von Suez. (Berlin, Verein für deutsche Literatur 1888.)" Im zweiten Bande giebt er einen sehr ausführlichen Bericht über die „Entstehung des Suezcanals." Man weiß, wie viele politische Schwierigkeiten, namentlich durch die Opposition Englands, er zu überwinden hatte. Unter anderen schildert er nun seine erste Forschungsreise mit zwei hervorragenden Ingenieuren durch das ganze Terrain, durch welches der Canal zur Verbindung des Rothen mit dem Mittelländischen Meere geführt werden mußte. Er ging hierbei von der nordöstlichen Landschaft Egyptens aus und mußte hier das Gebiet passiren, in welchem die Israeliten vor dem Auszuge aus Egypten gewohnt, und von der aus sie nach der sinaitischen Halbinsel aus und durch das Rothe Meer zogen. Lesseps ftubirte die ganze Gegend sorgfältig, mit der Bibel in der Hand, weil er daraus einige Winke für die Zukunft dieser Landschaft schöpfen zu können glaubte. Er berichtet über seine Resultate Seite 64—72. Besonders war es der Ingenieur Linant, der den von den Hebräern eingeschlagenen Weg untersucht und in einem Aufsätze sein Resultat niedergelegt hatte. Zur Zeit jenes Auszuges bildeten die sog. Bitterseen einen Arm des Rothen Meeres und sind heute eingetrocknet. Die Stellen, wo Ramses und Pithon gestanden, von wo die Israeliten ausgezogen, sind nicht zweifelhaft und wurden durch jüngste Funde durchaus sichergestellt. Nach ihm lag Pi hachiroth, was auch im Arabischen „Thal des Schilfes" bedeutet, in der Nähe des See's Timsah, d. h. der Krokodile. Wir sehen hieraus, daß, da die h. Schrift Pi hachiroth und das Jam Suph unterscheidet (2. Mos. 14, 2), die jüngst vorgetragene Meinung, daß unter Jam Suph, durch welches die Israeliten zogen, der Krokodilsee zu verstehen sei, gänzlich irrig ist. Lesseps sagt: Der Ort, wo sich die Israeliten lagerten, zwischen Pi hachiroth, Migdol und dem Meere, gegen Baal Zephon am Meere, in der That dort liegt, wo sich früher die Lagunen des Rothen Meeres befanden. Das Niveau Vieser Lagunen ist tiefer als das des Rothen Meeres und sie werden wieder Lagunen bilden, sobald der Seekanal eröffnet ist. Die Israeliten haben, von dem in der Bibel beschrie* benen Stnrme begünstigt, am Abend, während der Ebbe, die seichten Stellen inmitten der langen Dünen durchschritten, welche sich zwischen dem Timsohsee und den Bitterseen befinden und welche bei Mondschein wie weißgetünchte Mauern erscheinen. Als sich dann am nächsten Morgen der Wind j gelegt hatte, haben sich die egyptischen Truppen auf die Ber-! folgung des hebräischen Volkes begeben, sind aber in den Fluthen und in den Sümpfen des Thales versunken." Lesseps erlebte und schildert auch einen solchen Oststurm, der zwei Tage währte, die Zelte seines Lagers niederwarf und ihn an dem Orte festhielt, wo er sich gerade befand. Linant erzählte, daß ihm von den Arabern des Sinai ein Mittel gezeigt wurde, um dem Salzwasser seinen bitteren Geschmack zu nehmen, die Zweige des sog. Arakstrauches, einer Art Berberitze. Der Ort Elwin heißt noch heute „Mosequellen", deren es noch heute zwölf giebt. In der Umgegend stehen jetzt einige Villen. Ueber das Manna sagt er: „Herr Linant hat vielfach von Arabern gesehen, daß sie das Manna eim sammelten, welches bei Sonnenaufgang und einer gewissen Temperatur aus den Blättern des Tamarindenstrauches fließt, einer Pflanze, die sowohl auf der ganzen von uns zurückgelegten Strecke der Wüste als auch jenseits des Sinai in Stauden und Sträuchern wild wächst. Es ist in der That eine Art Reif oder weißer Schaum, der sich auf den Tamarindenblättern bildet, bei den ersten Sonnenstrahlen schmilzt, tropfenweise zur Erde fällt und dort eine dem Honig ähnliche Masse bildet. Das Manna des Sinai hat keinen angenehmen Geschmack und auch nicht die abführende Wirkung, wie das aus Sicilien kommende, welches man in unseren Apotheken findet." Wir bemerken noch nachträglich, daß Lesseps auch an der Stelle gelagert, wo Sukkoth gelegen nnd das noch heute bestehende Etham. Sukkoth wird noch heute von den Arabern üin-riam „Mutter der Zelte" genannt. Etham liegt, ganz wie die Schrift besagt, am äußersten Ende einer großen Wüste, die von den Becken der Bitterseen bis zum Rothen Meere sich erstreckte. Der Stamm, welcher zu gewissen Jahreszeiten dort in der Nähe lagert, heißt Ethamis. — Es ist nicht zu übersehen, daß Lesseps und seine Ingenieure diese ganze Landschaft selbst genau untersucht haben, und für den Gegenstand ihrer Forschung, das zu wählende Terrain für den Canal aufzufinden, ein Interesse an der Richtigstellung der Thatsachen hatte. Wir legen deshalb seinen Meinungen ein nicht geringes Gewicht bei.