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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-09-27 · Heft 39 (27.9.1888) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 39 (27.9.1888)
Date
1888-09-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung dsß Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Mische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 E Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Dann K-rpedition: Leipzig, Kofpitakstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr V2 m\) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 27. September 1888. Nr. 3!). Inhalt. Leitende Artikel: Franz Delitzsch's neueste Schrift. II. — Pacht und Miethe nach jüdischem Recht. — Ueber unseren Religions-Unterricht an den Mittelschulen (Gymnasien) in Oesterreich I.— Zeitungsnachrichten: Deutsch land: Berlin, Leipzig, Fraukfurt a. M., München, Köln, Aus Schlesien. Aus Schleswig-Holstein, Königsberg i. Pr. — Oesterreich-Ungarn: Pest. — Frankreich: Paris. — Rußland: Lodz. — Bonn: Notizen. — Bonn, Pest: Literarische Notizen. — Feuilleton: Zwei Scenen aus der Geschichte der Stadt Jerusalem. — Lesseps über den Auszug aus Egypten. Bonn, 23. September. Frau; Delitzsch's neueste Schrift, n. Delitzsch befolgt in seiner Missionsschrift das Verfahren etwa dessen, der die Höhen zweier Berge abtragt und damit die Kluft zwischen ihnen ausfüllt, um so ein Plateau herzusiellen, auf welchem man mit Leichtigkeit von der einen Seite zur anderen spazieren kann. In einem weiteren Abschnitt geht er von dem Offenbarungsglauben aus, der die Grundlage der israelitischen Religion sei. Er meint nun, daß derjenige Jude, welcher an der Offenbarung zweifelt, dem Antisemitismus Recht giebt, welcher behauptet, .,daß das Bewußtsein Israels, das auserwählte, d. h. zum Träger göttlicher Offenbarung für die Welt bestimmte Volk zu sein, nichts als Größenwahn eingebildeten Nationalstolzes sei." In dieser apodictischen Weise ist diese Behauptung durchaus falsch. Die göttliche Offenbarung ging nicht bloß durch Moses und die Propheten, sondern geht auch durch die Geschichte vor sich, welche uns durch ihre Thatsachen die göttliche Weltordnung verkündet und bestätigt. Wer nun nach dieser Richtung hin die Geschichte überschaut, sieht unzweifelhaft den jüdischen Stamm als den Träger der reinen monotheistischen Gotteslehre und ihrer ethischen Consequenzen durch die Jahrtausende bestehen. Anderthalb Jahrtausende stand er mit diesem seinem Bekenntniß der gesammten heidnischen Welt gegenüber und verschaffte in seinem Schoße durch vielfache innere Kämpfe dieser Gotteslehre den vollen Sieg. Aus seinem Schoße ging das Christenthum, auf seinem Boden sproß der Islam hervor, und wiederum ist er nun fast zwei Jahrtausende der Bewahrer des reinen Monotheismus allen Modisicationen desselben gegenüber. Dies ist also die offenbare Mission dieses Stammes, Und Niemand kann sie iym bestreiten. Wenn aber eine Nation innerhalb der großen Völkerfamilie ununterbrochen und ganz eine bestimmte Mission ausführt, so ist sie hierzu durch die göttliche Weltordnung berufen und erzogen, d. h. auserwählt. Dies ist geschichtliche Thütsache, und ein Jude, welcher die göttliche Offenbarung durch das Wort nicht begreift, kann immer noch die Mission seines Stammes in der Geschichte begreifen. So unbequem dies Herrn Delitzsch und seinen Genossen sein mag, so können wir es ihnen doch nicht ersparen. Sieht er „das Christenthum als die göttliche Fortsetzung und Vollendung der Religion Israels" an, so giebt dies einerseits das Judenthum nicht zu, andrerseits macht der Islam dieselbe Forderung geltend, und zwar so, daß er die Religion Moses' und Jesu als zwei Vorstufen ansieht und Mahomed als den Vollender dieses Offenbarungsbaues. Auf diese Weise könnte ein zukünftiger Begründer einer neuen Religionsgenossenschaft sich wiederum als den Träger der letzten Vollendung proktamiren. — Weiterhin beschäftigt sich nun Delitzsch mit der Frage nach dem dritten Tempel. Der zweite Tempel habe die Verheißungen der Propheten über die Herrlichkeit desselben nicht erfüllt und sei zu Grunde gegangen. Auf Grund der prophetischen Weissagungen müsse also ein dritter Tempel 39

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