Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1888)
- Date
- 1888-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein LWttciischeS Organ Kr alles jüdische Jntercffe. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljährl. 3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streifband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Dann. K-Lpedition: Leipzig, Kospitakstraße 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 20. September 1888. Nr. 38. JafcaU. Leitende Artikel: Zu den hohen Festen. — Franz Delitzsch's neueste Schrift. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin,Gießen, Freiburg i. Br. — Oesterreich-Ungarn: Drohobycz. — Belgien: Brüssel. — Frankreich: Paris. —Rußland: Lodz.— Bonn: Notizen. — Feuilleton: Coralie Cahen. — Jsaac Strauß. — Gregor VH. und die Duldsamkeit. — Ein preußischer Osficier. — Vermischtes. Seite+tie Gl tfä&ef. Bonn, 16. September. Zu den hohen Festen. 5. Das Laubhiittenfest. Wir haben die These aufgestellt, daß die Religion Israels auch den herbsten Ernst harmonisch in eine Befriedigung, in die Freudigkeit des Daseins ausklingen läßt.') Wie um diesen Satz zu beweisen, schließt sich an das Rosch haschanah und Jom Kippur, welche die Seele ergreifen und erschüttern sollen in ernster Mahnung, Sukkoth, das heitere Laubhüttenfest an. Ja, es war ein Freudenfest nach der Einsammlung der Obst-, Oel- und Weinernte. Da heißt es 5. Mos. 13: „Ein Fest der Hütten bereite dir sieben Tage, wenn du einsammelst von deiner Tenne und von deiner Kelter, und freue dich an deinem Feste, du und dein Sohn und deine Tochter und dein Knecht und deine Magd und der Levit und der Fremdling und die Waise und die Wittme, die in deinen Thoren; denn der Ewige, dein Gott, wird dich segnen in all' deinem Ertrage und in allem Werk deiner Hände und so sei nur freudvoll." Und je weiter die Zeiten i) Werde» doch alle Sabbathe und Feste durch einen Becher Wein mit den entsprechenden Segenssprüchen eingeleitet, geweiht, und fordert der Pessachabend sogar „vier Becher". Der Psalmist feiert in einem seiner herrlichsten Gesänge, dem 104., auch die Gabe des Weines, der „das Herz des Menschen ersreut", unter den Schöpfungen und Wohlthaten Gottes. Daß hierdurch die Trunksucht im jüdischen Stamme genährt worden sei, wird Niemand behaupten. vorrückten, desto mehr wurde dieses Fest als Freudenfest begangen. So wird nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil (Nehem. 8,10), als das Volk trauerte und weinte auf den Trümmern Jerusalems und bei den ärmlichen Verhältnissen des wieder aufgerichteten Tempels, geschrieben: „Esra upd Nehemia riefen dem Volke zu: „Gehet, esset Fettes und trinket Süßes und sendet Gaben dem Nichts bereitet ist, denn der Tag ist heilig nnserm Herrn und grämet euch nicht, denn die Freude am Ewigen, sie ist eure Schutzwehr!" und weiter: „Gehet auf das Gebirge und holet Zweige des Oelbaums und Zweige des wilden Oelbaums und Zweige der Myrthe und Zweige der Palmen und Zweige starkbelanbter Bäume, Hütten zu machen, wie geschrieben. Da ging das Volk hinaus und holte herbei und machte sich Hütten, Jeder auf seinem Dache und auf ihren Höfen und ans den Höfen des Hauses Gottes und auf dem Platze am Wasserthore und auf dem Platze am Ephrajimsthore. Und es machte die ganze Versammlung derer, die aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, Hütten, und es war eine sehr große Freude." Dieses religiöse Volksfest nahm weiterhin noch mehrere Ceremonien, als im Gesetze vorgeschriebe» war, in sich auf, wie das Wasserausgießen am Altäre, mit Musik, Reigen, Fackeln und Illumination, so daß es zum Sprichwort ward: „wer dieses Fest nicht gesehen, hat noch kein Freudenfest gefeiert." — Wir wollen heute die Gedanken nicht wiederholen, welche diesem Feste einwohnten und in nnserm Geiste noch einwohnen können. Fragen wir vielmehr nach der Bedeutung, welche die Laubhütte tdd in der Schrift hat? Die Hütte steht zunüchst als vorübergehender Aufenthalt der „Wohnung", die 38