Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 52 (1888)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1888)
- Date
- 1888-08-23
- Page
- Seite 543 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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543 Mit den alten Weisen würde ein gut Stück des alten Judenthums verloren gehen und das wäre doch recht schade! Correspondenz. Lehrcrlicrsanimlung. Stuttgart, 7. August 1888. Heute wurde im ^>otetj Degginger hier die Versammlung israelitischer Lehrer! und Vorsänger Württembergs abgehalten. Anwesend! waren ca. 20 Mitglieder. Der Vereinsvorstand richtete an! die Versammlung, welcher auch die Herren Kirchenrath vr. j v. Wassermann, Rabbiner vr. Stößel und Kirchenvorsteher | G. Sontheimer beiwohnten, herzliche Begrüßungsworte, in j denen er die Zwecke des Vereins beleuchtete. Hierauf be-! grüßte Kirchenrath vr. v. Wassermann die Versammlung in 'einem und im Namen des Deutschisrael. Gemeindebundes \ und verbreitete sich über die jetzigen Schulverhältnisse im i Gegensatz zu den früheren, besonders betreffs der zu Pfle-. genden Lehrfächer des Religionsunterrichts. Der ehrwürdige Redner, den Berufspflichten vom weitern Verweilen in der Versammlung abhielten, legte den Anwesenden für die Berathung über Revision des Lesebuchs, an dessen Abfassung v. Wassermann mitwirkte, besonders die Berücksichtigung der nachbiblischen Geschichte an's Herz. Hieran schloß sich die Berichterstattung des Vorsitzenden über den Stand des Unterstützungsvereins, dessen Vermögen am 1. August 1888 34,179 M. beträgt und um 1460 M. zugenommen hat. An Spenden erhielt der Verein 1755 M., an Stiftungen zum Grundstock 600 M. Der Ausschuß verwilligte wieder Unterstützungen im Betrage von 1450 M. in Gaben von 100—250 M. Auch der Kasse des evangelischen Lehrerunterstützungsvereins wurde eine Gabe zugewiesen. Nun erhielt Lehrer Straßburger-Buchau das Wort zu seinem ausführlichen Referat über „die Revision des Lesebuchs für die israelitischen Schulen Württembergs". Referent berichtet über die Entstehung dieses Lehrbuchs, das 1867 auf Veranstaltung der königl. israel. Oberkirchenbehörde von den DDr. Wassermann-Mühringen und Jost und S. Stern-Frankfurt a. M. herausgegeben wurde, aber jetzt durch den neuen Nonnallehrplan für Württemberg, durch Einführung der neuen amtlichen Orthographie und durch die politischen Veränderungen seit 1867 seinem Zwecke nicht mehr entspricht. Referent führte alle die Ansprüche auf, die an ein zweckniäßiges Lesebuch gemacht werden müssen, und beleuchtete daran alle Mängel, die das Lesebuch jetzt für unsere Schulen unbrauchbar machen. Die dem Vortrage zu Grunde gelegten Thesen wurden von der Versammlung mit wenigen Abänderungen angenommen und lauten: 1. Ein Lesebuch, daß den Schulen die zweckmäßigste Oekonomie des Unterrichts möglich macht, aber auch den Schul- und Confessionsverhältnissen entspricht, ist Bedürfniß jeder Schule. 2. Das seit 1867 nicht mehr revioirte „Lesebuch für die israel. Schulen Württembergs" befriedigt diese Ansprüche nicht mehr. 3. Die amtliche Orthographie ist im Lesebuch consequent durchzuführen. 4. Die poetischen Lesestücke bedürfen einer besseren Auswahl, besonders mit Berücksichtigung deutsch-nationalen und jüdisch-religiösen Stoffes. 5. Der realistische Stoff ist unzureichend; er bedarf der Berichtigung, der Vereinfachung und Erweiterung und der besseren Auswahl. 6. Unseren Wünschen für ein zweckmäßiges Lesebuch wird entsprochen durch eine mit Subvention der königl. israel. Centralkirchenkasse von der israel. Oberkirchenbehörde zu veranstaltende Revision unseres Lesebnchs unter Beiziehung israel. Lehrer Württembergs. Es wurde beschlossen, die königl. israel. Oberkirchenbehörde unter Einsendung des Straßburger'schen Referats um Abhilfe in dieser wichtigen Angelegenheit zu bitten. An den anregenden Debatten betheiligte sich auch Herr Rabbiner vr. Stößel. Lehrer Spatz - Eschenau hielt nun einen Vortrag über „die Juden in Hohelohe im 11. und 12. Jahrhundert", den Lehrer Frank-Weikersheim durch weitere Mittheilungen ergänzte. Es gelangte nun der Antrag eines Mitglieds znr Besprechung, daß in Betreff der Alterszulagen die Vorsänger- Religionslehrer den Lehrern gleichgestellt werden möchten, und wurde eine Petition an die israel. Oberkirchenbehörde in diesem Sinne beschlossen. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wird Heilbronn in Vorschlag gebracht; ein Beschluß wurde hierüber nicht gefaßt. Die Mitglieder der Versammlung betheiligten sich zum größten Theile an einem gemeinschaftlichen Mahle, bei dem die üblichen Toaste nicht fehlten. B. Straßbnrger-Bnchau.