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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1888-08-16 · Heft 33 (16.8.1888) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
52 (1888)
Issue
Heft 33 (16.8.1888)
Date
1888-08-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine 3 citung des Zudmlhums. Ein imparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Durch Buchhandel oder Post bezogen Preis vierteljührl. -3 M., direct von der Expedition in Leipzig unter Streisband 3,50 M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp son in Dann. Expedition: Leipzig, Kospitakllrahe 2. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 52. Jahrgang. Leipzig, den 16. August 1888. Nr. 33. Inhalt. Leitende Artikel: Das Humanitätsprincip. — Aus der christlich-religionsphilosophischeu Literatur und ihren Beziehungen zum Judenthum. III. — Vom gegenwärtigen Stand des Antisemitismus in Berlin. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Leipzig, Mannheim, Fürth, Marburg. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Prag, Szegedin. — Rußland: Petersurg. — Palästina: New-Uork. — Asien: Smyrna. — Tunis: Tunis. — Bonn: Notizen. — Bonn, Pest: Literarische Notizen. — Feuilleton: Kurze Bemerkungen. VI. VII. — Vermischtes. £ei-tenic CU Bonn, 12. August. Das Humanitätsprinzip. Zweifellos ist es unsre, der Israeliten, Pflicht, mit allen Kräften das Humanitütsprinzip zu vertheidigen und auf dessen Verwirklichung möglichst hinzustreben. Unsre Religion war es, die auf der ersten Seite ihrer heiligen Urkunden verkündete: der Mensch, d. i. alle Menschen sind im Ebenbilde Gottes geschaffen, und sich einige Seiten weiter des Ausdrucks bediente: „Dies ist das Buch der Geschlechter des Menschen" (1. Mos. 5, 1.), Worte, welche in der talmudischen Welt zu den wichtigsten der ganzen heiligen Schrift gehörig erklärt wurden, weil sie die Einheit des Menschengeschlechtes, also auch die Brüderlichkeit und Gleichheit aller Menschen lehrten.^) In unsrem Gesetzbuch steht als eine der ersten Vor- ’) ßer. mb. 24. Ganz ähnlich heißt es in Mischn. Sanhedr. 4, 5: „Darum ist zu Anfang der Schöpfung nur ein einziger Mensch um der Einheit willen geschaffen worden, damit nicht ein Mensch zum andern sage: mein Urvater war vorzüglicher als Deiner!" Es wird in der Gemara hinzugefügt, daß die Größe Gottes sich darin zeige, daß alle Menschen, trotzdem sie sich durch Individualität abzeichnen, doch einen und denselben menschlichen Typus nach der Art Adams besäßen, während der Mensch nur ganz gleiche Münzen herzustellen vermöge. Im Jeruschalmi F. 22, 2 ist die Deutung modisizirt, „damit Gerechte nicht sagen könnten, ich bin der Sohn eines Gerechten, ihr aber Söhne von Frevlern." Also um jedem Hochmuthe in den Menschen, namentlich von Geschlechtern und Klassen, cntgegenzntreten, stammen alle Menschen von einem einzigen Urvater ab. schriften: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", und um keinen Zweifel zu lassen, daß unter „Nächsten" alle Menschen ohne Unterschied zu verstehen seien, gleich darauf: „Liebe den Fremdling wie dich selbst." Die Propheten Israels waren es, welche die Vereinigung aller Völker in der Erkenntniß Gottes, im Friedensreiche des Rechts und der Liebe verkündeten, und ihr letzter rief noch aus: „Haben wir nicht Alle einen Vater, hat uns nicht Ein Gott geschaffen?" — Jener Führer in der Entwickelung des traditionellen Gesetzes, Hillel, stellte als den Wahlspruch seines Lebens auf: „Liebe den Frieden, suche ihn eifrig und liebe die Menschen." -) Und ein anderer seiner Aussprüche war: „Was du nicht willst, daß dir geschehe, das thue auch einem Andern nicht", als einer der Hauptgedanken des mosaischen Gesetzes, ein Satz, der ebenso positiv wie negativ zu fassen ist, denn wir wollen z. B. nicht in irgend Nöthen verlassen werden, und so ist uns in jenen Worten geboten, Niemanden in seinen Nöthen zu verlassen. Doch begnügen wir uns hiermit, denn schon das Angeführte beweist hinlänglich, daß der Kern unsrer Religion die Humanität ist, und wie nun in der Geschichte des Menschen die Theorie mit der Praxis immer verwächst, so hatte der jüdische Stamm die meisten Märtyrer unter der Herrschaft der Inhumanität und der Barbarei zu liefern. — Was ist aber Huinanität? Die Erkenntniß und Bethätigung, daß alle Menschen — trotz ihrer Individualität — von 2) nm:“ nx zr>x, eigentlich „alle Geschöpfe", hier aber nvH3 wie oft, als „Menschen", wie die Fortsetzung des Spruches bezeugt, „verbreite unter ihnen die Gotteslehre". — 33

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